Fußball: 3. Liga
Preußen planen gegen Fortuna Köln die Rückkehr zur Einfachheit

Münster -

Das Fiasko von Wiesbaden wirkt nach. Vor dem Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Fortuna Köln am Freitag steht Preußen Münster unter Druck. Als Reaktion auf das jüngste 2:6 kündigt Trainer Benno Möhlmann Änderungen an. Er selbst gibt sich allerdings vergleichsweise locker.

Freitag, 03.11.2017, 01:33 Uhr aktualisiert: 03.11.2017, 07:07 Uhr
Da muss mehr kommen: Jeron Al-Hazaimeh (l.), Sebastian Mai und Michele Rizzi (r.) müssen am Freitag mit den Preußen mehr anbieten als zuletzt in Wiesbaden.
Da muss mehr kommen: Jeron Al-Hazaimeh (l.), Sebastian Mai und Michele Rizzi (r.) müssen am Freitag mit den Preußen mehr anbieten als zuletzt in Wiesbaden. Foto: Jürgen Peperhowe

Als sich die Drittliga-Kicker des SC Preußen Münster am Dienstag zum ersten Training nach dem 2:6-Debakel beim SV Wehen Wiesbaden einfanden, erwartete sie alles andere als eine Kuschelstunde. Die kompletten 90 Minuten führte Coach Benno Möhlmann seinen Mannen vor, gemeinsam mit Sportchef Malte Metzelder adressierte der Trainer klare Worte an die Mannschaft.

„Wir haben den Jungs die Gesamtheit ihres Auftritts vor Augen geführt. Sie haben jetzt den Ernst der Lage erkannt“, sagt Möhlmann. Und das kann in der sportlichen Krise, in der die Preußen vor der Partie am Freitag (19 Uhr) gegen Fortuna Köln als Tabellen-17. ohne Wenn und Aber stecken, nur hilfreich sein.

Prekär ist die Situation des SCP, der in 14 Spielen nur 13 Zähler gesammelt hat und sich in Wiesbaden wie ein echtes Kellerkind präsentierte. „Jeder hat gemacht, was er wollte“, meckerte Kapitän Adriano Grimaldi, der direkt nach der Begegnung öffentlich Kritik an den Kollegen geäußert hatte – und damit nicht unbedingt auf Gegenliebe bei seinem Coach stieß. „Da muss er auch mal auf die Zähne beißen und nachdenken. Das war an der Grenze, es wäre besser gewesen, die Dinge erst intern auszutragen, bevor sie öffentlich werden“, sagt Möhlmann, der inhaltlich aber den Weckruf des Kapitäns teilt.

„Wir haben es bislang in dieser Saison nicht geschafft, drei, vier Wochen stabil im positiven Sinne zu spielen“, erklärt der 63-Jährige. Die Folge: „Alles kommt auf den Prüfstand. Wir werden sicher nicht mit der gleichen Mannschaft wie in Wiesbaden beginnen. Aber die Entscheidung über die endgültige Aufstellung ist noch nicht gefallen.“

Personelle Veränderungen

Nichts scheint ausgeschlossen beim SCP, zumal Sebastian Mai, Martin Kobylanski und Michele Rizzi am Mittwoch angeschlagen waren. Ein Streichkandidat ist Danilo Wiebe, der Wehens ersten Gegentreffer mit einem Doppelfehler massiv begünstigte und damit das Unheil einleitete. Auch wenn Möhlmann den defensiven Mittelfeldakteur nicht als einzigen Schuldigen („Wir haben durch individuelle Fehler die Entwicklung selber verursacht“) ausmacht, wird Wiebe wohl aus der Startelf rotieren.

„Ich habe schon gedacht, dass Danilo konstanter wird in dieser Saison. Fehler passieren jedem Spieler. Aber entscheidend ist, wie er dann damit umgeht und weiter agiert“, sagt der Coach, der sich personell nicht in die Karten schauen lässt. Eines aber verspricht er: „Es wird eine Mannschaft auf dem Feld stehen, die alles tun wird, um die Aufgabe Fortuna Köln zu lösen.“

Hilfreiche Rückbesinnung 

Und diese Aufgabe wird eine äußerst schwierige, die Rheinländer sind mit 30 Punkten derzeit Tabellenzweiter. Ein dickes Brett, das die Preußen da bohren müssen. „Das ist zwar kein Zauberfußball, den die Kölner spielen. Aber mit ihrem Auftreten, das sehr einfach ist, kommen sie gut klar und machen nur wenig Fehler. Sie spielen soliden Fußball, an den sich alle halten. Und durch den Erfolg sind sie selbstbewusst geworden und davon überzeugt, dass es richtig ist, was sie machen“, sagt Möhlmann.

