Fußball: 3. Liga
Kobylanski macht für Preußen den Unterschied gegen Wiesbaden

Münster -

Fußball-Drittligist Preußen Münster hat das Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden mit 1:0 (1:0) vor 6038 Zuschauern gewonnen. Vier Spieler ragten heraus: natürlich Torschütze Martin Kobylanski, die beiden Debütanten Cyrill Akono und Jannik Borgmann, sowie „Comebacker“ Benjamin Schwarz.

Sonntag, 08.04.2018, 13:52 Uhr aktualisiert: 08.04.2018, 14:32 Uhr
Jubel und Rote Karte: Cyrill Akono (von links), Sandrino Braun und Torschütze Martin Kobylanski nach dem 1:0. Auch Co-Trainer Kurtulus Öztürk (rechts) ist zufrieden..
Jubel und Rote Karte: Cyrill Akono (von links), Sandrino Braun und Torschütze Martin Kobylanski nach dem 1:0. Auch Co-Trainer Kurtulus Öztürk (rechts) ist zufrieden.. Foto: Jürgen Peperhowe

Als die 17. Heimpartie des SC Preußen Münster am Samstag ein Ende gefunden hatte, die meisten der 6038 Zuschauer, die zuvor bestens unterhalten worden waren, heimwärts schlenderten, da sickerten die ersten Infos von der Amokfahrt in der Innenstadt durch. Trainer Marco Antwerpen wurde auf dem Weg in die Kabine ansatzweise in Kenntnis gesetzt, die Spieler erfuhren gut eine Stunde nach Spielende mehr Details. Über dem Stadion kreiste zwischenzeitlich ein Hubschrauber, alle blickten auf ihre Handys. Wo seid Ihr? Wie geht es Euch? Ist bei Euch alles in Ordnung?

Dieses große und manchmal tolle Produkt, diese massenkompatible Faszination, einfach Profifußball, wurde plötzlich ganz klein und unbedeutend. Dabei war der 1:0-Heimsieg des SC Preußen über den SV Wehen Wiesbaden kein Sieg von der Stange, sondern im dann plötzlich zwergenhaften Fußballkosmos etwas Besonderes. Martin Kobylanski sicherte mit seinem zehnten Saisontor nach 44 Minuten, als sich sein Freistoß über Mann und Maus, über Freund und Feind ins lange Ecke verirrte, den Sieg. Bei den Gäste sah Robert Andrich (40.) die Rote Karte nach einer Tätlichkeit an Cyrill Akono sowie Simon Brandstetter (83.) die Ampelkarte für sein Foulspiel an Jeron Al-Hazaimeh.

Einzelkritik: Preußen Münster - Wehen Wiesbaden

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  • Max Schulze Niehues: Wenig gefordert, meist aufmerksam. Einmal im Glück, als Manuel Schäffler im Abseits stand, nachdem der Keeper den Ball prallen ließ. Mit der Faust klärte er mehrmals gut. Note: 3

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  • Lion Schweers: Wieder mal eine Bank. Seine Diagonalpässe werden von Woche zu Woche besser, auch wenn noch Streuung da ist. Simon Brandstetter hatte er gut im Griff. Note: 2,5

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  • Ole Kittner: Die Ruhe selbst. Am Ball nicht immer genau genug, aber in der Luft und als Organisator enorm wichtig. Beim Tor war er in der Nähe, aber nicht mehr dran. Auch ein wichtiger Beitrag. Am Ende Turm in der Schlacht. Note: 2

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  • Jannik Borgmann: Debüt in der 3. Liga - und dann gleich viel mit Top-Torjäger Manuel Schäffler beschäftigt. Löste er bis auf kleinere Wackler gut und schaltete sich auch nach vorne ein. Stark in der Luft, aber nicht immer präzise dabei. Ganz viel Souveränität trotz Premiere. Note: 3

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  • Fabian Menig: Ähnlich wie Kittner ruft er Woche für Woche eine Standard-Leistung ab, die hohen Ansprüchen gerecht wird. Kampfeslustig, laufstark, immer da, wenn er gebraucht wird. Allerdings traf er in der Schlussphase mehrmals die falsche Entscheidung, ließ sich zu viel Zeit. Note: 3,5

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  • Sandrino Braun: Hatte schon bessere Auftritte in den vergangenen Wochen. Gewohnt hohes Pensum und gute Zweikampfwerte. Allerdings war die Passquote diesmal gerade vor der Pause und später bei Kontern nicht ideal. Trotzdem unverzichtbar. Note: 3,5

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  • Martin Kobylanski: Ein klassischer Kobylanski. Tolle Standards, ein paar super Ideen aus dem Spiel heraus. Im Mann-gegen-Mann allerdings mit kleineren Defiziten. Was wollen wir meckern? Der Pole entscheidet Spiele. Punkt. Note: 2,5

