Fußball: 3. Liga
Preußen-Trainer Antwerpen im Interview: „Die Mannschaft ist hungrig“

Münster -

Marco Antwerpen hat erstmals selbst als Trainer am Preußen-Kader mitgestrickt und eine Vorbereitung mit klarem Ziel geleitet. Im Interview vor dem Saisonstart erläutert der 46-Jährige, was er seiner Mannschaft zutraut, aber auch, wie er mit den schwierigen Bedingungen umgeht.

Donnerstag, 26.07.2018, 17:24 Uhr aktualisiert: 26.07.2018, 17:41 Uhr
Fordernd, gestikulierend, ideenreich: So präsentierte sich Marco Antwerpen als Preußen-Trainer bislang. Nun geht er in seine erste vollständige Saison als SCP-Coach – zumindest spricht aktuell nichts dagegen.
Fordernd, gestikulierend, ideenreich: So präsentierte sich Marco Antwerpen als Preußen-Trainer bislang. Nun geht er in seine erste vollständige Saison als SCP-Coach – zumindest spricht aktuell nichts dagegen. Foto: Jürgen Peperhowe

Auch ein interessanter Ansatz: Beim Fußball entscheiden Tore über Spiele und Punkte über Meisterschaften und Abstiege. Oder, um es mit den Worten von Adi Preißler zu sagen: „Was zählt, ist auf dem Platz.“ Marco Antwerpen, Trainer des Drittligisten Preußen Münster, kann sich diesen weisen Worten nur anschließen – auch, wenn das Thema SCP derzeit vor allem fernab des Fußballfeldes diskutiert wird. Zeit für neue Schlagzeilen, sagt der 46-Jährige, für sportliche und vor allem für gute. Wie das ab Samstag bei Fortuna Köln und dann an den folgenden 37 Spiel­tagen trotz aller Störgeräusche umgesetzt werden soll, verrät Marco Antwerpen im Gespräch mit den Redakteuren Thomas Rellmann und Ansgar Griebel.

Es wurde zuletzt viel über die Preußen geredet, aber nur selten über Fußball. Wie sehr stört das Trainer und Mannschaft?

Antwerpen: Ich erlebe das ja nicht erst, seit ich Trainer bin. Es gab ja schon in den vergangenen Jahren die Tendenz, dass es nicht um den Sport ging, sondern um das Stadion, dann die Ausgliederung, jetzt darum, dass es keinen Hauptsponsor gab. Das ist alles nicht positiv . . .

. . . und erschwert Ihnen auch das Arbeiten?

Antwerpen: Ja klar. Weil wir alle, die Spieler und auch Sportchef Malte Metzelder mit eingenommen, bemüht sind, in Münster eine Euphorie zu schüren. Mit all den Nebengeräuschen ist das sehr schwierig.

Preußen Münsters Kader für die Saison 2018/19 - Kurzporträts

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  • Der SC Preußen der Saison 2018/2019:

    Obere Reihe von links

    Julian Conze, Danilo Wiebe, Fabian Menig, Ole Kittner, Simon Scherder, René Klingenburg, Jannik Borgmann, Dominik Lanius, Cyrill Akono, Rufat Dadashov, Lion Schweers, Philipp Hoffmann, Tobias Warschewski

    Mittlere Reihe von links

    Marco Antwerpen (Trainer), Kurtulus Öztürk (Co-Trainer), Milenko Gilic (Torwarttrainer), Helge Dahm (Zeugwart), Sandrino Braun, Niklas Heidemann, Ugur Tezel, Christian Krabbe (Leitender Physiotherapeut), Lukas Brüggemann (Physiotherapeut), Cornelius Müller-Rensmann (Mannschaftsarzt), Harald Menzel (Teammanager), Malte Metzelder (Geschäftsführer Sport)

    Vordere Reihe von links

    Adrian Knüver, Philipp Müller, Martin Kobylanski, Benjamin Schwarz, Oliver Schnitzler, Maximilian Schulze Niehues, Marian Prinz, Moritz Heinrich, Tobias Rühle, Lucas Cueto, Kevin Rodrigues Pires

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Slalom ist nicht die Disziplin von Fabian Menig. Der Mann ist absolut linientreu und läuft zuverlässig rechts auf und ab.

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  • Jannik Borgmann ist groß und jung. Und weil er außerdem schon sehr abgeklärt und ruhig mit dem Ball umgeht, macht er den arrivierten Recken in der Innenverteidigung ordentlich Dampf.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Oliver Schnitzler ist die Nummer eins: So steht es zumindest auf seinem Trikot. Im Team muss er sich noch mit dem Kollegen Schulze Niehues über den Platz zwischen den Pfosten austauschen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sandrino Braun läuft, das haben jüngste Forschungen ergeben, mit Muskelkraft. Damit wären alle landläufigen Theorien, der Preußen-Dauerläufer sei duracell-betrieben, endlich entkräftet.

