Fußball: 3. Liga
Die Preußen haben „Ja“ zur Ausgliederung gesagt

Münster -

Die Entscheidung ist gefallen. Der SC Preußen gliedert seine Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft aus. Das Votum auf der außerordentlichen Versammlung war eindeutig, die Erleichterung bei den Mandatsträgern hinterher groß.

Sonntag, 14.01.2018, 20:18 Uhr aktualisiert: 15.01.2018, 17:23 Uhr
Jubel auf dem Podium: Preußens Entscheider mit Hans-Jürgen Eidecker (von links), Siggi Höing, Präsident Christoph Strässer, Jochen Terhaar, Christoph Metzelder, Frank Westermann, Dr. Clemens Große Frie, Friedrich Lukas und Jürgen Becker freuen sich mit einem großen Teil der Mitglieder.
Jubel auf dem Podium: Preußens Entscheider mit Hans-Jürgen Eidecker (von links), Siggi Höing, Präsident Christoph Strässer, Jochen Terhaar, Christoph Metzelder, Frank Westermann, Dr. Clemens Große Frie, Friedrich Lukas und Jürgen Becker freuen sich mit einem großen Teil der Mitglieder. Foto: Sebastian Sanders

930 Menschen folgten dem Ruf! 855 davon sogenannte Stimmberechtigte. Keiner konnte sagen, dass es die Mitglieder des SC Preußen Münster nicht interessieren würde, wie die Abstimmung über die Ausgliederung der Profimannschaft sowie drei weiterer Teams (U 23, U 19, U 17) ausgehen würde. Was für eine Resonanz – und was für ein Votum, als zunächst mit 85,98 Prozent der Stimmen die Änderung der Satzung als Grundlage für die Ausgliederungspläne beschlossen wurde. 730 sagten im ersten Schritt „Ja“.

Um 15.43 Uhr an diesem 14. Januar 2018 segneten die Mitglieder des 111 Jahre alten Vereins dann auch die Ausgliederung ab mit 84,42 Prozent. Die Opposition, wohl zum größten Teil in der Ultra-Szene anzusiedeln, verließ prompt fluchtartig den Saal.

Mitgliederversammlung zur Ausgliederung der Profi-Abteilung

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„Das ist ein Aufbruch­signal. Das war der Anfang, jetzt geht es los“, resümierte Präsident Christoph Strässer. Er sei sehr angespannt ge­wesen die letzten Tage, habe wenig geschlafen. Seit Dienstantritt im Oktober 2016 haben Strässer und ­seine Mitstreiter dafür gekämpft. Ausgliederung als zukunftsträchtige Vereinsform stand ganz oben auf der Agenda – wie auch das Stadionprojekt. Teil eins ist erledigt, die Ausgliederung und damit die Möglichkeit, Investoren zu locken, ist genehmigt von der Basis.

Kleinere Fragezeichen

Ganz ohne Irrungen und Wirrungen ging der Nachmittag nicht über die Bühne. Hektisch wurde es vor allem, als die Führungscrew den Vorschlag unterbreitete, die Abstimmungen über Satzung und Ausgliederung geheim vorzunehmen. Sie hatte wohl nicht damit gerechnet, dass viele Mitglieder gerne früher nach Hause gekommen wären. Bei der Befragung votierten die nur 102 der Anwesenden für den Gang in die Wahlkabinen, die überwiegende Mehrheit war für eine offene Abstimmung. Nachdem die Möglichkeit eines so­genannten „Hammelsprungs“ recht schnell verworfen war, begaben sich die Gremienvertreter, unter den zahlreiche Juristen saßen, auf die sichere Seite und ließen die Teilnehmer schriftlich ihr Kreuzchen an den vorgesehenen Schaltern machen, nicht jedoch an den ebenfalls zuvor eingerichteten Urnen. Das galt für beide Wahlgänge – ob es noch Anfechtungen hierzu gibt, ist offen.

