Fußball: 3. Liga
Heikle Mission für Marco Antwerpen an der Hammer Straße

Münster -

Der neue Mann ist da und mit ihm neue Hoffnungen: Marco Antwerpen leitete am Mittwoch seine erste Trainingseinheit beim SC Preußen Münster. Am Samstag holt er gegen Erfurt die ersten drei Punkte

Mittwoch, 13.12.2017, 18:46 Uhr aktualisiert: 13.12.2017, 19:48 Uhr
Erster Arbeitstag: Marco Antwerpen (2.v.r.) mit der Mannschaft.
Erster Arbeitstag: Marco Antwerpen (2.v.r.) mit der Mannschaft. Foto: Jürgen Peperhowe

Marco Antwerpen strahlte vom einen bis zum anderen Ohr. Im Plenum saß ein wenig versteckt der zweite Mann des neuen Trainerteams in Reihe drei, sprich Kurtulus Öztürk – und strahlte nicht weniger. Im Hintergrund fiel auch von Präsident Christoph Strässer sowie seinen Vorstandskollegen Siggi Höing und Bernd Niewöhner gefühlt tonnenweise Ballast ab. Selbst Sportchef Malte Metzelder wirkte gelöst wie lange nicht mehr. Nicht nur, dass die Verpflichtung von Marco Antwerpen geklappt hat, mehr noch scheint nach den fast schon depressiven Herbstwochen so etwas wie ein Anflug von Aufbruchstimmung da zu sein beim gebeutelten SC Preußen.

„Viele Dinge haben sich verändert seit meiner aktiven Zeit. Aber ich bin nicht vergangenheitsorientiert und freue mich auf die Herausforderung“, sagte der 46 Jahre alte Coach kurz vor Mittag. Dann eilte schon die Zeit, das erste Training stand an um 14 Uhr, und bereits am Samstag muss der neue Coach mit seinem Assistenten Kurtulus Öztürk die maximale Herausforderung im Abstiegskampf meistern: Schlusslicht RW Erfurt gastiert an der Hammer Straße.

Vorstellung: Marco Antwerpen ist neuer SCP-Trainer

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  • Nachdem sich Preußen Münster von Coach Benno Möhlmann getrennt hat, übernimmt Marco Antwerpen (r.) als neuer Chef-Coach zusammen mit seinem Co-Trainer Kurtulus Öztürk die sportliche Verantwortung bei den Adlerträgern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Am 13. Dezember 2017 wurde Marco Antwerpen als neuer Trainer an der Hammer Straße vorgestellt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • SCP-Sportdirektor Malte Metzelder (r.) hat einst selbst mit Marco Antwerpen beim SCP zusammengespielt und ist optimistisch, den richtigen Trainer für die Adlerträger verpflichtet zu haben: „Marco hat sich in Köln als Trainer sehr gut entwickelt und gezeigt, dass er auch große Herausforderungen meistern kann. Er weiß, wie man Spiele gewinnt und soll das jetzt auf unsere Mannschaft übertragen. Dass er den Verein und sein Umfeld so gut kennt, ist in unserer schwierigen Situation außerdem ein großer Vorteil.“

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die bisherigen Trainer-Stationen von Marco Antwerpen waren SV Burgsteinfurt, RW Ahlen und Viktoria Köln.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der neue Trainer Marco Antwerpen (r.) übernimmt Preußen Münster auf Platz 16. Der Klassenerhalt ist das oberste Ziel der Preußen in der laufenden Saison 2017/18.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Gruppenfoto anlässlich der Trainer-Präsentation (v.l.): Co-Trainer Kurtulus Öztürk, Chef-Coach Marco Antwerpen, SCP-Sportdirektor Malte Metzelder und Preußen-Präsident Christoph Strässer.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Am Sonntag war Benno Möhlmann beurlaubt worden. „Marco war unser Wunschkandidat“, sagte Sportchef Metzelder. Knappe drei Tage gingen die Verhandlungen und Vertrags-Gestaltungen hin und her zwischen den beteiligten Parteien Antwerpen, Köln und Münster. Am Dienstag in den Abendstunden gab es die Freigabe von der Viktoria für den Fußballlehrer.

Antwerpen hatte den 62. Fußballlehrer-Lehrgang nicht nur mit der Note 2,0 abgeschlossen, sondern findet sich auch in „einem Wurf“ mit Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim), Domenico Tedesco (Schalke 04) und dem entlassenen Trainer von Werder Bremen, Alexander Nouri, wieder.