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  • Philipp Müller ist technisch beschlagen und nach einer etwas längeren Fußballpause noch im Helene-Fischer-Modus, nämlich schnell atemlos. Die konditionellen Rückstände sollten aber bald behoben sein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rufat Dadashov war der Schrecken der Regionalliga Nordost. Drum ist man dort heilfroh, den Scharfschützen los zu sein. Ab sofort nimmt er die Drittliga-Tore ins Visier. Alle, außer dem der Preußen.

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  • Sportfreund Kevin Rodrigues Pires kennt sich in Münsters Mittelfeld bestens aus – auch wenn er dort zuletzt immer gegen den SCP gearbeitet hat. Doch jetzt gehört er zum Team, das Lotter-Leben ist vorbei.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle ist der Marc Wilmots des SC Preußen. Kompakt, drahtig und ganz schwer vom Ball zu trennen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski ist der Mann für die besonderen Momente. Seine Freistöße können an guten Tagen Tor-des-Monats-Reife entwickeln. In diese Saison geht „Koby“ als Vize-Mapitän.

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  • Ole Kittner ist der Münsteraner bei Münster und als Zentrum der westfälischen Dreierkette kaum mehr wegzudenken.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Für Ugur Tezel ist Münster eine Kleinstadt. Der gebürtige Berliner ist aus der Bundeshauptstadt in die westfälische Provinz gewechselt. Es dürfte dem 21-Jährigen keine Probleme bereiten, sich hier zurechtzufinden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kapitän Simon Scherder ist einer der selbsternannten „Ochsen“, die in der münsterischen Dreierkette die gegnerischen Stürmer zur Weißglut bringen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rene Klingenburg hat auf Schalke schon am Prof-Fußball geschnuppert, war zuletzt aber nur noch für die Schalker Amateure im Einsatz. In Münster will sich der ehemalige Knappe jetzt zum Ritter schlagen lassen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Warschewski sucht eine Wohnung in Münster, auf dem Platz hat er schon eine Bleibe: In der Sturmspitze.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marian Prinz hat seinen Platz im Tor sicher: Er sammelt Spielpraxis in der A-Junioren-Bundesliga.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann ist der Mann für die schnellen Momente: Wenn es eilig ist, baut der SCP auf den Antritt des 25-Jährigen..

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Es ist ein Kreuz mit dem Band: Danilo Wiebe muss auf eine schnelle Heilung hoffen, damit er 2019 wieder zum Team stoßen kann.

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  • Auch Benjamin Schwarz verbringt mehr Zeit in Warte- und Behandlungszimmern als auf dem Platz. Ist er gesund, dann ist er ein ganz wichtiger Leistungsträger.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Moritz Heinrich startet in sein zweites Preußen-Jahr und hat sich noch einige Ziele offengehalten. Die will er jetzt angehen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers ist der Leisetreter in Münsters Abwehr-Dreigestirn. Seine Leistung ist aber auch ohne Worte immer ohne Fehl und Tadel.

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  • Adrian Knüver trainiert mit der Ersten und spielt (noch) in der Zweiten.

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  • Cyrill Akono hat seine Drittliga-Feuertaufe bereits hinter sich, soll jetzt aber zunächst die A-Junioren zum Bundesliga-Klassenerhalt bomben.

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  • Niklas Heidemann findet Münster gut und Münster findet Heidemann gut: Die Preußen und ihr 23-jähriger Linksverteidiger haben in Bestzeit zueinander gefunden.

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  • Max Schulze Niehues erwartet den nächsten Angriff auf den Posten zwischen den Pfosten, aber irgendwann steht der Mann aus Dreierwalde auf jeden Fall wieder im Kasten – versprochen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lucas Cueto wollte nicht gehen und jetzt sind alle froh, dass er bleibt. Der 22-jährige Kölner hat Stammplatz-Potenzial.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dominik Lanius ist Innenverteidiger und damit in bester Gesellschaft. Der Ex-Kölner reiht sich ein in die Gruppe Hochbegabter in Münsters zentraler Abwehrreihe.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Aber damit rutscht die Mannschaft auch ein wenig aus dem Fokus und kann ungestört arbeiten.

Antwerpen: Das machen wir sowieso. Wir versuchen natürlich schon gegenzusteuern, und schauen, dass bei uns sportlich alles passt. Das ist uns in der Rückserie gelungen, aber jetzt geht es wieder von vorne los. Wir fangen bei null an und wollen positive Signale senden.

In was für einem Zustand ist die Mannschaft jetzt, wenige Tage vor dem Start? Kann es losgehen?

