Fußball: 3. Liga
Wunschlos glücklicher Antwerpen bei Preußen Münster

Münster -

Knapp eine Woche ist Marco Antwerpen jetzt Trainer bei den Preußen. Es sei gut aufgenommen worden sagt er und glaubt an seine Mannschaft. Im Interview spricht er über seine Spielvorstellungen, die Hierarchie im Team und neue Spieler, die es nicht gibt.

Montag, 18.12.2017, 18:30 Uhr aktualisiert: 20.12.2017, 17:48 Uhr
Trainingseinheiten und  Jahreshauptversammlung: Marco Antwerpen (kl. Foto, l.) und sein Co-Tainer Kurtulus Öztürk fühlen sich beim SCP bereits gut aufgehoben.
Trainingseinheiten und  Jahreshauptversammlung: Marco Antwerpen (kl. Foto, l.) und sein Co-Tainer Kurtulus Öztürk fühlen sich beim SCP bereits gut aufgehoben. Foto: Jürgen Peperhowe

Am Mittwoch trat Marco Antwerpen seinen Dienst als 57. Trainer des SC Preußen Münster seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach dem 2. Weltkrieg an. Er folgte dabei auf Benno Möhlmann. Sein Debüt vor eigenem Publikum gegen Schlusslicht RW Erfurt fiel den winterlichen Platzverhältnissen zum Opfer. Am Sonntag nach der Jahreshauptversammlung wurde das Aufgebot des Fußball-Drittligisten in die Winterpause geschickt, am 3. Januar zum Trainingsstart sieht man sich wieder. Vorher sprach unser Redaktionsmitglied Alexander Heflik mit dem 46 Jahre alten Fußballlehrer, der drei Mal als Spieler in den 90er- und Nuller-Jahren schon ein Adlerträger war.

Vier Trainingstage und eine Jahreshauptversammlung sind Sie jetzt Trainer der Preußen. Was bleibt schon hängen?

Marco Antwerpen: Ich glaube, wir konnten in den paar Tagen ein paar Sachen vorbereiten. Die Jungs wissen, wohin es geht, wie ich es mir vorstelle bei Ballbesitz und wenn wir gegen den Ball spielen.

Was ist Ihnen besonders wichtig?

Antwerpen: Was wir verändern wollen ist, wie wir gegen den Ball spielen, also bei Ballbesitz des Gegners. Da müssen die Spieler meine Auffassung verstehen und verinnerlichen, wie ich mir die Laufwege vorstelle. Vor allem in den Zweikämpfen müssen wir uns verbessern.

Wie ist aus Ihrer Sicht der Zustand der Mannschaft?

Antwerpen: Die Mannschaft hält zusammen, das ist eine Einheit und kein zerstrittener Haufen. Die Spieler wollen das umsetzen, was wir besprechen, sie sind sehr aufnahmefähig. Was die Ausdauerwerte betrifft, die sind in Ordnung.

Neuer Trainer – bedeutet das auch neue Hierarchie?

Antwerpen: Hierarchie ergibt sich doch aus Leistung. Aber es gibt schon einige, die in der Vorrunde auch schon vorangegangen sind. Wir haben einen Kapitän Adriano Grimaldi, der ganz vorne ganz wichtig ist. Michele Rizzi kann als Stratege im Mittelfeld agieren. Simon Scherder bringt sofort, trotz der langen Verletzungspause, Qualität und Leistung.

Die Torwartfrage ist ja auch immer eine Stellschraube bei einem neuen Coach. Ist es für Sie ein offenes Rennen zwischen Max Schulze Niehues und Nils Körber?

Antwerpen: Max kenne ich besser als Nils, von dem ich mir aber ein paar Videos mit in den Urlaub nehme. Am Ende werde ich mit Milenko (Gilic, der Torwarttrainer, die Red.) darüber sprechen und eine Entscheidung treffen.

Das hört sich alles erst einmal gar nicht so schlecht an. Aber wie steht es um Neuzugänge? Sportchef Malte Metzelder hat auf der Jahreshauptversammlung erklärt, dass es aktuell keinen Spielraum für Transfers gäbe. Sind Sie enttäuscht?

Antwerpen: Nein, das wusste ich schon. Ein Zugang wäre nur über einen externen Sponsor finanzierbar. Stand jetzt gehe ich davon aus, dass wir am 3. Januar ohne neue Spieler starten.

Fast ein Neuer wäre Lucas Cueto, der im Sommer vom FC St. Gallen kam, aber noch nicht eine Minute für den SCP gespielt hat. Er ist gerade ins Training wieder eingestiegen. Hilft er wirklich weiter?

Antwerpen: Ich kenne Lucas ja noch aus der U 23 des 1. FC Köln. Er könnte mehr Tempo in unsere Truppe bringen, ein sehr interessanter und spannender Spieler.

Keine neuen Spieler – vermutlich. Und auch kein Trainingslager im Süden im Januar. Oder ist das am Ende einer Vorbereitung sowieso egal?

Antwerpen: Mir ist das nicht unbedingt egal. Im Süden hat man schon hervorragende Trainingsbedingungen. Das Problem ist dann immer nur nach der Rückkehr, dass die Plätze hier oft in ganz schlechten Zustand sind.

Die Preußen bestreiten zwei Tests gegen Bayer Leverkusen am 6. Januar und gegen Regionalligist KFC Uerdingen am 13. Januar. Passt das in Ihre Pläne?

