Fußball: 3. Liga
Preußen-Trainer Möhlmann setzt auf mehr Sicherheit – Test in Groningen

Münster -

Eine lange Zeit überzeugende Leistung reichte den Preußen gegen Fortuna Köln nicht zum Sieg. Dafür brachte das 1:1 aber eine wichtige Erkenntnis. Nämlich die, dass es in der 3. Liga nicht um die spielerische Note geht, sondern um die einfachen Dinge.

Sonntag, 05.11.2017, 15:13 Uhr aktualisiert: 05.11.2017, 16:31 Uhr
Üblicher Wechsel: Auf der linken Offensivseite sind Wechsel wie dieser am Freitag an der Tagesordnung. Coach Benno Möhlmann (l.) sucht eine Dauerlösung. Jeron Al.Hazaimeh (l.) stellt sie kaum dar, Philipp Hoffmann spielt eher rechts.
Üblicher Wechsel: Auf der linken Offensivseite sind Wechsel wie dieser am Freitag an der Tagesordnung. Coach Benno Möhlmann (l.) sucht eine Dauerlösung. Jeron Al.Hazaimeh (l.) stellt sie kaum dar, Philipp Hoffmann spielt eher rechts. Foto: Jürgen Peperhowe

Eine Dreiviertelstunde nach dem Abpfiff sprach Benno Möhlmann Bemerkenswertes aus: „Wir wollten gerade spielerisch in dieser Saison einen Schritt nach vorne machen. Aber das ist offenbar nicht so einfach.“ Ja, der Trainer-Fuchs des SC Preußen, erfahren in den Bundesligen, muss nach gut einem Jahr erkennen, dass die 3. Liga, Deutschlands verrückteste und ausgeglichenste Spielklasse, für diese Idee nicht das richtige Feld ist. Hier zählen andere Werte. Kampfbereitschaft, Disziplin, Positionstreue, Kompaktheit. Münster ist nach dem 1:1 (1:1) am Freitagabend gegen Fortuna Köln immerhin auf dem Weg in diese Richtung. „Zumindest bis Weihnachten ist es sinnvoll, in erster Linie sicher zu spielen.“ Nur die Ausbeute zählt für das durchaus namhafte Team, das sich weiter an der Grenze zur Abstiegszone bewegt.

Einzelkritik: SC Preußen Münster - Fortuna Köln

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  • Nils Körber: Rettete in den Schlussminuten den Punkt. Zuvor wenig geprüft, leistete sich kurz vor dem Pausenpfiff beim Kölner Abseitstor einen Patzer, als er den Ball nach vorne prallen ließ.  Da hatte er Glück mit dem Pfiff. - Note 3

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  • Stéphane Tritz: Eine solide Partie des Rechtsverteidigers, der defensiv gut stand, offensiv aber nur bedingt Akzente setzte, immerhin aber ab und an nach vorne marschierte. - Note 3

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  • Fabian Menig: Auch in dieser Partie blieb der Linksverteidiger nicht fehlerfrei, trat zudem in der Vorwärtsbewegung so gut wie gar nicht in Erscheinung. Sein Gegenspieler Dominik Ernst bereitete ihm so manches Mal Probleme, zudem rückte er beim Gegentor zu spät ins Zentrum. - Note 4

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  • Michele Rizzi: Der 29-Jährige kann sicher mehr. Die gute erste Halbzeit der Preußen lief an ihm vorbei, nach dem Wechsel aber steigerte sich der Mittelfeldchef wieder einmal erheblich. Sein Schlenzer in  Minute 55 war gut gedacht, nur zu hoch angesetzt. - Note 3,5

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  • Martin Kobylanski: Gehörte zu den Aktivposten des SCP. Besonders seine Standards sorgten für Unruhe im Kölner Strafraum, zu den Highlights gehörte sicher der 26-Meter-Freistoß, den Fortunas Schlussmann Tim Boss parierte (78.). - Note 2,5