Nun also wieder die Preußen, sein vierter Vertrag beim Club aus Münster. „Die 3. Liga war mein Ziel. Münster ist für mich der nächste Schritt, wir werden genügend Punkte holen, und wenigstens drei Mannschaften werden hinter uns bleiben“, sagt Antwerpen. Das Angebot aus Lotte hatte er im Sommer noch abgelehnt, nun verlasse er die Viktoria in Köln im Wissen, eine „intakte Mannschaft zu hinterlassen“. Beim SCP gelandet zu sein, macht ihn stolz. Jetzt wartet die Arbeit.

Marco Antwerpen

geb.: 5.10.1971 in Unna

Spieler (ab 1989): Königsborner SV, SV Holzwickede, Hammer SV, Preußen Münster, RW Essen, Fortuna Köln, Schalke 04 II, FC Gütersloh. Bilanz: 329 Partien/122 Tore

Trainer (seit 2010): SV Burgsteinfurt, RW Ahlen, Viktoria Köln

Erfolge: Regionalliga-Aufstieg mit Ahlen (2015), Regionalliga-Meister mit Köln (2017)

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Gegen Fortuna Köln (1:1) hat der 46-Jährige seine neue Mannschaft als Tribünengast gesehen. „Da habe ich viel Gutes gesehen. In der Anfangsphase hat der SCP gegen den Tabellenzweiten viel Druck ausgeübt“, lautet die erste Ferndiagnose von Antwerpen. Das wäre ein Baustein, alles andere muss sehr zügig gehen. Und: „Jetzt müssen wir schnell die Mannschaft kennenlernen, die verschiedenen Charaktere auch.

Rückblick: Trainer von Preußen Münster ab 1996

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  • Am 13. Dezember 2017 trat Marco Antwerpen seinen Dienst als SCP-Coach an.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann: 18.10.2016 - 10.12.2017

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Cihan Tasdelen: 4.10.2016 - 17.10.2016

    Foto: fotoideen.com
  • Horst Steffen: 25.12.2015 - 3.10.2016

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ralf Loose: 15.9.2013 - 19.12.2015

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Carsten Gockel: 6.9.2013 - 14.9.2013

    Foto: Wilfried Hiegemann
  • Pavel Dotchev: 24.1.2012 - 5.9.2013

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marc Fascher: 21.3.2010 - 23.1.2012

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Roger Schmidt: 1.7.2007 - 19.3.2010

  • Carsten Gockel: 7.4.2007 - 30.6.2007

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Harald Menzel: 7.4.2007 - 30.6.2007

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Georg Kreß: 1.7.2006 - 6.4.2007

  • Hans-Werner Moors: 19.12.2005 - 30.6.2006

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stefan Grädler: 21.11.2005 - 18.12.2005

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Colin Bell: 1.7.2005 - 20.11.2005

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Hans-Werner Moors (l.): 12.11.2003 - 30.6.2005

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Peter Vollmann: 19.12.2002 - 10.11.2003

    Foto: Wilfried Hiegemann
  • Dietmar Wiese: 21.11.2002 - 18.12.2002

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Neale Marmon: 1.01.2002 - 20.11.2002

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stefan Grädler (l.): 16.11.1999 - 16.12.2001

    Foto: Peter Leßmann
  • Klaus Berge: 16.09.1999 - 15.11.1999

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Hans-Werner Moors: 1.7.1998 - 15.9.1999

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Peter Vollmann: 1.7.1996 - 30.6.1998

    Foto: Jürgen Peperhowe

Mal sehen, wie viel Information wir in den drei Tagen in die Mannschaft bekommen und wie aufnahmefreudig die Spieler sind. Natürlich werden auch Einzelgespräche geführt.“ Optimistisch kommen Antwerpen und Öztürk daher, das Ding wollen sie wuppen, möglichst rasch.

Kommentar

Es ist wie immer bei einem Trainerwechsel. Die bleierne Schwere, die sich durch Misserfolge und schlechte Platzierungen über einen Club gelegt hat, entfleucht augenblicklich. Der neue Mann am Seitenrand sorgt für Zuversicht.

Der Auftritt von Marco Antwerpen und seinem Assistenten Kurtulus Öztürk versprühte genau die, zumindest bis zum Samstag. Es wird spannend zu sehen sein, inwieweit der 46-jährige Fußballlehrer an ein paar Stellschrauben wird drehen können.

Denn die Partie gegen Erfurt ist von überragender Bedeutung. Es geht um viel mehr als nur um drei Punkte. Einen direkten Konkurrenten in die Schranken weisen, Zuschauer zurückgewinnen und ein besseres Gefühl mit in die Winterpause und die Mitgliederversammlung nehmen – all das steht auf der Agenda. Der erste Auftrag für Antwerpen ist riesengroß. 