Davon ist der SCP derzeit weit entfernt. Aber vielleicht bringt die Rückbesinnung auf die Einfachheit der Dinge ja auch die Preußen wieder in die Spur. Die Zeit dafür wäre jedenfalls mittlerweile gekommen.

► Flutlichtspiele am Freitagabend – das waren früher Highlights an der Hammer Straße. Bisher sind 4000 Tickets verkauft, erwartet werden lediglich 6000 bis 6500 Besucher.

voraussichtliche Aufstellung  - SCP: Körber – Tritz, Mai, Schweers, Menig – Rizzi, Braun - Rühle, Kobylanski, Al-Hazaimeh – Grimaldi

Der Kader für die Saison 2017/18 - Kurzporträts

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  • Das ist das Aufgebot des SCP für die neue Saison:
    (oben von links) Nico Rinderknecht, Fabian Menig, Simon Scherder, Adriano Grimaldi, Sebastian Mai, Ole Kittner, Jeron Al-Hazaimeh, Lion Schweers, Lennart Stoll, Philipp Hoffmann, (Mitte von links) Trainer Benno Möhlmann, Co-Trainer Sven Kmetsch, Torwarttrainer Milinko Gilic, Benjamin Schwarz, Stéphane Tritz, Sandrino Braun, Michele Rizzi, Tobias Rühle, Athletiktrainer Christian Krabbe, Physiotherapeut Matthias Haase, Teammanager Harald Menzel, Sportdirektor Malte Metzelder, (unten von links) Zeugwart Norbert Bussmann, Zeugwart Jürgen Keseberg, Martin Kobylanski, Nils Körber, Max Schulze Niehues, Luis Klante, Lucas Cueto, Mannschaftsarzt Dr. Cornelius Müller-Rensmann, Mannschaftsarzt Dr. Tim Hartwig. Auf dem Mannschaftsbild fehlen Tobias Warschewski und Moritz Heinrich.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Max Schulze Niehues (28 Jahre/Rückennummer 35): Die Ruhe selbst, immer mindestens solide, keine Extravaganzen. Der Freckenhorster war schon in der Jugend Preuße und ist es nun schon seit 2011 wieder.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nils Körber (20/1): Herausforder aus der Hauptstadt. Das Hertha-Talent ist für ein Jahr ausgeliehen. Er pflegt einen draufgängerischeren Stil. Hatte Glück und konnte sich in den Tests öfter auszeichnen. Beherrscht den Strafraum, kommt früh raus.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Luis Klante (18/37): Klar definierte Rolle als Nummer drei, steht in der Regel für die U 19 im Bundesliga-Tor. Zuletzt ausgebildet in Hoffenheim.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stéphane Tritz (30/2): Unter Trainer Benno Möhlmann aufgeblüht. Nie spektakulär, nie torgefährlich, aber dafür glänzend im Stellungs-, clever im Passspiel. Der Franzose ist, klammert man Schwarz aus, inzwischen der Oldie.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sebastian Mai (23/26): Der Sachse macht den Mund auf, Sprecher der Viererkette. Hat großartige Anlagen, leistete sich aber immer wieder Fehler. Dass er ein etwas verrückter Typ ist, sagt er selbst.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers (21/25): Shootingstar der vergangenen beiden Jahre. Für sein Alter mit einer bemerkenswerten Ruhe am Ball und im Zweikampf – womit der Dortmunder durchaus bereits Proficlubs auf sich aufmerksam gemacht hat.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jeron Al-Hazaimeh (25/29): Darf seinen oftmals immensen Vorwärtsdrang neuerdings auch im Mittelfeld ausleben. Extrem treffsicher für einen Außenverteidiger. Kleine Konzentrationsschwächen im Rückwärtsgang. Neben dem Platz ein höflicher, aber eher stiller Vertreter.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner (29/13): Ein echter Anführer, wären da nicht die häufigen kleineren Wehwehchen. Strahlt auf dem Feld Ruhe aus, kommt im Mannschaftskreis super an. Der gebürtige Münsteraner war bis letzten Sommer für über drei Jahre auch aufgrund diverser Knieverletzungen vereinslos und ohne Praxis.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig (23/5): Erfahrenster Neuzugang aus Aalen, hat die Freiburger Fußballschule absolviert. In der Defensive kann er alles spielen, jede Position in der Viererkette und sogar auf der Sechs. Hat sich schnell eingelebt und von Beginn an immer ein Lachen im Gesicht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder (24/15): Ihn durfte der SCP nicht gehen lassen. Seit 2006 Preuße, das wirft man auch nach zwei Jahren Kreuzband-Pause nicht weg. Der Junge aus Dreierwalde tastet sich nun langsam, aber durchaus erfolgreich wieder ran.