Do., 26.04.2018

Fußball: 3. Liga Preußen-Trainer Antwerpen: „Wir müssen in obere Bereiche vorstoßen“

Auch wenn es hier anders wirkt: Zurücklehnen ist Trainer Marco Antwerpen in seiner Funktion als Trainer fremd.

Auch wenn es hier anders wirkt: Zurücklehnen ist Trainer Marco Antwerpen in seiner Funktion als Trainer fremd. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Marco Antwerpen ist seit nicht mal fünf Monaten im Amt beim SC Preußen und hat schon viel geschafft. Im Interview blickt er zurück, vor allem aber nach vorn – und er verrät, wie seine Trainerkarriere begann. Dazu stellte sich der 46-Jährige für persönliche und berufliche Fragen vor die Videokamera.

Von Alexander Heflik, Thomas Rellmann

Die erste Halbserie als Preußen-Trainer hat Marco Antwerpen fast geschafft. Durchaus mit Bravour. Drei Ligaspiele liegen noch vor dem 46-Jährigen, der einen guten Punkteschnitt (1,69) aufweist. Im Interview mit unseren Redaktionsmitgliedern Alexander Heflik und Thomas Rellmann blickt er auf die vergangenen viereinhalb Monate zurück, vor allem aber in die Zukunft. In Münster hat der Ex-Stürmer noch eine Menge vor.

Können Sie nach 165 Tagen im Amt schon eine Bilanz anbieten?

Antwerpen: Ja. Die Zielvorgabe war, die Klasse zu retten. Das hat geklappt. Als wir anfingen, war kein Selbstvertrauen vorhanden. Der Schlüssel dazu waren aber die Spieler. Nach der ersten Partie in Meppen wussten wir, in welche Richtung es geht.

War dieses 0:2 im Emsland eine Art Lackmus-Test?

Antwerpen: Definitiv. Wir wussten ja nicht, wie die Jungs unter Druck agieren, auswärts agieren. Wir trainieren ja nur unter uns. Ein Gegner bringt eigene Qualität mit, lässt sich selbst etwas einfallen. Da habe wir erkannt, woran es noch fehlt.

Gab es rund um das Spiel Momente des Zweifels?

Antwerpen: Nein, zumal wir danach ja in den Heimspielen viel richtig gemacht haben. Allerdings hat man da klare Unterschiede gesehen zwischen der Leistung zu Hause und in der Fremde.

Wie ist das zu erklären?

Antwerpen: Gar nicht so einfach. Vielleicht mit den Abläufen. In Münster sitzt die Familie auf der Tribüne, der Hotel-Aufenthalt fällt weg, man kennt die Bedingungen. Es geht auch um Selbstbewusstsein. Das alles kann aber nur unterbewusst eine Rolle spielen. Auswärts kämpft man gegen mehr Widerstände. Doch da haben wir uns ja auch gesteigert.

Trotzdem bleibt das Gefühl, die Mannschaft springt oft nur so hoch, wie sie muss.

Antwerpen: So ähnlich habe ich es ihr auch mal gesagt. In so einer Saison ist viel mehr drin. Da haben wir auch einiges schleifen lassen. Dabei ist die Qualität da.

Wie bewerten Sie die Situation des Gesamtvereins nach einem Halbjahr?

Antwerpen: Wir befinden uns schon gerade im Stillstand. Die Ausgliederung war wichtig, denn man muss fortschrittlich denken, alles andere ist nicht zeitgemäß. Daraus hat sich aber die Problematik mit den Ultras ergeben. Die Stimmung leidet. Die 6000 Zuschauer, die noch kommen, sind in Ordnung. Aber es geht mehr.

Die Ausbeute passt ja. Dem Team machen der Rückgang der Unterstützerzahl und der ausbleibende Support offenbar wenig aus ...

Antwerpen: Ich sage es mal andersherum: Wir müssen in obere Bereiche vorstoßen, in denen die Zuschauer richtig Lust haben, ins Stadion zu kommen. Ich möchte eine Klasse-Saison spielen. Wenn wir das hinkriegen, wird es wieder voller.

Kann man denn mit Neuzugängen aus der Regionalliga angreifen?

Antwerpen: Wenn das Gerüst steht, ja. Dann lassen sich diese Spieler, von denen wir absolut überzeugt sind, gut einbauen.

Bei der Planung des Kaders drehte sich zuletzt fast alles um den scheidenden Kapitän Adriano Grimaldi. Hat Sie das nicht genervt?

Antwerpen: Nein. Es gab ja die klare Ansage: Der Spieler ist für uns einfach nicht zu bezahlen. Also mussten wir Alternativen ins Auge fassen. Rufat Dadashov ist ja eine. Adi ist kompakter, Rufat dafür technisch versierter und mit gutem Näschen. Es stimmt, vieles hing von Grimaldi ab. Aber in der Defensive sind wir beispielsweise schon top aufgestellt. Bedarf herrscht definitiv auf der Sechserposition im zentralen Mittelfeld, das hat auch das 1:2 zuletzt gegen Halle gezeigt. Da hätte ich lieber noch zwei Leute dazu als einen. Denn Martin Kobylanski tut sich leichter als Zehner mit doppelter Absicherung dahinter. Das war nach dem Kreuzbandriss von Danilo Wiebe so leider nicht immer möglich. Sonst hätten wir es sicher öfter im 4-2-3-1-System probiert.