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Die Karriere von Marco Antwerpen

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  • Für Marco Antwerpen würde sich mit einem Engagement bei Preußen Münster ein Kreis schließen. Schließlich stürmte der heute 46-Jährige in den 90ern und den 2000ern für die Adlerträger. Dort hängte er 2008 die Fußballschuhe an den Nagel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Seine zweite Karriere, die als Trainer, begann dagegen 2010 beim SV Burgsteinfurt. Schon etwas mehr als ein Jahr später wurde Ahlens Sportlicher Leiter Joachim Krug auf Antwerpen aufmerksam und holte Marco Antwerpen für die A-Jugend-Mannschaft, die damals noch in der Jugend-Bundesliga spielte.

    Foto: Günter Saborowski
  • 13 Spiele lang saß Antwerpen bei der A-Jugend auf der Bank, dann folgte bereits die Beförderung zum Trainer der ersten Mannschaft von Rot-Weiß Ahlen.

    Foto: Marc Kreisel
  • Die Saison 2012/2013 verlief sportlich einigermaßen ruhig. Die Ahlener landeten bei Antwerpens erstem Engagement auf Platz neun. Überschattet wurde das Jahr aber von den schlimmen Rassismus-Vorwürfen gegen Antwerpen. Der Coach sollte einen dunkelhäutigen Spieler aus Schermbeck nach dem Spiel rassistisch beleidigt haben. Die Sache ging bis vors Sportgericht, wo Antwerpen klar freigesprochen wurde.

    Foto: Marc Kreisel
  • Dennoch hatten die Vorwürfe und der riesige Medienrummel darum viel Kraft gekostet. Antwerpen beendete deshalb am Ende der Saison 2012/2013 sein erstes Engagement bei den Rot-Weißen und nahm ein Sabbatical in Australien.

    Foto: Marc Kreisel
  • Kaum war er daraus zurück, lockte bereits das nächste Engagement - und zwar wieder als Trainer der Rot-Weißen. Im April 2014 übernahm Antwerpen von seinem ehemaligen Co-Trainer Carlos Castilla und dessen Mit-Trainer Rafal Krumpietz für die restlichen acht Partien.

    Foto: Marc Kreisel
  • Mit der Saison 2014/2015 begann Antwerpens erfolgreichste Zeit in der Wersestadt. In der Hinrunde pflügte sein Team nur so durch die Liga, führte die Tabelle zwischenzeitlich sogar mit zweistelligem Punktevorsprung an.

    Foto: Marc Kreisel
  • Mit dem Frühjahr schmolz dieser Vorsprung aber wie Schnee in der Sonne. Die Ahlener taten sich in der Rückrunde deutlich schwerer, verloren kurz vor Saisonende sogar den noch zum Aufstieg berechtigenden Platz zwei an die Konkurrenz.

    Foto: Marc Kreisel
  • Erst am letzten Spieltag mit einem 2:0-Sieg bei SuS Neuenkirchen war dieser zweite Platz und damit der Aufstieg gesichert. Antwerpen schaffte mit dem Einzug in die Regionalliga des immer noch in der Insolvenz befindlichen Clubs sein Meisterstück - und das ohne Meisterschaft.

    Foto: wh
  • Die Saison 2015/2016 nutzte Antwerpen auch in persönlicher Hinsicht für sein Weiterkommen. Denn neben dem Training des Ahlener Neu-Regionalligisten absolvierte er in der Hinrunde die Fußball-Lehrer-Ausbildung des DFB.

    Foto: Marco Stiemke
  • Schon früh in der Rückrunde gab es Gerüchte, der frisch gebackene Fußball-Lehrer könne in der folgenden Saison bei Aufstiegsaspirant Viktoria Köln anheuern. Gerüchte, die sich später bestätigen sollten. Das Ende der Saison erlebte Antwerpen aber aus anderen Gründen nicht mehr in Ahlen: Weil er einen offenen Brief der Mannschaft wegen ausstehender Gehälter unterstütze, wurde Antwerpen zwei Spieltage vor Ende von seinen Aufgaben entbunden. Die Ahlener schafften dann noch ohne ihn am letzten Spieltag den Klassenerhalt, unterlagen aber im Westfalenpokal-Finale.

    Foto: ms
  • Das erste Jahr in Köln verlief für Antwerpen höchst erfolgreich. Für den Aufstieg war er geholt worden und die Viktoria wurde tatsächlich Meister unter ihm, unterlag dann aber in der Aufstiegsrelegation Carl-Zeiss Jena. Aktuell spielen die Kölner wieder um die Meisterschaft, führen die Tabelle mit dem punktgleichen Krefelder FC Uerdingen (je 39 Zähler) an.

    Foto: Marc Kreisel

 

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