Leichtathletik: Sommersaison
Preußen-Trio Garritsen, Malkus und Breitkopf greift wieder an

Münster -

Es ist ruhig geworden um die drei Top-Leichtathleten des SC Preußen Münster: Lena Malkus, Christoph Garritsen und Jonas Breitkopf haben in den vergangenen Monaten mit Verletzungen gekämpft und melden sich rechtzeitig zur neuen Saison wieder einsatzbereit.

Mittwoch, 11.04.2018, 15:14 Uhr aktualisiert: 11.04.2018, 15:25 Uhr
Christoph Garritsen
Christoph Garritsen Foto: Iris Hensel

Es war ein Vabanquespiel mit der Gesundheit, aber auch eines mit der sportlichen Zukunft, ein Tanz auf dem Drahtseil. Nein, die drei erfolgreichsten Leichtathleten des SC Preußen Münster dieses Jahrzehnts sind nicht heruntergefallen. Sie haben die wohl schwierigsten Situationen ihrer Karrieren gemeistert, haben sich zurückgekämpft und stehen vor einem neuen Anlauf: Dreispringer Christoph Garritsen (Deutscher U-20-Meister 2016) war fast zwei Jahre wegen einer schlimmen Schienbeinverletzung außer Gefecht gesetzt, Sprinter Jonas Breitkopf lag wegen des Abrisses eines Gelenkknochens monatelang „auf Eis“ und Lena Malkus kämpft noch immer mit den Nachwirkungen einer Infektion, die es ihr fast drei Jahre lang unmöglich machte, auf höchstem Niveau Wettkämpfe zu bestreiten. 2015 wurde sie noch Deutsche Meisterin im Weitsprung in Nürnberg – danach war Leere. „Du kannst besser einen Kreuzbandriss haben, da wäre der Heilungsprozess immerhin planbar“, sagte die 24-Jährige. „Es ist zermürbend, wenn du nicht weißt, was ist und wie therapiert wird“, schilderte sie die Monate der Unsicherheit. Es dauerte lange, ehe sich herausstellte, dass ein in Südost-Asien eingefangener Virus für die Erkrankung verantwortlich war.

Jonas Breitkopf, der im vergangenen Sommer noch im Finale der Deutschen Meisterschaften in Erfurt über 200 Meter lief, zog sich seine Verletzung im Oktober vergangenen Jahres zu. „Das hätte zum Karriereende führen können“, ist sich der 20-Jährige sicher. Genau so sicher war er allerdings, dass er das drohende Aus abwenden könne. „Ich muss weitermachen“, war seine Einstellung. Und: „Gut, dass Christoph zu dem Zeitpunkt noch an Krücken ging, so konnten wir viel gemeinsam arbeiten“. Stabilisierungs- und Krafttraining funktionierten auch ohne den Einsatz der maladen Beine. Und: Es war längst nicht die erste schlimme Verletzung, die der Sprinter davontrug. „Ich kenne das Gefühl, man wird dadurch stärker.“

Christoph Garritsen hat bei der fast zwei Jahre dauernden Verletzung ähnliche Erfahrungen gemacht. Beim Training in der Leichtathletik-Halle am Horstmarer Landweg war es passiert: Die Grube war mit dem „falschen“ Sand gefüllt, der sich bei der Landung der Athleten eben nicht als Puffer verteilt, sondern als brettharter Untergrund entpuppte. Eine Diagnose blieb zunächst aus, erst die Untersuchung und anschließende Operation beim leitendenden Verbandsarzt des DLV, Andrew Lichtenthal, brachte die bittere Gewissheit.

Eine niederschmetternde, denn Garritsen schickt sich wie seine beiden Leidensgenossen erst in diesen Wochen an, wieder ins Wettkampfgeschehen einzugreifen. Wobei fraglich ist, ob der Diagnostik-Lehrgang des Deutschen Leichtathletik-Verbandes in Monte Gordo schon sinnvoll ist. „Wir müssen geduldig sein“, fordert Bundes- und Stützpunkttrainerin Elke Bartschat ein „gesundes Maß“ an Selbstüberwindung und Motivation. „Oft geht es bei diesen langwierigen Verletzungen zwei Schritte voran, und gleich einen wieder zurück“. Die avisierte Leistungsdiagnostik „birgt jetzt erst mal eines: Stress“. Weil die Konkurrenten zumeist „voll im Saft“ stünden und die Preußen noch weit davon entfernt sind.

Aber auf die anderen Top-Sportler aus Deutschland in ihrer Disziplin mag Lena Malkus eh nicht schauen. Dafür hadert sie zu sehr mit ihrem eigenen Schicksal. „Das ist manchmal wie in einer Zwangsjacke.“ Zu wollen, aber nicht zu können.

Sie ist ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit herausgerückt – nach ihrem Titelgewinn in Erfurt hatten sich die (Fach-)Medien auf die Athletin gestürzt. „Deren Erwartungshaltung kommt erst mit dem ersten Wettkampf zurück“, weiß sie sich zunächst einmal in Ruhe gelassen. Apropos: Weil sie nach wie vor Kaderathleten waren, waren die Anti-Dopingkontrolleure der Nada beim Preußen-Trainingslager auf Teneriffa selbstverständlich auch zugegen. „Kein Problem“, sagt Malkus und Garritsen nickt zustimmend. Kontrollen sind ja auch irgendwie dem Umstand geschuldet, immer noch dazu zu gehören.

Kraft- und Schnelligkeitswerte sind wieder hergestellt. „Wir tasten uns jetzt heran“, sagt Elke Bartschat. Erst in der vergangenen Woche habe es sich bei Lena Malkus „wieder angefühlt, wie bei einem richtigen Weitsprung“.

Sputen werden sich die drei allemal: Springer-Meeting in Garbsen (13. Mai), Sparkassen-Meeting in Herborn (mit Malkus) und Kurpfalz-Gala in Weinheim ebenfalls im Mai sind die nächsten Wettkämpfe.

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