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  • Tobias Rühle: Der unermüdliche Rackerer war der beste Mann des SCP und war in der ersten Halbzeit an nahezu jeder gefährlichen Aktion beteiligt.  Danach ließ er kurzzeitig nach. Die Position als zweite Spitze gefällt ihm. - Note: 2,5

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  • Ole Kittner: Solide und aufmerksam, ohne groben Schnitzer. Beim Gegentor machtlos, als er im Zentrum - Lion Schweers lag verletzt am Boden - alleine war. Seine Kopfballstärke in der Offensive kam bei Münsters ruhenden Bällen diesmal nicht zum Tragen. - Note: 3

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  • Simon Scherder: Spielte im defensiven Mittelfeld einen resoluten Part und überzeugte durchaus in dieser Rolle. Dann aber fand er das Maß bei seinen Zweikämpfen nicht mehr, schon die erste Gelbe Karte war eine Frage der Zeit. Wenig später folgte die Ampelkarte, die den SCP kräftig in die Bredouille brachte. - Note: 3,5

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  • Lion Schweers: Bei seiner Rückkehr in die Startelf war der Youngster gerade in der Anfangsphase nicht frei von Fehlern, steigerte und stabilisierte sich aber in der Folge. Beim 1:1 lag er verletzt am Boden. Sein Fehlpass acht Minuten vor dem Ende war kausal für Scherders Platzverweis. - Note 3,5

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  • Jeron Al-Hazaimeh: Mit Rühle und Kobylanski gehörte der Linksfuß in der ersten Halbzeit zu den auffälligsten Akteuren, mischte die linke Seite kräftig auf. Auch wenn er nach der Pause nicht mehr so zum Zuge kam, kam seine Auswechslung in Minute 59 etwas überraschend. Begründet war sie vor allem in seinen Defiziten im Rückwärtsgang. - Note 3

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  • Adriano Grimaldi: Der Kapitän mühte sich und ging als Vorbild voran. Das Glück aber war nicht auf seiner Seite, oft fehlten nur Kleinigkeiten zum gefährlichen Abschluss. Machte in Minute 76 Platz für A-Junior Justin Steinkötter. Er hatte schon in der Halbzeit eine Art Hexenschuss erlitten. - Note: 3

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  • Philipp Hoffmann: 31 Minuten plus Nachspielzeit hatte er Zeit, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Kam gut in die Partie, für eine siegbringende Aktion aber reichte es nicht mehr, obwohl sich viele Räume boten. Note 3,5

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  • Justin Steinkötter: Sollte als Joker stechen, hatte aber keine nennenswerte Aktion. In Unterzahl versuchte der Benjamin im Kader, die Kölner Bemühungen in vorderster Linie zu unterbinden. - keine Note

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  • Sebastian Mai: Wegen Wadenproblemen nicht in der Startelf. Der Innenverteidiger kam nach dem Scherder-Platzverweis, um die Defensive zu stabilisieren und den Punkt zu sicher. Hat geklappt. - keine Note

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Gegen die Südstädter hatte gerade das erste Spieldrittel gezeigt, wie gut der SCP funktionieren kann. Adriano Grimaldi, Tobias Rühle, Martin Kobylanski – das sind drei völlig verschiedene Stürmertypen, die in dieser Anordnung noch nicht gemeinsam aufliefen und anfangs richtig klasse harmonierten. Der Stoßstürmer, der Tempomacher, der Standardspezialist, das passte gut. „Tobi ist ein Wühler, der ist vorne gut aufgehoben“, sagte Kobylanski, der selbst auf der ungewohnten rechten Seite begann, vor allem aber durch hervorragende ruhige Bälle auffiel. Rühle und Grimaldi durften nach langer Zeit mal wieder als Doppelspitze beginnen. Ein Modell mit Zukunft. Möhlmann wäre aber nicht Möhlmann, wenn er nicht noch Optimierungsbedarf sähe. „Wir haben viel probiert, müssen aber aus unseren Möglichkeiten mehr machen. Da fehlt es an Cleverness.“ Der Ansatz des einfachen Spiels, den er vorab schon gepredigt hatte, sah er jedoch passabel umgesetzt. „Wir haben uns oft relativ schnell für den lange Ball entschieden und dann vorne gut nachgesetzt.“

15. Spieltag: Preußen Münster - Fortuna Köln

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  • Das 1:0 für die Preußen: Martin Kobylanski lässt Kölns Torwart Tim Boss keine Chance.