Antwerpen: Das Spiel gegen den Erstligisten Leverkusen kommt etwas früh, da sind wir sofort im höchsten Intensitätsbereich unterwegs. Deshalb wird jeder Spieler vermutlich nur eine Halbzeit spielen. Gegen Uerdingen wird das schon sehr nah an Drittliga-Bedingungen sein. In Meppen zum Start nach der Winterpause soll die Mannschaft in bester Verfassung sein.

Video-Interviews

Ein neuer Verein ist auch immer eine Wundertüte für den neuen Trainer. Wie wurden Sie aufgenommen?

Antwerpen: Ich fühlte mich sofort gut aufgehoben. In der Geschäftsstelle kannte ich noch den einen oder anderen, U-17-Coach Martin Kastner sowieso schon länger. Und auch Sören Weinfurtner als Trainer der U 23 habe ich kennengelernt.

Nun gut, es weihnachtet sehr. Haben sie einen besonderen Wunsch?

Antwerpen: Erst einmal keinen.

Die Karriere von Marco Antwerpen

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  • Für Marco Antwerpen würde sich mit einem Engagement bei Preußen Münster ein Kreis schließen. Schließlich stürmte der heute 46-Jährige in den 90ern und den 2000ern für die Adlerträger. Dort hängte er 2008 die Fußballschuhe an den Nagel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Seine zweite Karriere, die als Trainer, begann dagegen 2010 beim SV Burgsteinfurt. Schon etwas mehr als ein Jahr später wurde Ahlens Sportlicher Leiter Joachim Krug auf Antwerpen aufmerksam und holte Marco Antwerpen für die A-Jugend-Mannschaft, die damals noch in der Jugend-Bundesliga spielte.

    Foto: Günter Saborowski
  • 13 Spiele lang saß Antwerpen bei der A-Jugend auf der Bank, dann folgte bereits die Beförderung zum Trainer der ersten Mannschaft von Rot-Weiß Ahlen.

    Foto: Marc Kreisel
  • Die Saison 2012/2013 verlief sportlich einigermaßen ruhig. Die Ahlener landeten bei Antwerpens erstem Engagement auf Platz neun. Überschattet wurde das Jahr aber von den schlimmen Rassismus-Vorwürfen gegen Antwerpen. Der Coach sollte einen dunkelhäutigen Spieler aus Schermbeck nach dem Spiel rassistisch beleidigt haben. Die Sache ging bis vors Sportgericht, wo Antwerpen klar freigesprochen wurde.

    Foto: Marc Kreisel
  • Dennoch hatten die Vorwürfe und der riesige Medienrummel darum viel Kraft gekostet. Antwerpen beendete deshalb am Ende der Saison 2012/2013 sein erstes Engagement bei den Rot-Weißen und nahm ein Sabbatical in Australien.

    Foto: Marc Kreisel
  • Kaum war er daraus zurück, lockte bereits das nächste Engagement - und zwar wieder als Trainer der Rot-Weißen. Im April 2014 übernahm Antwerpen von seinem ehemaligen Co-Trainer Carlos Castilla und dessen Mit-Trainer Rafal Krumpietz für die restlichen acht Partien.

    Foto: Marc Kreisel
  • Mit der Saison 2014/2015 begann Antwerpens erfolgreichste Zeit in der Wersestadt. In der Hinrunde pflügte sein Team nur so durch die Liga, führte die Tabelle zwischenzeitlich sogar mit zweistelligem Punktevorsprung an.

    Foto: Marc Kreisel
  • Mit dem Frühjahr schmolz dieser Vorsprung aber wie Schnee in der Sonne. Die Ahlener taten sich in der Rückrunde deutlich schwerer, verloren kurz vor Saisonende sogar den noch zum Aufstieg berechtigenden Platz zwei an die Konkurrenz.

    Foto: Marc Kreisel
  • Erst am letzten Spieltag mit einem 2:0-Sieg bei SuS Neuenkirchen war dieser zweite Platz und damit der Aufstieg gesichert. Antwerpen schaffte mit dem Einzug in die Regionalliga des immer noch in der Insolvenz befindlichen Clubs sein Meisterstück - und das ohne Meisterschaft.

    Foto: wh
  • Die Saison 2015/2016 nutzte Antwerpen auch in persönlicher Hinsicht für sein Weiterkommen. Denn neben dem Training des Ahlener Neu-Regionalligisten absolvierte er in der Hinrunde die Fußball-Lehrer-Ausbildung des DFB.

    Foto: Marco Stiemke
  • Schon früh in der Rückrunde gab es Gerüchte, der frisch gebackene Fußball-Lehrer könne in der folgenden Saison bei Aufstiegsaspirant Viktoria Köln anheuern. Gerüchte, die sich später bestätigen sollten. Das Ende der Saison erlebte Antwerpen aber aus anderen Gründen nicht mehr in Ahlen: Weil er einen offenen Brief der Mannschaft wegen ausstehender Gehälter unterstütze, wurde Antwerpen zwei Spieltage vor Ende von seinen Aufgaben entbunden. Die Ahlener schafften dann noch ohne ihn am letzten Spieltag den Klassenerhalt, unterlagen aber im Westfalenpokal-Finale.

    Foto: ms
  • Das erste Jahr in Köln verlief für Antwerpen höchst erfolgreich. Für den Aufstieg war er geholt worden und die Viktoria wurde tatsächlich Meister unter ihm, unterlag dann aber in der Aufstiegsrelegation Carl-Zeiss Jena. Aktuell spielen die Kölner wieder um die Meisterschaft, führen die Tabelle mit dem punktgleichen Krefelder FC Uerdingen (je 39 Zähler) an.

    Foto: Marc Kreisel
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