Fußball: 3. Liga
Preußen-Bosse Strässer und Westermann erläutern Investorensuche im Interview

Münster -

Frank Westermann als Aufsichtsratsvorsitzender und Christoph Strässer als Präsident befinden sich seit Monaten für den SC Preußen auf der Mission Ausgliederung. Die Formalitäten sind erledigt, doch die Investorensuche gestattet keine Pause. Den Status quo erläutern beide im Interview.

Donnerstag, 12.04.2018, 15:04 Uhr aktualisiert: 13.04.2018, 14:10 Uhr
Christoph Strässer (l.) und Frank Westermann.
Christoph Strässer (l.) und Frank Westermann. Foto: Jürgen Peperhowe

Die formellen Akte sind vollzogen, der SC Preußen hat seine Profi-Abteilung ausgegliedert. Doch niemand lehnt sich zurück, wie Präsident Christoph Strässer und Aufsichtsratschef Frank Westermann im Interview schildern. Unseren Redaktionsmitgliedern Alexander Heflik und Thomas Rellmann haben sie Auskunft zur Investorensuche und zur Umwandlung der Verbindlichkeiten gegeben.

Der Klassenerhalt ist seit dieser Woche auch rechnerisch perfekt. Hätten Sie das so früh erwartet?

Strässer: Nein. Wir hatten eine schwierige Ausgangslage im Winter mit dem Trainerwechsel, wussten aber auch, dass Marco Antwerpen nach oben will und die richtige Ansprache dafür hat. Im Nachhinein hat sich unsere Entscheidung bestätigt.

Westermann: Für uns war so ein Beschluss ja auch einmalig. Es ist uns sehr schwer gefallen, Benno Möhlmann freizustellen. Aber es war der richtige Weg.

Sportlich also alles in Butter, die Planung für die neue Saison läuft gut an, die Ausgliederung ist auch formell durch. Was macht Ihnen zurzeit Sorge?

Strässer: Unsere Lizenzunterlagen sind fristgerecht eingereicht. Wir hoffen, dass wir ohne Hürden grünes Licht bekommen, aber müssen davon ausgehen, dass irgendwas immer kommt vom DFB. In der 3. Liga sind die Dinge ungewiss.

Was sind die augenblicklichen Schritte für die neue Kapitalgesellschaft?

Westermann: Wir haben in Rekordgeschwindigkeit erst die Geschäftsführungs-GmbH und dann die KGaA formell eintragen lassen, nun folgt der materielle Teil. Da sind eine Menge Gespräche geführt worden, unser Vermarkter Lagardère kümmert sich um die Werbemaßnahmen dafür. Auf den Etat für die Mannschaft wird sich die Ausgliederung für die neue Saison aber noch nicht auswirken.

Hauptsponsor-Suche

Zur neuen Saison steigt Trikotsponsor Tuja aus. Die Gespräche zur Nachfolge laufen über Vermarkter Lagardère, mit dem der SCP nach schwierigem Antritt inzwischen sehr zufrieden ist. Die Präsentation ist für die Lizenz mitentscheidend. Der Erlös, den Tuja bisher lieferte, wird wohl nicht erreicht. Eingeplant sind insgesamt weiter etwa 4,2 Millionen Euro an Sponsorengeld.

...

Sind die Verbindlichkeiten aus dem e.V., bereits auf die Gesellschaft übertragen?

Strässer: Ja, der Verein ist schuldenfrei und auf null gestellt, das war DFB-Vorgabe.

Westermann: Durch die hochkomplexe Aufdeckung stiller Reserven, zu denen die Profi-Mannschaft, zu allergrößten Teilen aber die Marke Preußen Münster zählt, haben wir das erforderliche Eigenkapital von einer Million Euro aufgebracht. Die Bewertung hat ein externer Wirtschaftsprüfer sehr kritisch und akribisch vorgenommen. Den Schritt kann man aber nur einmal machen. Eigentumsrechtlich bleibt die Marke auch beim Verein. Ihr Wert beträgt etwa vier bis fünf Millionen Euro.

Wie geht es weiter?

Strässer: Wir benötigen nun privates Kapital. Potenzielle Sponsoren sagen, dass im e.V. die Strukturen zu unübersichtlich sind, dass der Werbeeffekt gegen null geht und sie in der KGaA bessere Kontrolle darüber haben, wie ihr Geld in den Spielbetrieb geht. Die Erkenntnis haben ja nicht nur wir. Das Format e.V. stammt aus dem 19. Jahrhundert. In einigen Jahren werden viele Finanzverwaltungen eh sagen, dass die Vereine ihren Zweck verfehlt haben. Dann wird eine Ausgliederung zur Pflicht.

Noch mal zu den Verbindlichkeiten. Die sind ja nicht einfach weg ...

Westermann: Nein, aber sie bestehen zu 90 Prozent aus Darlehen von Gremiumsmitgliedern, das sind etwa 2,5 Millionen Euro, und sollen bald in Aktien umgewandelt werden. Der Zeitpunkt ist steuerrechtlich und juristisch noch nicht ganz klar. Aber so bekommen wir die Gesellschaft in kurzer Zeit verbindlichkeitsfrei, die Darlehensgeber erhalten Anteile – wer das genau ist, soll transparent gestaltet werden. Der Rest sind gut 300 000 Euro über einen Bankkredit, der vertragsgemäß von uns bedient wird.

Wieso mussten Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder einspringen?

Westermann: Das war notwendig, um den Verein in den letzten beiden Jahren in der Balance zu halten.

Strässer: Viele Belastungen konnten wir vorher gar nicht sehen. Ein Fußballverein ist eben kein normales Unternehmen. Die Kernbotschaft bleibt aber: Vergangenheit ist Vergangenheit. Wir gehen weiter unseren eigenen Weg.