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  • Endlich wieder jubeln: Münsters Torschütze Martin Kobylanski lässt sich nach dem 1:0-Führungstreffer feiern.

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  • Starkes Spiel, vor allem in der ersten Halbzeit: Münsters Tobias Rühle (r.) im Zweikampf mit Lars Bender

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  • Ultragruppen wieder vereint: Die beiden Preußen-Ultragruppen supporten ab sofort auch in Heimspielen wieder gemeinsam.

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  • Kobylanski netzt unhaltbar für Tim Boss zum 1:0 ein.

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  • Rühle gegen Brandenburger.

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  • Kopfballsieger: Simon Scherder vom SCP setzt sich gegen Markus Pazurek durch.

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  • Ball im Blick: Kölns Lars Bender und Münsters Jerin Al-Hazaimeh

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  • Al-Hazaimeh gegen Brandenburger.

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  • Wechsel Al-Hazaimeh geht, Hoffmann kommt.

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  • Rizzi konzentriert bei der Ballannahme.

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  • Wechsel Steinkötter kommt für Grimaldi.

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  • Steinkötter blickt auf den Ball.

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  • Seit 2011 Cheftrainer von Fortuna Köln: Uwe Koschinat.

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  • Steinkötter im Kopfballduell mit Mimbela.

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  • Gelb-rote Karte für Scherder durch Schiedsrichter Steffen Brütting.

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  • Rühle gegen Brandenburger.

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  • Steinkötter im Zweikampf.

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  • Kittner und Scherder gegen Daniel Keita-Ruel.

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  • Grimaldi gegen Brandenburger.

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  • Grimaldi verliert das Kopfballduell gegen Lars Bender.

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  • Grimaldi gleich gegen zwei Kölner.

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  • Unzufrieden: Benno Möhlmann.

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Lion Schweers, der für den zuletzt angeschlagenen Sebastian Mai im Abwehrzentrum begann, war meist derjenige, der die weiten Schläge anbrachte. „Ich glaube, wir haben ein gutes Spiel gemacht. Die ersten 30 Minuten war sehr stark. Die Kölner waren allerdings auch gerade anfangs überraschend schwach“, so der 21-Jährige. Auch das gehört zur Wahrheit bei der Bewertung der jüngsten Leistungssteigerung. Nach der Länderspielpause geht es am Freitagabend (17. November) beim Halleschen FC weiter. Auswärts haben die Preußen seit August genau gar nichts mehr gerissen. Das wirkt sich fatal auf die Tabelle aus. Spannend wird sein, wie Möhlmann dann die linke Offensivseite besetzt. Fünf Lösungen hat er für diese Stelle bereits ausprobiert. Lucas Cueto ist dauerverletzt, Philipp Hoffmann nicht konstant genug, Martin Kobylanski kein klassischer Flügelmann, Moritz Heinrich zuletzt abgefallen und gar nicht mehr im Kader – da blieb gegen Köln einzig Jeron Al-Hazaimeh. Der jedoch brachte bei allem Vorwärtsdrang seinen Coach mit seiner Defensivhaltung (etwa vor dem Gegentor) zur Weißglut. Zweifellos müsste der SCP hier im Winter nachjustieren. Wenn denn die Mittel vorhanden sind.

► Am Mittwoch (8. November) bestreitet Münster um 15 ein Testspiel beim niederländischen Erstligisten FC Groningen. Gespielt wird im 22.579 Zuschauer fassenden Noordlease-Stadion in Groningen, der Heimspielstätte des Tabellenfünfzehnten der Eredivisie.

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