Mi., 14.03.2018

Fußball: 3. Liga Ex-Preuße Siegert im Derby-Interview: „Bierdusche als Gratis-Reinigung“

Szene aus der Saison 2012/13: Benjamin Siegert (r.) grätscht Marcus Piossek ab, der später genau wie er vom VfL Osnabrück nach Münster wechselte.

Szene aus der Saison 2012/13: Benjamin Siegert (r.) grätscht Marcus Piossek ab, der später genau wie er vom VfL Osnabrück nach Münster wechselte. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Acht Derbys erlebte Benjamin Siegert im Preußen-Trikot gegen den VfL Osnabrück, nur eines davon verlor er gegen seinen Ex-Verein. Heute beobachtet der Fußball-Vorruheständler das Geschehen natürlich noch intensiv, wie er im Interview verrät.

Von Thomas Rellmann

In den ersten acht Drittliga-Derbys zwischen Preußen Münster und dem VfL Osnabrück (2011 bis 2015) war Benjamin Siegert immer am Ball. Er hat so einige Geschichten rund um diesen Evergreen erlebt, wie er im Interview mit Redaktionsmitglied Thomas Rellmann erzählt. Seine Bilanz ist top. Nur ein Tor war dem heute 36-Jährigen, der ausgerechnet vom niedersächsischen Erzrivalen an die Hammer Straße kam und heute noch für den SC Münster 08 in der Landesliga aufläuft, nicht vergönnt.

Wie steht es um die Drähte zu Ihren beiden Ex-Clubs?

Siegert: In Münster kenne ich noch viele im Verein und war erst am Samstag gegen Jena vor Ort. Beim VfL ist das etwas anders. Nur mit Ex-Trainer Joe Enochs habe ich noch Kontakt. Und Halil Savran hat letztes Jahr mit mir die B-Lizenz gemacht.

Täuscht der Eindruck oder war nach dem SCP-Aufstieg in die 3. Liga mehr Derby-Fieber zu spüren?

Siegert: Absolut. Ich bekomme davon jedenfalls wenig mit. Man müsste eigentlich mehr Stimmung erzeugen. Aber es liegt hier sicher auch daran, dass die aktiven Fans sich etwas zurückgezogen haben.

Sie meinen die Ultras-Reaktion zur Ausgliederung?

Siegert: Ja. Natürlich wollen sie ihre Wurzeln behalten, und es wurden vom Verein auch vorab Fehler in Sachen Transparenz gemacht. Aber ohne Geld kann heute im Fußball keiner überleben. Die Schulden ohne die Ausgliederung hätten doch sonst in die Oberliga geführt. Wehmut ist angebracht, aber das Team braucht Support. Auch wenn die Gegengerade ebenfalls laut sein kann.

Fotostrecke: Saison 2017/18 - 11. Spieltag: Preußen Münster - VfL Osnabrück

Sind Sie im Stadion?

Siegert: Ich wollte hin und bin noch in Gesprächen wegen der Karten. Dass das Spiel nicht im Fernsehen gezeigt wird, ist allerdings für mich ein Skandal.

An welche Derby-Szene erinnern Sie sich besonders?

Siegert: Das war bei unserem 2:0 an der Bremer Brücke 2012. Wir führten 1:0, VfL-Keeper Johannes Zumbeel war nach vorne geeilt. Ich schnappte mir den Ball am eigenen Sechzehner, lief los zum Solo – und verfehlte am Ende doch das leere Tor. Alle waren schon aufgesprungen. Zum Glück hat mich Dima Nazarov mit dem 2:0 wenig später erlöst.

Noch Karten zu haben

Noch über 100 Karten für den Gästeblock gibt es auf der Preußen-Geschäftsstelle für das Derby zu kaufen. Insgesamt 1200 waren zu haben, Sitzplätze werden für die Münsteraner in Osnabrück nicht angeboten. Im vergangenen Jahr gingen nur 200 Tickets in den freien Verkauf, die auch nach einem Tag vergriffen waren.

Diesmal waren es sogar 600, die auch bei den beiden Heimspielen zuletzt offeriert wurden. Hintergrund des schleppenden Absatzes: Seit dem Ausgliederungsbeschluss im Januar haben große Teile der aktiven Fanszene ihren Support massiv verschlankt, auch die Auswärtspartien waren nicht mehr gut besucht. Vier Busse mit SCP-Anhängern waren dennoch an die Bremer Brücke. Tickets für die Partie gibt für 12 Euro (10 Euro ermäßigt) gibt es noch an allen Vorverkaufsstellen zu kaufen.

War es das schönste Spiel?

Siegert: Ja. Und unser 3:1 in der Rückrunde, als Mehmet Kara gerade aus der Türkei gekommen war und alle drei Tore erzielte.

Sie wurden als Ex-Osnabrücker nur selten beschimpft? Weil Amaury Bischoff schnell zum Feindbild der VfL-Fans wurde?

Siegert: Das könnte sein. Wobei er bei seinem Foul damals Tom Merkens sicher nicht absichtlich so schwer verletzt hat. Aber ich glaube, ich habe für beide Vereine immer Leidenschaft gezeigt. Das ist hängen geblieben. Viel falsch habe ich wohl nicht gemacht. Auch wenn immer ein paar Leute gegen mich gewettert haben.

Geschmacklosigkeiten gab es also nicht?

Siegert: Unser Bus hat jedes Mal an der Bremer Brücke eine Bierdusche bekommen. Eine Gratis-Reinigung quasi. Okay, 2013 wurden in unserem Stadion mal drei Kreuze aufgestellt. Für Kevin Schöneberg, Gaetano Manno und mich. Die Ex-Osnabrücker eben. Wir sind damit nicht an die große Glocke gegangen. Unser Zeugwart hat sie dann dezent entfernt.



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