Fußball: 3. Liga
Preußen-Youngster dürfen sich schon gegen Haching zeigen

Münster -

Die Preußen haben das (nachträgliche) Saisonziel fast im Sack. Nach dem 2:0 gegen die SpVgg Unterhaching sollte nach unten nichts mehr anbrennen. Nun gehen die Blicke für die letzten Spiele schon ein bisschen weiter – auch Richtung kommende Serie.

Sonntag, 25.03.2018, 14:50 Uhr aktualisiert: 25.03.2018, 15:12 Uhr
So wird es gemacht: Sandrino Braun legt mit der Brust vor, Simon Scherder macht es per Kopf klar: 2:0 für die Preußen.
So wird es gemacht: Sandrino Braun legt mit der Brust vor, Simon Scherder macht es per Kopf klar: 2:0 für die Preußen. Foto: Jürgen Peperhowe

Als alle anderen noch in den Katakomben des Preußenstadions mit der Aufarbeitung dieses Drittliga-Spiels beschäftigt waren, hatte es sich Claus Schromm schon auf seinem Platz bei der anstehenden Pressekonferenz bequem gemacht. Der 47-Jährige ist Trainer der Spielvereinigung Unterhaching und war trotz einer 0:2-Niederlage im Rücken und einer siebenstündigen Busfahrt vor der Brust weder frustriert noch schlecht gelaunt, er hatte schlichtweg alle Zeit der Welt. Keine neugierigen Fragen von Münchener Pressevertretern in der Mixed-Zone – es waren keine mitgereist – und auch die Stippvisite bei den Fans war schnell erledigt. 35 Tickets hatten die Münchener Vorstädter im Vorfeld geordert. Für sie wurde im Preußenstadion nicht einmal der Grill angeworfen – der Gästeblock blieb geschlossen.

Die Mannschaft hat Qualität

Dabei hat das Team durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient: Die Mannschaft hat Qualität, Disziplin, mit Stephan Hain (17 Saisontreffer) einen überdurchschnittlichen Torjäger und mit Sascha Bigalke den Top-Vorbereiter der Liga (13 Assists) – vor allem aber haben die Hachinger mit 47 Punkten in dieser Saison weder Sorgen noch Hoffnungen.

Tabellarisches Niemandsland

Genau dieses tabellarische Niemandsland steuern mit Vollgas auch der SC Preußen und Trainer Marco Antwerpen an: Der 2:0 (1:0)-Erfolg durch den Doppelschlag der Dreierkette bescherte den Preußen die Punkte 37 bis 39 – und weitestgehend Planungssicherheit. Die magische 40-Punkte-Marke, die gemeinhin die Nichtabstiegsgrenze markiert, ist in Sichtweite – und für Antwerpen rückt von Punkt zu Punkt mehr die Vorbereitung auf die kommende Spielzeit in den Fokus.

Neuer Schwung im Team

Bereits am Samstag startete er in Halbzeit zwei und bei zunehmend erlahmender Gegenwehr des Gastes das Projekt „Jugend forscht“: Mit Geburtstagskind Lucas Cueto (22 Jahre/61.) für den glücklosen Philipp Hoffmann, Tobias Warschewski (20/68.) für den starken Tobias Rühle und Lennart Stoll (21/83.) für den gewohnt fleißigen Adriano Grimaldi brachte der Trainer neuen Schwung ins Team. „Lucas und Tobias haben das Spiel noch einmal belebt, und auch Lennart hat seine kurze Zeit noch genutzt“, freute sich Antwerpen über das Vorspiel der künftigen Hoffnungsträger. „Natürlich werde ich versuchen, sie in den kommenden Wochen häufiger und länger zu bringen“, so der Trainer – auch, wenn das nicht immer einfach werden dürfte. „Wenn ich in die Kabine gehe und frage, ,So, wer setzt sich freiwillig auf die Bank?‘, wird wohl keiner laut ,hier‘ schreien.“

Drei Fragen an ...

Martin Kobylanski – der 24-Jährige bereitete mit präzisen Eckstößen beide Treffer vor und erklärt, warum gut Ding Weile haben will.

Aus dem Spiel war es nicht leicht, aber zwei Tore nach Ihren Standards. Gibt es überhaupt was zu meckern?

Kobylanski: Nein. Haching hat uns in der Hinrunde spielerisch dominiert. Diesmal hatten wir eine andere Marschroute, wollten pressen. Das ist uns nach der Pause zwar nicht mehr so gelungen. Aber wir haben das Spiel eigentlich trotzdem gut organisiert, angefangen bei Ole Kittner hinten. Und zu den Standards: Die sind auch eine Qualität – in der Bundesliga genauso.

Sie haben sich vor Ihren Ecken sehr viel Zeit gelassen. Was steckte dahinter?

Kobylanski: Ich versuche schon, den Puls etwas zu beruhigen. Der Trainer hat gesagt, ich soll das machen. Warum die Fans vor dem ersten Tor da gepfiffen haben, weiß ich auch nicht. Die Ecken haben das Spiel letztlich entschieden

Sie haben zum dritten Mal im Mittelfeldzen­trum gespielt. Wie gefällt Ihnen die Rolle?

Kobylanski: Der Trainer sagt, ich soll den Sechser oder Achter geben. Das habe ich versucht umzusetzen. Ich beteilige mich gerne am Aufbau. -tre-

...

Noch mehr Kandidaten auf der Bank

Zumal auf der Preußen-Bank noch mehr Kandidaten sitzen, die gerne Spielpraxis sammeln würden und die Antwerpen auch gerne im Ernstfall testen würde. Der 20-jährige Innenverteidiger Jannik Borgmann aus der Reserve beispielsweise, der „ganz dicht dran“ sei, und natürlich auch ein Routinier, der in der nächsten Spielzeit wieder eine Hauptrolle im Preußen-Plan spielen könnte: Benjamin Schwarz saß erstmals nach seiner Knieoperation vor knapp einem Jahr wieder auf der Bank und hätte sich über einen Kurzeinsatz gegen seinen Ex-Verein „schon gefreut. Aber ich bin froh, überhaupt wieder dabei zu sein und hoffe, in den kommenden Wochen auch wieder auf dem Platz zu stehen.“

„Baba“ im Stadion

Everybody’s Darling auf Stippvisite: Babacar N’Diaye kehrte erstmals seit seinem Abschied aus Münster im Sommer 2016 ins Preußenstadion zurück, wo er seit 2010 erst als Stürmer und dann als Co-Trainer absoluter Publikumsliebling war. Nun hat er Karriere gemacht und ist seit dieser Saison Teambetreuer beim Bundesligisten RB Leipzig. Viele alte Weggefährten freuten sich jedenfalls über den Besuch.

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Am Samstag hatte er zumindest nach dem Spiel den engsten Kontakt zum Gegner: Er plauderte angeregt mit den alten Kameraden der Spielvereinigung, von denen sonst ja auch niemand etwas wissen wollte. Deren Trainer wartete derweil schon geduldig im Medienraum und gestand ein wenig neidisch: „Das war schon eine Menge 3. Liga, die wir hier in Münster erlebt haben.“ Zu ruhig ist offensichtlich auch nicht immer schön.

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