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Michele Rizzi (29/8): „Hinrunde Schrott, Rückrunde top“ – so fasste der Mittelfeldmann die Vorsaison zusammen. Auch er selbst steigerte sich nach der Winterpause deutlich. Nachdem er die Kapitänsbinde abgab, ist er nun wieder Vize. Ein echter Fixpunkt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Danilo Wiebe (23/21): Am Ball mit allen Fähigkeiten, kann ein Spiel lesen. Doch noch taucht er zu oft ab. Cleverer Bursche, der in dieser Saison im 4-1-4-1 mehr Verantwortung trägt und nun den nächsten Schritt in der Entwicklung gehen muss.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sandrino Braun (29/6): In seinem ersten Preußen-Jahr fand er kaum seinen Rhythmus und leistete sich rätselhafte Ballverluste. Nun will (und muss) der Träger stylischer Hüte allen Kritikern zeigen, dass er mit fast 150 Drittliga-Partien kein Fehleinkauf ist.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nico Rinderknecht (19/17): Für ein Jahr aus Ingolstadt ausgeliehen, wo er als zentraler Mittelfeldspieler in der Reserve sechs Tore machte. Hat auch schon fünf Minuten (für Eintracht Frankfurt, gegen Borussia Dortmund) in der Bundesliga gekickt. Kurz vor dem Saisonstart im Pech und durch eine Verletzung zurückgeworfen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benjamin Schwarz (30/23): Erfahrung, Energie und Laufbereitschaft des Routiniers mit dem bayrischen Akzent täten der jungen Truppe gut. Doch frühestens im Frühjahr wird er nach seiner x-ten Knie-OP wieder ein Thema. Der Ur-Münchener würde seine Karriere danach gerne in Münster fortsetzen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lennart Stoll (21/18): Backup hinten rechts? Oder Allrounder im Mittelfeld? So oder so hält Möhlmann eine Menge vom wissbegierigen und waschechten Münsteraner, der nicht mehr weit weg ist von einem Stammplatz.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lucas Cueto (21/7): Für den 1. FC Köln schoss er einst die Tornetze der Jugend-Bundesliga auseinander. In der Schweiz beim FC St. Gallen folgte ein kleiner Knick, auch aufgrund von Verletzungen. Die bremsten ihn bisher auch bei den Preußen weitgehend aus.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann (25/20): Sympathieträger neben dem Feld, Hoffnungsträger auf dem Rasen. Ein Patellasehnenriss kostete ihn fast ein Jahr der Karriere. Nun hat er sich wieder ganz nah an die erste Elf herangerobbt. Findet er seine alte Form, ist er eine variable Waffe.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski (23/10): Stolzer neuer Träger der Nummer 10. Wie aus der Pistole geschossen antwortete er auf die Frage nach dem Preußen-Gründungsjahr – „1906“! Hat sich als Winter-Einkauf von der ersten Sekunde an komplett auf den neuen Club eingelassen. Feste Größe, muss aber noch Konstanz finden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Moritz Heinrich (20/27): Ein Löwe, seit er sechs ist. Nun plötzlich im Adlerhorst gelandet. Spannende Vita, in Münster will er seiner Laufbahn wieder neuen Schwung verleihen. Möhlmann fand ihn als A-Junioren bei den Sechzigern schon spannend.

    Foto: Thomas Rellmann
  • Tobias Rühle (26/11): Kann mehr als nur Freistöße und Elfmeter herausholen. Stets unterwegs, muss sich von Hintermann Tritz oft ein „Rülle, Rülle“ anhören. Fehlt in keiner Wunschelf – jedoch dürfte es etwas mehr als nur ein Tor in der Saison sein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Adriano Grimaldi (26/39): In seiner Rolle als Kapitän geht er förmlich auf. Hält die Bälle, leitet sie weiter, drückt sie mit Fuß oder Kopf ins Tor. Aktuell ist er der Schlüsselspieler schlechthin. Bleibt er diesmal fit, wird er wahrscheinlich noch mal für Zweitligisten interessant.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Warschewski (19/16): Kaum zu glauben, nun beginnt sein erstes echtes Seniorenjahr. Will gerne mehr sein als nur Joker, sammelte Erfahrung bei der U-19-Nationalelf, steht auf der Wunschliste diverser Bundesligisten. Doch Preußen will ihn natürlich auch längerfristig binden. Ist noch etwas unorganisiert, dafür als Youngster durchaus anerkannt im Team.

    Foto: Jürgen Peperhowe
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