Westermann: Wir nehmen Zahlungen nun zum Fälligkeitszeitpunkt entgegen und nicht vorher.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Vorgängern?

Strässer: Wir sind ja nicht im Rahmen einer feindlichen Übernahme eingestiegen, sondern nur schon im Oktober 2016 statt im Dezember. Da haben wir alle erst mal den Freischwimmer machen müssen. Aber das hat nie zu Krieg geführt. Gerade mit Ex-Präsident Georg Krimphove kommen wir sehr gut klar. Mit dem früheren Aufsichtsratsboss Thomas Bäumer zu sprechen, hat sich bisher einfach noch nicht ergeben.

Wie groß wird der Einfluss von Gremiumsmitgliedern, die gleichzeitig somit zu Aktionären werden?

Westermann: Sie haben operativ keinen Einfluss, sie kontrollieren einzig das Budget. Die gewählten Mitglieder sind immer in der Mehrheit, sie können Beirat oder Hauptausschuss nur ergänzen über Aktionäre.

Malte Metzelder ist der Geschäftsführer der KGaA für den sportlichen Bereich. Wann kommt der Mann für das Administrative?

Strässer: So schnell wie möglich. Aber er muss auch erst bezahlt sein. Interimsweise sollte den Posten jemand aus den Gremien einnehmen, der im Finanzbereich zu Hause ist.

Also das Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Eidecker ...

Westermann: Darüber wird in Kürze entschieden. Von Oktober 2016 bis April 2017 hatten wir gar keinen hauptamtlichen Geschäftsführer. Ohne Bernhard Niewöhner, der ehrenamtlich die Aufgabe übernommen hat, wäre der SCP kollabiert. Höchste Anerkennung, was er an Kompetenz, Sachlichkeit und Engagement eingebracht hat.

Muss Malte Metzelder Rechenschaft ablegen über seine Ausgaben?

Strässer: Nicht, solange er im beschlossenen Budget rahmen bleibt. Dafür haben wir ja auch einen Sportlichen Leiter.

Wird es irgendwann für jeden Interessenten möglich sein, Anteile zu kaufen?

Strässer: Schritt eins nach dem e.V. sollen erst mal Ankerinvestoren aus der Region bilden, also nicht über Streuaktien. Denkbar ist in einem späteren Schritt eine Poollösung, in der dann für kleine Pakete gesammeltes Stimmrecht gewährt wird. Dafür gibt es durchaus einige Beispiele.

Jetzt aber mal konkret: Wer sind die möglichen künftigen Investoren?

Westermann: Wir haben ja einer deutsch-englischen Investorengemeinschaft bereits abgesagt, die im Fußball bereits aktiv ist, in Richtung Traditionsvereine guckt und uns direkt nach der Ausgliederung kontaktiert hatte. Hätten wir angenommen, hätte das konkret eine zweistellige Millionensumme bedeutet, aber gleichzeitig eine komplette Einflussnahme der Gruppe in sämtlichen Gremien bis in die sportliche Leitung. Die Besetzung von Schlüsselpositionen und die langfristige Etablierung von deren System gegen eine Wahrscheinlichkeitsgarantie von Platz sechs der Bundesliga im ersten Jahr. Doch das alles entspricht nicht ansatzweise dem Prinzip, für das wir angetreten sind.

Herr Westermann, Sie haben beim Info-Abend im Dezember gesagt, dass kein Investor anonym bleibt ...

Westermann: Natürlich bleibt das aber unser Ziel. Wir setzen nun zum Beispiel die Gespräche mit einem in Münster ansässigen Unternehmen im Mai fort. Vorgesehen ist eine homogene und etwa zehnköpfige Investorengemeinschaft, also ein überschaubares Unternehmerfeld. Aber die klare Ansage lautet auch: kein Name vor der Unterschrift.

Wie schnell geht das?

Westermann: Wir hoffen auf zwei, drei, vier Zusagen bis zum Sommer, der Rest danach sukzessive.

Strässer: Ich kann die Nachfragen sehr gut verstehen. Wir stehen unter hohem Zeitdruck, gerade mit Blick auf das Stadion. Die Investoren für dieses haben ja nicht endlos Geduld. Die Abhängigkeit der beiden Themen ist da.

Westermann: Investoren wollen ja wissen: Wie und wo präsentiere ich mich? An der Hammer Straße ja kaum.

Wie bewerten Sie, dass Sendens Ratsfraktionen plötzlich gar keine positive Tendenz mehr ausgegeben haben wollen?

Strässer: Meine Äußerungen zu Reaktionen zum Stadionprojekt beruhen allein auf persönlichen Wahrnehmungen. Es gibt weder eine förmliche Beschlussfassung noch offizielle Wortmeldungen. Wir möchten auch nicht den Eindruck erwecken, uns in die Entscheidungsfindung der Ratsgremien einmischen zu wollen. Bei jedem Großprojekt gibt es Befürworter und Gegner – das ist normal, das kennen wir in Münster allzugut. Deshalb wollen wir mit allen sprechen und möglichst viele überzeugen, sobald entsprechende Grundlagen vorliegen.

Eine ganze Menge los also und viel zu tun. Wie zehrend ist Ihre Tätigkeit?

Westermann: Ich sammle schon auch Kraft durch das Team drum herum. Natürlich sind nicht immer alle einer Meinung, aber das Zusammenwirken macht Spaß. Selbst an Tagen wie dem 28. Februar, als der DFB der Ausgliederung auf den allerletzten Drücker und nachdem wir sieben Stunden beim Notar saßen, zugestimmt hat.

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