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„Das ist die Grundlage, die Dinge jetzt weiter zu intensivieren“, sagte Frank Westermann. Der Chef des Aufsichtsrates zurrte den Zeitplan fest. Protokoll des Tages erstellen, Einspruchsfrist abwarten, dann die Änderung der Lage im Vereins­register festtackern – das soll bis Ende Februar in trockenen Tüchern sein, so würde das Konstrukt noch positive Auswirkungen auf die laufende Saison haben. Noch in der ersten Jahreshälfte soll es mit potenziellen Partner ernst werden, damit die ­Saison 2018/19 geplant werden kann. Die aktuell noch für die Nachlizenzierung zu stemmende Liquiditätslücke von 500 000 Euro hat damit aber nichts zu tun. Westermann sagt dazu: „Dazu werden wir eine Lösung bis zum 23. Januar finden.“

Prominenz und Rücksicht

Fast alles, was Rang und Namen hatte im Preußen-Land fand sich am Coesfelder Kreuz ein. BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer, TV-Star Götz Alsmann, die beiden Ex-Präsidenten Dr. Marco de Angelis und Georg Krimphove, große Teile der ersten Mannschaft samt der (nicht stimmberechtigten) Trainer, viele U-23-Spieler und zahlreiche Mitglieder der am Wochenende das 110-jährige Bestehen feiernden Tennis-Abteilung des TC Preußen. Die Mitglieder der Leicht­athletik-Abteilung boten vor dem Beginn angesichts des vollen Saals ebenso wie die Drittliga-Kicker ihre Sitzplätze älteren Teilnehmern an.

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Es war nichts für schwache Nerven oder ungeduldige Menschen, diese richtungsweisende Mitgliederversammlung des SC Preußen. Natürlich wurde erwartet, dass mehr als die üb­lichen rund 300 Mitglieder zur Abstimmung über die Zukunft des Clubs kommen würden. Auch deshalb war die Mensa am Coesfelder Kreuz mit ihren 665 Sitz­plätzen als Veranstaltungsort ausgewählt worden. Schnell wurde klar, dass das nicht reichen würde. Volles Haus, eine prozentuale Beteiligung, über die man sich in manchem Bundesland bei einer Landtagswahl freuen würde. 2022 Mitglieder hat der SCP aktuell insgesamt, 1491 sind stimmberechtigt - 57 Prozent davon verbrachten ihren Sonntag im Saal der Mensa. Als Hauptgericht serviert: eine Portion Ausgliederung mit einer Kelle Satzungsänderung.

Die vorgeschaltete Aussprache verlief in zivilisierten Bahnen. Befürworter und Gegner kreuzten letztmals die Klingen. „Wir möchten alle Mitglieder mitnehmen und gemeinsam in die Zukunft gehen“, eröffnete Strässer den Reigen. Norbert Krevert sprach stellvertretend für den Fußballkreis Münster pro Ausgliederung, der Fanprojekt-Vorsitzende Benjamin Sicking mahnte die Einbeziehung der Mitglieder an. Maximilian Schmitt vom Blog „Den ­Adler im Herzen“ blieb bei seiner Nein-Strategie, einer „grundsätzlichen Ablehnung, weil man sich in Abhängigkeiten begebe, die später nicht mehr zu korrigieren sind“, und dem Zweifel daran, inwieweit Mit­glieder den „Verkauf von Anteilen verhindern können“.

Falschmeldung über Blockade

Die Ausgliederungsgegner hatten im Vorfeld noch mal mobil gemacht und Plakate („Pro e.V.“, „e.V. erhalten!", „Eingetragener Verein seit 1906“) auf dem Weg zur Mensa und davor angebracht. Auch ein Flyer wurde an den Türen verteilt. Es half nichts, die Skeptiker blieben in der Unterzahl. Als Falschmeldung erwies sich nach Versammlungsende die Durchsage, dass es eine Blockade am Haupteingang gebe. Daraufhin mussten die meisten Besucher den Saal durch den Notausgang verlassen. Letztlich entpuppte sich der Hinweis der Polizei als harmlos. Der gesamte Tag verlief ausnahmslos friedlich.

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Westermann erklärte, dass der Verein auch ausgegliedert weiter der Taktgeber sei. Und abschließend flehte Hubert Westrup die Preußen an, mit einem „Ja“ zu stimmen, weil nur „ausgegliedert“ der sportliche Absturz zu verhindern sei. „Mir ist es nicht egal, in welcher Liga wir antreten. Ich will aber nie wieder gegen Schalkes Reserve in der Mondpalast-Arena spielen.“

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