Fußball: 3. Liga
Preußen mit Glück in Großaspach und großer Vorfreude auf Mallorca

Grossaspach -

Mit einem 2:2 bei der SG Sonnenhof Großaspach ging es auf die Heimfahrt und anschließend flugs in den Flieger nach Mallorca. Preußen Münster zeichnete in dieser Saison, vor allem in der Rückrunde, ein starker Gemeinschaftssinn innerhalb des Teams aus.

Sonntag, 13.05.2018, 23:00 Uhr
Nico Rinderknecht, der sich gegen Yannick Thermann und Sebastin Bösel behauptet, brillierte zum Abschied.
Nico Rinderknecht, der sich gegen Yannick Thermann und Sebastin Bösel behauptet, brillierte zum Abschied. Foto: Tobias Sellmaier

Ein bisschen Vorfreude ließ sich mit einer Portion Fantasie schon aus den Gesichtern der Preußen-Spieler herauslesen. Bereits in der Kabine und später im Bus ging es hoch her. Am Sonntagmorgen, keine 24 Stunden nach dem 2:2 (1:1) zum Saisonfinale bei der SG Sonnenhof Großaspach, ging ab Düsseldorf der Flieger nach Mallorca. Die obligatorische Abschlussfahrt. Bis auf wenige Ausnahmen wie Sandrino Braun, Lucas Cueto, Jeron Al-Hazaimeh oder Stéphane Tritz waren alle an Bord. Das zeugt von einem guten Teamgeist, der keinen überraschen kann.

Missstimmungen drangen selbst in schweren Zeiten nicht aus der Kabine. Auch ein scheidender Reservist wie Keeper Nils Körber richtete Worte des Danks und ein paar witzige Hashtags an „eine unglaubliche Mannschaft“. Via Instagram wohlgemerkt. Dort hatten Fabian Menig und Lion Schweers schon unter der Woche Teambilder gepostet, die genau das untermauern: Der SCP im Jahr 2018 firmierte als echte Einheit.

Kommentar: Nur sportlich läuft‘s wieder

Die Rückrunde hat eins gezeigt: Bei Marco Antwerpen ist die Preußen-Mannschaft in guten Händen. Dem Trainer ist zweifellos zuzutrauen, den Dauer-Drittligisten in der neuen Saison zumindest aus dem unteren Drittel fernzuhalten. Auch wenn es ohne Torjäger und Kapitän Adriano Grimaldi nicht leichter wird, hat das Team eine gewisse Qualität und pflegt allemal einen bemerkenswerten Zusammenhalt. Trotzdem bleiben nach einer Spielzeit, in der nicht nur sportliche Aspekte im Vordergrund standen, Fragezeichen. Wohin steuert der SCP? Mal wieder steht der Club vor Schicksalsmonaten. In der Stadionfrage zeichnet sich keine schnelle Lösung ab, daran hängt aber offensichtlich auch die Bereitschaft von potenziellen Sponsoren (Schlüsselfigur ist Aufsichtsratsmitglied Walther Seinsch), in die Kapitalgesellschaft einzusteigen. Ergo bleibt kurz- und wohl auch mittelfristig der Sparzwang. Sportchef Malte Metzelder und Antwerpen müssen damit umgehen. Die jüngsten Entwicklungen machen Hoffnung, dass ihnen das gelingt.

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Die reine Rückrunde war a la bonne heure, der SCP beendet sie an fünfter Stelle. Im Gesamtklassement wurde es Rang zehn, also die obere Hälfte, wenn auch nicht einstellig. Über den Schlussakkord mussten gar nicht so viele Worte verloren werden, der Punkt war schon etwas glücklich. „Alle haben sich gequält, aber jetzt ist auch mal gut. Wir können Urlaub gebrauchen“, sagte Trainer Marco Antwerpen. „Gefühlte 17 Großchancen“ hatte er für den Gegner registriert. Kurz nachgezählt: Joseph-Claude Gyau (10./14./68.), Shqiprim Binakaj (16./57./67.), Pascal Sohm (23./24./31.), Sebastian Bösel (37.), Dominik Pelivan (47.), Makana Nsimba Baku (63.) vergaben allesamt. Dazu die beiden Tore – Özgür Özdemir per Kopf nach einer Ecke von Yannick Thermann (26.) sowie Sohm per sehenswerter Direktabnahme nach Flanke von Sebastian Schiek (66.) – und es sind zumindest 14. „Da gab es Lücken in der Defensive, die wir so die ganze Saison nicht hatten“, so der Coach. Schwamm drüber. Auch über die erheblichen Probleme, wenn die Hausherren ihr Pressing besonders früh ausführten.

