Do., 19.07.2018

Fußball: 3. Liga Mehrere Baustellen überlagern bei Preußen die Vorfreude auf den Saisonstart

Die neuen Trikots ohne Werbung (hier Sandrino Braun) sehen chic aus, viele Fans würden sie vermutlich umgehend kaufen. Doch ehe die Preußen ihr Merchandising starten, muss ein Trikotsponsor gefunden werden.

Die neuen Trikots ohne Werbung (hier Sandrino Braun) sehen chic aus, viele Fans würden sie vermutlich umgehend kaufen. Doch ehe die Preußen ihr Merchandising starten, muss ein Trikotsponsor gefunden werden. Foto: Johannes Oetz

Münster - 

Nur noch wenige Tage bis zum Start der 3. Liga. Von geballter Euphorie ist bei Preußen Münster noch nicht viel zu spüren. Das liegt weniger an der sportlichen Qualität, sondern daran, dass sich auch viele Fans Fragen stellen: Wie geht es gerade wirtschaftlich mit dem SCP weiter?

Von Thomas Rellmann

Auf der einen Seite kann Preußen-Trainer Marco Antwerpen gerade relativ entspannt mit seinen Spielern arbeiten. Die brennenden Themen an der Hammer Straße betreffen nicht unmittelbar den Profi-Kader. Auf der anderen Seite lässt die im Saison-Vorfeld gern geschürte Euphorie auf sich warten. Trotz einer sehr guten Rückserie, trotz eines interessanten Aufgebots, in dem eine Menge Potenzial zu stecken scheint.

Der Grund ist einfach. Die bisher vergebliche Suche nach einem Hauptsponsor überlagert einen Teil der Vorfreude aufs erste Spiel. Jeder weiß, dass dem Club täglich Gelder flöten gehen. Am Freitag wird, mit Rücksicht auf die Sonderhefte der Fachmagazine, definitiv das offizielle Mannschaftsfoto geschossen. Selbst wenn bis dahin noch ein Unternehmen vom Himmel fällt, das auf den Trikots werben will, ließen die sich kaum so schnell noch beflocken. „Wir sind nicht so weit wie gewünscht“, sagt Malte Metzelder, der Geschäftsführer Sport, der als Kaderplaner direkt betroffen ist von den fehlenden Quellen. „Die Budgetvorgaben sind einfach da, also drehen wir uns leider im Kreis. Wir haben aber immer gesagt, dass nach jetzigem Stand nicht mehr umsetzbar ist.“

Eine Auswirkung: Antwerpen vermisst noch immer mindestens einen zentralen Mittelfeldspieler. Beim 4:1 im Test gegen Wattenscheid ließ er Benjamin Schwarz, lange verletzt und bisher eher links vorgesehen, mal wieder als Sechser agieren. „Wir müssen da gewappnet sein für den Fall, dass Sandrino Braun mal ausfällt.“ Metzelder sagt: „Ist doch klar, dass der Trainer gern ein größeres Aufgebot hätte. Auch ich hätte nichts gegen mehr Tiefe.“ Intern wurden die Forderungen noch einmal besprochen. Ob sich aber etwas drehen lässt, wenn ein Trikotsponsor gefunden ist? Die Aussagen dazu sind vage. Mehr und mehr gerät Vermarkter Lagardère Sports in den Fokus, der trotz mehr als eineinhalbjähriger Gewissheit keinen Nachfolger für Tuja gefunden hat. Nicht zu vernachlässigen: Das Trikot-Merchandising ist aktuell noch komplett ausgesetzt.

Das gilt genauso für das zweite große Thema, das die Preußen schon längere Zeit lähmt: der Stadionneubau, den der Verein gern in Bösensell vornehmen würde. Seit einem Vierteljahr haben sich die Vereinsvertreter ein Schweigegelübde auferlegt. Dabei sollte längst eine Absichtserklärung aller Beteiligten vorliegen. Allerspätestens Ende des Jahres wollten die Preußen Klarheit. Investoren für die Kapitalgesellschaft, mittelfristige (Personal-)Planungen oder die Errichtung eines Nachwuchsleistungszentrums – all das hängt an der gewollten Arena. „Der Verein steht definitiv vor der Herausforderung, wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir müssen Kosten einsparen und Einnahmen erhöhen“, sagt Metzelder. „Daher wären wir mit dem erhofften Stadionneubau auch gern weiter, weil dem viele positive Dinge nachgelagert wären.“ Dass Bösensell vermutlich die letzte Patrone der Preußen für ihr ambitioniertes Vorhaben wäre, liegt beinahe auf der Hand.

All diese stockenden Entwicklungen fallen in eine Zeit, in der die Drittliga-Konkurrenz mächtig aufrüstet. „Für uns wird es deutlich schwieriger, Tuchfühlung nach oben aufzunehmen“, so Metzelder. „Dank Rettungsschirmen und kommunaler Unterstützung haben andere Clubs ganz andere Etats zur Verfügung. Dazu geht die Tür nach unten weiter auf.“ Gemeint sind die erstmals vier Absteiger. Trotz allem lässt sich der 36-Jährige seine Zuversicht nicht nehmen: „Wir sind im Kern zusammengeblieben, haben Spieler mit Führungsqualitäten und Leute dazubekommen, die talentiert und hungrig sind und Potenzial haben. Der Kader ist spannend und entwicklungsfähig.“ Zeigt der SCP gleich zu Saisonbeginn, zu was er fähig ist, bekommt Antwerpens Team sicher schnell die Aufmerksamkeit, die es verdient.



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