Fußball: 3. Liga
Simon Scherder und sein neuer Stellenwert beim SC Preußen

Münster -

Lange sah es so aus, als würde Simon Scherder nach zwei Kreuzbandrissen bei den Preußen keine Zukunft mehr haben. Nun ist er unter Marco Antwerpen Stammkraft in der Viererkette.

Montag, 22.01.2018, 18:04 Uhr aktualisiert: 22.01.2018, 19:03 Uhr
Simon Scherder (r.) ist hier Benjamin Girth einen Schritt voraus.
Simon Scherder (r.) ist hier Benjamin Girth einen Schritt voraus. Foto: Jürgen Peperhowe

Gerade mal etwas mehr als sieben Monate ist es her, da war nicht mal annähernd klar, ob die Profi-Laufbahn des Simon Scherder eine Fortsetzung erfahren würde. Erst kurz vor dem Trainingsstart des SC Preußen erhielt das Eigengewächs, das mit 13 Jahren von Brukteria Dreierwalde an die Hammer Straße gekommen war, einen neuen und natürlich leistungsbezogenen Vertrag. Ob die Clubbosse nach zwei Kreuzbandrissen und zwei Jahren ohne Pflichtspiel wirklich an den 24-Jährigen glaubten? Sei mal dahingestellt – den Sympathieträger ziehen zu lassen, das konnten sie sich aber auch nicht erlauben.

Im Januar 2018 hat Scherder seinen Stellenwert in Rekordzeit wieder dahin gebracht, wo er im Juni 2015, kurz vor der fatalen Knieverletzung schon mal war: Der Blondschopf ist Leistungsträger und Stammkraft. Der neue Trainer Marco Antwerpen sieht ihn anders als Vorgänger Benno Möhlmann eher als Innenverteidiger denn als Sechser. „Das Zusammenspiel mit Lion Schweers klappt gut, auch wenn es weiter etwas zu verbessern gibt. Ich habe auch immer gesagt, dass ich mich eher in der Viererkette sehe“, sagte der Abwehrspieler nach dem unglücklichen 0:2 beim SV Meppen am Sonntag, bei dem er gleich wieder bester Spieler seiner Mannschaft war.

Lizenz ja, Verstärkung eher nein

Eine gute und eine schlechte Nachricht für die Fans des SC Preußen. Positiv ist, dass die Vereinsführung überaus zuversichtlich, ja eigentlich sogar sicher ist, dass sie das Nachlizenzierungsverfahren des DFB ohne Beanstandung durchläuft. Negativ dagegen: Ein Neuzugang dürfte trotzdem in diesem Winter nicht mehr zur Drittliga-Mannschaft stoßen. Bis zu diesem Dienstag hat der Club Zeit, die Auflagen des Verbands zu erfüllen. Aufsichtsratschef Frank Westermann hatte die Liquiditätslücke für die laufende Saison auf 500 000 Euro beziffert, sich aber schon vor eineinhalb Wochen optimistisch gezeigt, das Defizit ausgleichen zu können. „Wir gehen mit aller Überzeugung davon aus, dass wir die erhoffte Rückmeldung aus Frankfurt bekommen“, sagt Sportdirektor Malte Metzelder. „Die Unterlagen sind jedenfalls passend rausgegangen, in unseren Augen haben wir die Nachweise erbracht und auch schon Signale erhalten, dass wir alles erfüllt haben.“ Allerdings sagt der 35-Jährige auch: „Darüber hinaus dürfte es sehr schwierig werden, die Mittel für eine Kader-Verstärkung aufzubringen.“ Das Transferfenster schließt erneut am 31. Januar.

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Anfang August schon hatte er sein Kurz-Comeback in Würzburg gefeiert, Mitte September in Paderborn erstmals wieder in der Startelf gestanden und Ende November gegen Chemnitz sogar das 1:0-Siegtor erzielt. Nun aber hat ihn Antwerpen zum Teil seiner Achse erklärt. Ein kleiner Ritterschlag vorab, den der Profi nun rechtfertigte.

Seine persönliche Situation thematisierte Scherder weniger. Er versuchte, die Fortschritte im Team-Auftreten hervorzuheben. „Wir haben zu keinem Zeitpunkt aufgegeben, waren vor dem 0:1 schon überlegen und hatten auch danach gute Szenen. Dazu haben wir wie gewollt den Gegner zu langen Bällen gezwungen“, analysierte er. „Und wir waren sehr bissig, haben nichts zugelassen. Ich glaube, man hat schon Unterschiede in der Art und Weise gesehen, wie wir gespielt haben.“

Antwerpen sah das ähnlich, musste aber auch in der Halbzeitpause erkennen, dass es um die psychische Verfassung seiner neuen Truppe noch nicht optimal bestellt ist. „Da gingen die Köpfe in der Kabine schon runter, da mussten wir als Trainerteam aktiv werden“, sagte er. „Aber auch die Reaktion darauf war ein Schritt nach vorne. Die Jungs haben sich aufgerieben in vielen Zweikämpfen. Auch das ist Mentalität.“ Scherder stach in diesem Punkt vielleicht noch mal einen Tick heraus. Es sieht so aus, als habe er das schwärzeste Kapitel seiner Karriere endgültig überwunden. An dieser Leistung könnte sich auch die Mannschaft jetzt aufrichten.

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