Futsal: Regionalliga
UFC-Coach Klebber Maciel kam aus dem Mutterland in die Diaspora

Münster -

Im vergangenen Sommer leistete sich der UFC Münster erstmals einen externen Trainer, der diesen Job auch gleich hauptamtlich übernahm. Klebber Maciel kam aus Brasilien, dem Mutterland des Futsals. Die erste Saison war schwierig – doch die Mission ist längst angelaufen.

Dienstag, 06.03.2018, 12:00 Uhr aktualisiert: 06.03.2018, 18:08 Uhr
Da geht es lang, da soll es hingehen: Der brasilianische Coach Klebber Maciel gibt dem Futsal-Regionalligisten UFC Münster um Eduard Nickel (l.) die Richtung vor – auch in der kommenden Saison.
Da geht es lang, da soll es hingehen: Der brasilianische Coach Klebber Maciel gibt dem Futsal-Regionalligisten UFC Münster um Eduard Nickel (l.) die Richtung vor – auch in der kommenden Saison. Foto: Georg von Coelln

Es war ein großer Schritt, den Klebber Maciel im vergangenen Sommer wagte. Aus dem Mutterland es Futsals zog es ihn in die Diaspora der Hallenfußball-Variante, aus Brasilien ging es nach Deutschland. Genauer gesagt zum Regionalligisten UFC Münster, der erstmals in seiner Vereinsgeschichte den Trainerposten mit einem externen und gleichzeitig hauptamtlichen Coach besetzte.

Es war eine neue Welt, in die Klebber Maciel eintauchte, sportlich und kulturell. Aus der Millionenmetropole Sao Paolo ins beschauliche Münster. Viele neue Eindrücke prasselten auf den 37-Jährigen ein, der sich in Westfalen aber sehr schnell eingelebt hat. „Ich mag die Stadt sehr, die Leute sind höflich und offen, ich bin gut aufgenommen worden. Alles ist sehr gut organisiert“, sagt der aus Joinville stammende Coach.

Sportlich allerdings fand er andere, in Brasilien ungewohnte Bedingungen vor. Futsal genießt in seiner Heimat einen riesengroßen Stellenwert, die meisten renommierten Fußball-Vereine leisten sich Futsal-Teams, in denen sie Talente sichten. Und auch auf Universitäts- und Schulebene – Futsal ist fester Bestandteil des Sportunterrichts – gibt es geregelten Spielbetrieb auf hohem Niveau. Und in Deutschland? „Organisatorisch ist die Regionalliga eher amateurhaft“, sagt Klebber.

Auch bei seinem neuen Club, dem UFC, sind die Voraussetzungen nicht vergleichbar mit denen in Brasilien. Schnell bemerkte Klebber, der von 2012 bis 2016 zum besten Coach der University Sports League gewählt wurde, dass sich seine taktischen Vorstellungen nicht umsetzen lassen. „Ich habe erkannt, dass ich mein Konzept so nicht durchbringen konnte. Da waren Automatismen, die sich festgesetzt hatten und die sich ändern mussten. Das verlangt Zeit bei Spielern, die dies vorher lange gemacht haben“, erklärt Klebber, für den diese Erkenntnis aber kein Schock war. Von Ernüchterung will der stets höfliche und sehr angenehm auftretende Brasilianer nicht sprechen, vielmehr sieht er sein UFC-Projekt nicht als abgeschlossen an. Die am Samstag endende Saison betrachtet er als Vorgriff auf den Sommer mit Pokal, der Deutschen Hochschulmeisterschaft und der Uni-EM in Portugal sowie auf die kommende Spielzeit. „Wir hatten frühzeitig den Fokus nicht mehr auf den Ergebnissen, sondern auf der Entwicklung. Wir bauen auf den Dingen auf, die wir uns erarbeitet haben. Ich möchte dem UFC die Möglichkeiten geben, wieder dahin zu kommen, wo er vor ein paar Jahren war.“

Eine schwere Aufgabe, die Klebber mit seinem Know-how allein nicht lösen kann. „Auf Sicht benötigt der Verein professionellere Strukturen“, meint Klebber und läuft damit bei Münsters Präsident Georg von Coelln offene Türen ein. „Wir müssen solche Strukturen schaffen, um in Zukunft und mit Blick auf die mögliche Einführung einer Bundesliga konkurrenzfähig zu bleiben. Es tut sich viel im deutschen Futsal, wir dürfen den Anschluss nicht verlieren. Es ist für uns nicht mehr so einfach wie früher. Aber Klebber hat es verdient, professionellere Strukturen zu bekommen“, sagt von Coelln. Mit dessen Arbeit ist er zufrieden, auch wenn es zum dritten Mal in Serie lediglich Platz fünf für den UFC geben wird. „Wir haben das mega Glück, so einen ausgewiesenen Futsal-Experten als Trainer zu haben.“

Dieses Glück wird der UFC auch in der nächsten Saison noch genießen können. Denn fertig ist Klebber in der Diaspora noch lange nicht.

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