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  • Benjamin Schwarz: Gänsehaut-Comeback nach 51 Wochen. Und das kam sehr überraschend. Die beste Nachricht: Das operierte Knie hielt. Kämpfer Schwarz bleibt Kämpfer Schwarz. Bemerkenswerte Grätschen, allerdings am Ende auch mit einigen Unkonzentriertheiten. Da fehlte die letzte Power. Verständlich, genau wie seine Zurückhaltung in einigen Szenen. Note: 3,5

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  • Tobias Rühle: Fing gut an, kam aber ohne seinen etatmäßigen Nebenmann Adriano Grimaldi nicht so richtig zur Geltung. Daher diesmal auch früh ausgewechselt. Note: 4

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  • Cyrill Akono: Ein Traumstart für den 18-Jährigen, der bei seinem Debüt gerade vor der Halbzeit glänzte. Robert Andrichs Schlag gegen ihn brachte die Rote Karte. War sehr aktiv, immer anspielbar, nur die Abschlüsse brachten zu wenig Ertrag. Das Publikum feierte ihn sogar, am Ende aber auch bei den verdaddelten Kontern mit im Boot. Note: 3

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  • Philipp Hoffmann: Nicht nur wertvoll gegen den Ball, sondern auch sehr einsatzfreudig und ideenreich im Angriffsspiel. Half in der zweiten Hälfte kräftig mit, den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Note: 2,5

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  • Nico Rinderknecht: Kam für den angeschlagenen Kobylanski, hatte viele Ballkontakte, traf aber bei etlichen Gegenstößen die falsche Entscheidung. Keine Note

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  • Moritz Heinrich: Einsatz- und laufstark als Joker, aber viel zu oft im Abseits. Da wäre mehr drin gewesen, wenn er und seine Kollegen die Überzahl besser ausgespielt hätten. Keine Note

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  • Jeron Al-Hazaimeh: Diesmal als linker Innenverteidiger gebraucht. Ein bisschen Leichtsinn, aber doch wichtig in vielen Momenten. Auch, als er von Brandstetter gefoult wurde und der Wiesbadener Gelb-Rot sah. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe

Akono? Und Jannik Borgmann? Und Benjamin Schwarz? Dieses Trio machte den Sieg der Preußen zu etwas ganz Besonderem. Die Verletzungs- und Krankheitsmisere beim SCP spülte sie in die Mannschaft. Was Marco Antwerpen gerade bei dem erst 18 Jahre alt gewordenem Akono sowie U-23-Spieler Borgmann eigentlich erst im Saisonfinale geplant hatte, sprich einen ersten Härtetest in der 3. Liga, wurde Realität.

Scherder muss auch passen

Die fünf Umstellungen waren in großen Teilen erzwungen. Denn neben Adriano Grimaldi fehlten auch Tobias Warschewski und Simon Scherder krank. Zudem klagten Michele Rizzi und Lucas Cueto über muskuläre Beschwerden. Einzig Jeron Al-Hazaimeh saß aus sportlichen Gründen auf der Bank. Der 26-Jährige, dessen Vertrag ausläuft, kam später auf der ungewohnten Innenverteidiger-Position zum Einsatz und wurde vor Simon Brandstetters Ampelkarte gefoult. Zurück in die Mannschaft kehrten auch Tobias Rühle und Philipp Hoffmann. Auf der Bank nahm aufgrund des ausgedünnten Kaders auch Julian Conze aus der U 19 Platz.

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Akono ersetzte den maladen Kapitän Adriano Grimaldi und machte das wirklich außerordentlich gut. Er, der gerade in Selm sein Abitur baut. „Am Donnerstag schreibe ich eine Klausur in Sozialwissenschaft“, sagte er. „Vielleicht sollte ich jetzt mal anfangen dafür zu lernen.“ Die Prüfung 3. Liga bestand er dafür mit Lob. Auch wenn er Kritikpunkte – natürlich – fand: „Wir hätten unsere Konter besser ausspielen müssen, dann wäre es 2:0 oder 3:0 für uns ausgegangen.“ Bei den überfallartigen Angriffen muss gerade Münsters neue Sturmhoffnung noch lernen.

Drei Fragen an Ole Kittner

Der Senior hält den Laden dicht. Ole Kittner bewegt sich aktuell in Top-Form. Der 30-Jährige leitet als Mittelmann der Dreierkette auch die jungen Nebenleute an.

Mal wieder zu Null – warum steht die Abwehr im Moment so gut?

Kittner: Ja, wenn so Jungs wie „Baumi“ – so nenne ich Jannik Borgmann, weil er ein Baum von einem Mann ist – sich so einfügen, so selbstbewusst auftreten, die Dinge spielerisch lösen, dann gibt das insgesamt viel Ruhe.

Und sind Sie als erfahrener Mann so etwas wie eine Vaterfigur?

