Radsport: Bundesliga
Daniel Westmattelmann und der lange Weg zurück

Ahlen -

Nach seinem Horrorsturz im vergangenen Sommer war es fraglich, ob Daniel Westmattelmann noch mal aufs Rad zurückkehrt. Nun aber hat der Ahlener sein erstes Rennen wieder absolviert. Die Ziele für 2018 sind bereits definiert.

Mittwoch, 11.04.2018, 05:00 Uhr aktualisiert: 13.04.2018, 13:50 Uhr
Radsport: Bundesliga: Daniel Westmattelmann und der lange Weg zurück
Wieder im Rennen, wieder auf der Strecke: Daniel Westmattelmann, der unter anderem 2014 die Bergwertung beim Sparkassen-Münsterland-Giro gewann. Foto: René Penno

Es dürfte schönere Bedingungen geben, um Radrennen zu fahren als die im französischen Vitre. 196 Kilometer in der Bretagne, kein Zuckerschlecken, harte Arbeit bei Wind und Wetter. Daniel Westmattelmann wird es aber genossen haben. Endlich wieder ein Wettkampf, gut 100 Kilometer fuhr der 30-Jährige für sein Team Lotto-Kern-Haus mit. „Mir fehlt die Rennhärte. Aber die Grundlage ist schon recht gut“, lautet seine erste Bilanz.

Es war nicht klar, ob Westmattelmann überhaupt noch einmal ein Profirennen wie die „Route Adelie de Vitre“ fahren kann. Beim Bundesliga-Rennen in Chemnitz wurde er im Juli vergangenen Jahres von einem Begleitmotorrad umgefahren. Bei diesem Horror-Sturz brach sich einen unteren Lendenwirbel, eine Metallplatte stabilisiert die Stelle.

Promotion dient der Ablenkung

„Ich hatte Glück im Unglück“, sagt er. Ein Freund habe einen ähnlichen Sturz erlitten und sitze nun im Rollstuhl. Zwei Wochen musste Westmattelmann nach seinem Crash liegen, dann praktisch das Laufen wieder lernen. „Es war ein schwerer Weg. Ohne Familie und Freunde wäre es noch schwerer gewesen“, sagt Westmattelmann über seinen Weg der Besserung .

Das Verfahren gegen den Motorradfahrer, der den Unfall verursachte und erst nicht auffindbar war, läuft. Daniel Westmattelmann äußert sich nicht dazu. Der Weg zurück in den Sport führte auch über sein berufliches Standbein. Er beendete seine Promotion zum Thema Sportmanagement und -psychologie im Winter erfolgreich. Summa cum laude. „Mit der Arbeit habe ich versucht, mich auch abzulenken.“

Rein sportlich betrachtet aber wollte es der gebürtige Ahlener, der in Münster lebt und studiert hat, nach zwölf Jahren als Profifahrer nicht ausklingen lassen. Stück für Stück arbeitete er sich zurück, seine Mannschaft ließ ihm alle Zeit, das Grundlagentraining funktionierte. Angst davor, wieder aufs Rad zu steigen, hatte er nicht. Aber: „Im Rennen habe ich gemerkt, dass ich vorsichtiger geworden bin.“ In der Bretagne war das Fahren toll, allen Ballast des Unfalls hat er aber noch nicht abgeworfen.

Terminkalender gut gefüllt

Doch Westmattelmann ist zuversichtlich. Ende des Monats soll die Formkurve bereits nach oben ausschlagen. „Rund um Steinfurt“ ist die nächste Aufgabe, der Zeitfahrspezialist kann es nicht erwarten. Ziele hat sich der 30-Jährige sowieso schon wieder gesetzt: ein Platz in den Top Ten bei der Deutschen Meisterschaft im Einzel-Zeitfahren wäre toll, mit dem Team Lotto-Kern-Haus will er den DM-Titel im Mannschaftszeitfahren gewinnen, bei den Bundesliga-Rennen mit Start in Düren (29. April) will er dabei sein – und die Deutschland-Tour ist zudem rot angestrichen im Kalender.

Auch beim Münsterland-Giro am 3. Oktober möchte er starten. „Das hat mich getroffen, dass ich im vergangenen Jahr erstmals nicht dabei war“, blickt er zurück. Elf Mal war er seit der Giro-Premiere 2006 mit von der Partie, die Austragung von 2017 fehlt in seiner Statistik, dieses Jahr will er wieder dabei sein. Einfach vom Radsport lassen? Für Dr. Daniel Westmattelmann ist das keine Option.

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