Kobylanski oder auch Lion Schweers sind für Zweitligisten sicher interessant. Wäre durch einen Verkauf Grimaldi vielleicht doch bezahlbar gewesen?

Antwerpen: Erst mal müssten sich Interessenten melden. Das ist nicht der Fall. Alles hypothetisch.

Also gab es keine Chance, ihn zu halten?

Antwerpen: Sportdirektor Malte Metzelder und ich hatten die Hoffnung, dass etwas passiert. Ist es aber nicht. Man hört ja zudem, dass keine Investoren kommen, solange sich in Sachen neues Stadion nichts tut. Das ist wohl die Schleife.

Zurück zum Sport, den Sie ja beeinflussen können. Was muss sich 2018/19 dringend ändern?

Antwerpen: Wir müssen schneller und zielführender in den Umschaltaktionen werden, da lassen wir viel liegen. Und es geht auch um einen Geist in der Mannschaft. Daher holen wir frisches Blut rein. Die Neuen werden extrem motiviert in ihrer ersten Drittliga-Saison sein. Die, die schon länger da sind, müssen also dagegenhalten. Ich hoffe, das setzt Energien frei.

Kein Vertrag für Sebastian Mai, Jeron Al-Hazaimeh, Stéphane Tritz, schlechte Karten für Lucas Cueto und Tobias Warschewski – sind Sie ein harter Hund?

Antwerpen: Man muss es von Fall zu Fall sehen. Mai haben wir gar nicht spielen sehen und uns entschieden, etwas anderes zu machen. Tritz stand hinter dem sehr guten Fabian Menig und ist schon 31, Jeron hat sich nicht entwickelt, war nicht überzeugt von dem, was wir wollten und zu oft an Gegentreffern beteiligt. Auch Cueto und Warschewski hatten ihre Chancen.

Welche Rolle spielt Ihr Co-Trainer „Kutte“ Öztürk? Viele Spieler heben ihn ungefragt hervor, bejubeln Tore mit ihm ...

Antwerpen: Er ist, wie er schon als Spieler war. Ansprechpartner für die Jungen, diplomatisch. Genau das setzt er fort. Er geht nicht auf Distanz und kann gut filtern, was die Jungs ihm erzählen. Wir haben ziemlich gleiche Vorstellungen vom Fußball. Auf dem Trainingsplatz begleitet er viel das Passspiel, während ich mehr mannschaftstaktisch arbeite.

Wie bewerten Sie die Zulieferdienste im Verein in Sachen Scouting?

Antwerpen: Wir bekommen von U-19-Coach Cihan Tasdelen eine zehnminütige Gegneranalyse im Video, die auf den Punkt kommt. Damit bin ich sehr zufrieden. Dass wir mit Kieran Schulze-Marmeling einen Chefscout bekommen, war überfällig. Den hätte man eigentlich installieren müssen, als es Preußen finanziell noch besser ging. Darüber hinaus fahre ich auch selbst noch gerne raus und beobachte.

Gibt es im jetzigen Aufgebot Spieler, die Sie an sich selbst als Profi erinnern?

Antwerpen: Schwierig, da bin ich, wenn überhaupt, sofort im vorderen Bereich. Ähnlich wie Grimaldi habe ich auch gespielt. Das sah manchmal vielleicht etwas unbeweglich aus, aber schon mit einem gewissen Tempo und Willen.

Und als Typ? Ihr Ex-Coach Peter Vollmann sagte letzten Monat, sie seien „oft unzufrieden“ gewesen.

Antwerpen: Das hat er gar nicht nur negativ gemeint. Ich hätte halt gerne mal weiter oben mitgespielt mit Preußen, nicht immer nur im Abstiegskampf.

Günnigfeld, Burgsteinfurt, U 19 und Profis bei RW Ahlen, Viktoria Köln – wie kam es, dass Sie als Trainer von weit unten bis zum SCP gekommen sind?

Antwerpen: Nach meinem Karriereende 2008 haben die Preußen mir eine Stelle als Co-Trainer der U 19 angeboten, aber ich wollte meine eigenen Ideen umsetzen. Ich dachte, dass sofort etwas Großes kommt. Kam aber nicht. Ich habe dann auf jeder Station Erfahrungen gemacht. Das war wichtig, nicht die Liga. Anfangs war ich aber auch gar nicht hauptberuflich Trainer.

Zwischendurch waren Sie auch mal in Australien.

Antwerpen: Ja, für vier Monate. Da habe ich ein Praktikum beim Club Melbourne Victory gemacht, das mir Jens Lang, der Australiens Tischtennis-Nationaltrainer ist, vermittelt hat. Videoanalyse, GPRS-Trainingssteuerung – die Australier sind sehr innovativ.

Bei Ihrem Ehrgeiz ist sicher die 2. Liga ein Ziel.

Antwerpen: Es ist nicht so, dass ich irgendwo hinschiele. Das war auch bei Viktoria nicht so, auch wenn ich mich dann riesig über das Preußen-Angebot gefreut habe. Ich bin immer glücklich, da wo ich gerade bin, und genieße die Zeit.



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