Kittner: Das weiß ich nicht. Unsere Talente fragen ja jetzt nicht explizit nach. Ich sage ihnen mal was, wenn mir etwas auffällt. Aber Nachhilfe kriegen sie nicht.

Wie bewerten Sie den Auftritt gegen Wehen?

Kittner: Wir haben eine starke erste Hälfte gespielt. Die Schlussphase hat aber Nerven gekostet. Das war vielleicht zu riskant, immer genau auf der Abseitslinie zu lauern.

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Jannik Borgmann erfuhr erst am Freitag, dass er in die Startelf rutscht. Ein wenig erinnert der Modellathlet an Ex-Nationalspieler Per Mertesacker. Er musste alles aus sich rausholen, nach gut einer Stunde war er platt wie ein Flunder. „Ich habe wirklich schlecht geschlafen, war sehr aufgeregt“, meinte Borgmann. Auf dem Platz ging alles gut gegen erstklassige Angreifer von Wehen Wiesbaden. Familie und Freunde waren gekommen, die Tribüne stand komplett auf bei seiner Auswechselung. „Ich brauche noch mehr Ruhe im Spiel, muss die Nervosität früher ablegen, mich im Kopfballspiel verbessern – und alles auf mich zukommen lassen.“ Wie auch das abendliche Grillen im Kreise der Familie. Eine Debütantenparty light.

Saison 2017/18: 33. Spieltag: Preußen Münster - Wehen Wiesbaden

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  • Heinrich, Braun, Schweers und Kittner im Duell mit gegen Brandstätter.

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  • Rote Karte für Robert Andrich durch Schiedsrichter Harm Osmers.

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  • Cyrill Akono

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  • Schiedsrichter Harm Osmers mit SCP-Trainer Marco Antwerpen.

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  • Aufregung nach dem Platzverweis für Simon Brandstetter.

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  • Niklas Dams am Boden.

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  • 71. Minute: Auswechslung von Jannik Borgmann.

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  • Zweikampf: Agyemang Diawusie gegen Rinderknecht

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  • Manuel Schäffler kommt vor Sandrino Braun an den Ball.

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  • Jannik Borgmann

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  • Simon Brandstetter hat die Gelb-Rote-Karte bekommen.

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  • Saison 2017/18: 33. Spieltag: Preußen Münster - Wehen Wiesbaden Foto: Jürgen Peperhowe
  • Troschüttze Kobylanski wird in der 64. Minute ausgewechselt.

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  • Schwarz, Antwerpen, Schweers und Metzelder nach dem Spiel.

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  • Kobylanski und Akono

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  • Platzverweis für Simon Brandstetter.

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  • Cyrill Akono im Interview.

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  • Patrick Breitkreuz im Kopfballduell gegen Ole Kittner.

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  • Zufriedene Gesichter nach dem Spiel.

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  • Wiesbadens Trainer Rüdiger Rehm.

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  • Tor durch Martin Kobylanski gegen TW Markus Kolke.

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  • Rote Karte für Robert Andrich durch Schiedsrichter Harm Osmers.

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  • Trainer Rüdiger Rehm und Referee Harm Osmers.

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  • Kevin Pezzoni gegen Braun.

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  • Der Trainer von SV Wehen Wiesbaden: Rüdiger Rehm.

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  • Simon Brandstetter gegen Sandrino Braun (r.) und Cyrill Akono.

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  • Jannik Borgmann gegen Simon Brandstetter.

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  • Manuel Schäffler gegen Jannik Borgmann und Ole Kittner.

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  • Saison 2017/18: 33. Spieltag: Preußen Münster - Wehen Wiesbaden Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marco Antwerpen

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  • Manuel Schäffler gegen Ole Kittner.

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  • Simon Brandstetter im Duell gegen Sandrino Braun.

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  • Jannik Borgmann gegen Manuel Schäffler.

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Akonos und Borgmanns Einstand war eine Frage der Zeit, das Comeback von Benjamin Schwarz nach 51-wöchiger Verletzungspause deshalb die größte Überraschung. Der 31-Jährige hielt durch, musste durchhalten. „Ich haben auf die Zähne gebissen, das war sehr, sehr anstrengend. Aber es war auch okay, fand ich.“

Schwarz war in einem interessanten und temporeichen Spiel vielleicht das, was dem SCP gerade in der Hinrunde gefehlt hat. An diesem Samstag zeigte er die Einstellung, die man wohl immer in der 3. Liga benötigt, nur nicht immer abrufen kann. Er ging an seine Grenzen, und er ging ein Stück darüber hinaus. Schwarz, das Mentalitätsmonster, schubste alle Schwächen beiseite, alle anderen Preußen taten es ihm gleich. Von diesem SC Preußen wünscht sich ein jeder häufiger, nein regelmäßig solche Auftritte. Eine positive Kleinigkeit, die dieser Samstag dann doch zu bieten hatte.

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