Seine Elf hatte vorne weniger zu bieten. Ein Diagonalball von Michele Rizzi an alter Wirkungsstätte leitete das 1:1 durch Nico Rinderknecht per Tunnel gegen Keeper Maximilian Reule ein, dazwischen lag die Hereingabe von Menig (38.). Der Torschütze legte mit einem herrlichen Steilpass das 2:1 von Philipp Hoffmann vor, der Reule umkurvte und einschob (50.). Bei einem identischen Zusammenspiel nach fünf Minuten der ersten Hälfte hatte SGS-Kapitän Kai Gehring noch gerettet. Adriano Grimaldi verpasste in seinem letzten SCP-Spiel den Drittliga-Rekord der Preußen (16 Tore), den weiter Matthew Taylor hält.

Debütant Conze

Drei Wechsel nahm Trainer Marco Antwerpen im letzten Saisonspiel noch mal vor. Nico Rinderknecht ersetzte den gesperrten Sandrino Braun, Tobias Rühle den grippekranken Martin Kobylanski – und Julian Conze aus der U 19 gab sein Drittliga-Debüt. Da auch Jeron Al-Hazaimeh und Benjamin Schwarz passen mussten, kam er hinten links zum Zug. Am Donnerstag erfuhr der 18-Jährige bereits von seinem Glück. „Ein Traum, für den eigenen Verein bei den Profis zu spielen. Einfach ein gutes Gefühl“, sagte der Telgter. „Ich musste erst mal an das Niveau herankommen, habe aber alles gegeben.“ Sein Coach merkte an, dass sich Conze noch an das Tempo anpassen müsse. Für die neue Serie hat der Außenverteidiger bereits einen Profivertrag unterschrieben. „Ich werde Gas geben“, versprach er. „Wichtig ist es zu spielen.“ Auch oder gerade Einsätze in der U 23 dürften zu seinem Programm zählen.

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In Szene setzte sich neben dem hellwachen Keeper Max Schulze Niehues, der mehrfach parierte, vor allem Rinderknecht mit gutem Auge und hoher Präsenz. „Die Bedingungen waren nicht leicht für uns, aber wir können zufrieden sein“, sagte er. „Der Gegner hatte ja gute Gelegenheiten.“ Sein Leihgeschäft endet, zurück beim FC Ingolstadt hofft der 22-Jährige auf den Zweitliga-Durchbruch. „Ich hatte zuletzt nicht viel Praxis und war nicht in idealer körperlicher Verfassung. Aber wenn, habe ich meist ordentlich gespielt. Zum Ende wäre ich gerne noch öfter zum Einsatz gekommen.“

Zum Ausstand wurden aus dem nur 15-köpfigen Aufgebot auch Tritz („Ich habe noch nichts unterschrieben“) und Lennart Stoll, der Medizin studieren und beim SSV Ulm Regionalliga-Fußball spielen möchte, eingewechselt. Für Tobias Warschewski und Cueto war wieder kein Platz. Ein weiteres klares Signal.

Auch Menig erzielt das „Kacktor“

Es war ja fast zu erwarten: Als erster Verein überhaupt hat Preußen Münster den Titel „Kacktor des Monats“ verteidigt. Nachdem im März Jeron Al-Hazaimeh für sein Eigentor zum 0:1 (Endstand 0:3) gegen den Karlsruher SC in der WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ ausgezeichnet worden war, „triumphierte“ nun Fabian Menig mit seinem Missgeschick am 14. April gegen Fortuna Köln (Anschluss zum 2:1, Endstand 4:2) – mit deutlichem Vorsprung. Am Sonntagabend war ein launiger Beitrag in dem Kult-Format zu sehen. Die SCP-Profis bewiesen dabei wieder mal Humor. Mit einem erneuten Erfolg im Mai dürfte es dennoch eher schwer werden.

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Antwerpen gönnt sich auch eine Prise Urlaub, am 13. Juni startet aber schon wieder die Vorbereitung. Viereinhalb Wochen Erholung sind also angesagt. Auf der Baleareninsel könnte das schwierig werden, danach folgt bei den meisten der Trip mit (oder zu) Familien und Freund(inn)en. Verdient haben sich das alle nach langen 38 Spieltagen.

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