Antwerpen: Erst mal bereiten wir eine Mannschaft nicht auf das erste Spiel vor, sondern auf die gesamte Saison. Dass wir aus verschiedenen Höhen angreifen, aus verschiedenen Höhen verteidigen können. Taktisch sind wir schon sehr, sehr variabel aufgestellt. Die Jungs haben es verinnerlicht, aus verschiedenen Grundordnungen heraus zu spielen. Der Aspekt ist aber immer der Gleiche: Wir wollen den Gegner früh unter Druck ­setzen und über Umschaltmomente ins Spiel finden.

Sie haben in Münster die Dreierkette zu einem Erfolgsmodell reifen lassen. Wird das auch die Grundformation für die neue ­Saison bilden?

Antwerpen: Wir haben in der Vorbereitung damit gespielt, aber auch mit der ­Viererkette – und wir haben trotzdem zu viele Gegentore bekommen, egal in welcher Aufstellung. Da sind zu viele individuelle Fehler passiert. Das ist es, woran wir arbeiten müssen, egal mit wie vielen Spielern wir verteidigen.

Ausgerechnet aus dieser Paradereihe fehlte zuletzt Ole Kittner verletzt, Simon Scherder zeigte ungewohnte Schwächen

Antwerpen: Da mache ich mir keine Sorgen. Das sind erfahrene Spieler, die auf den Punkt da sind. Ole macht es über seine Erfahrung, Simon wird am Samstag wesentlich konzentrierter in die Partie gehen, mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein auftreten.

Wie haben sich die Neuzugänge ins Team integriert?

Antwerpen: Die Jungs sind alle gut integriert, es herrscht eine sehr gute Stimmung in der Truppe. Da ­legen wir auch Wert drauf. Dafür sind halt die alten Spieler wichtig. Und das ­haben sie sehr gut gemacht.

Mit Adriano Grimaldi und Michele Rizzi haben der Kapitän und sein Stellvertreter den Verein verlassen. Fehlen sie auf und neben dem Platz sehr?

Antwerpen: Ich kann nicht erkennen, dass uns das Probleme macht. Grund­sätzlich müssen jetzt andere in die Bresche springen. Wichtig ist, die Leistung auf den Platz zu bringen, wichtiger als den Lautsprecher in der Kabine zu geben.

Rufat Dadashov ist der Neuzugang, an den wohl die größten Erwartungen gestellt sind. Läuft er als alleiniger Stürmer auf?

Antwerpen: Auch das ist möglich. Wir können aber auch mit zwei Spitzen spielen. Wir sind sehr variabel. Die Jungs kriegen alle Laufwege mit auf den Plan, dass sie wissen, was sie wann spielen müssen. Aber auch für Rufat gilt: Er muss sich an eine höhere Trainings­intensität gewöhnen. Die Abwehrspieler sind in dieser Liga besser. Es muss mehr gelaufen werden als in der Regionalliga Nordost. Das braucht seine Zeit.

Wenn Sie die Mannschaft, die in der Rückserie der vergangenen Spielzeit immerhin den fünften Platz belegte, mit der aktuellen Formation vergleichen: Wo liegen die Unterschiede?

Antwerpen: Wir haben ja nicht viele Stammspieler verloren. Eigentlich nur Grimaldi. Rizzi hatte viele Verletzungen, saß auch mal draußen. In den Testspielen hat das Spielsystem sehr früh gegriffen. Was nicht gepasst hat, waren die vielen individuellen Fehler, das war schon massiv.

Auch, wenn sich niemand festlegen will: Wohin soll die Reise des SC Preußen gehen? Oben reinschnuppern oder bloß nicht unten reinrutschen?

Antwerpen: Wir wollen das erste Spiel gewinnen. Das ist die einzig mögliche Herangehensweise. Wenn ich eine Mannschaft zusammenstelle, wie es der 1. FC Kaiserslautern macht, wo ich dann noch 400 000 Euro habe, um Ablöse zu bezahlen, wo ich eine hohe Chance habe, oben mitzuspielen, wenn ich gute Arbeit mache, dann ist das etwas ganz anderes, als wenn ich so wie wir in die Saison gehe. Wir wollen einfach viele Spiele gewinnen. Mal mit Dreierkette, mal mit Viererkette.

Der SC Paderborn hat sich in der Vorsaison mit vielen Spielern aus der Regionalliga verstärkt und ist aufgestiegen. Wie viel Paderborn steckt in Münster?

Antwerpen: Ruft bitte mal in Paderborn an und fragt, welchen Etat die zur Verfügung hatten, ruft da bitte mal an. Das ist überhaupt nicht zu vergleichen. Da steht schon ein Stadion, da steht ein super Trainingszentrum – und da gibt es mit Herrn Finke jemand, der auch immer die Löcher stopft. Das ist etwas komplett anderes.

Weiterhin ist der Kader sehr eng. Haben Sie überhaupt Hoffnung auf weitere Verstärkungen?

Antwerpen: Wir haben definitiv zu wenig Spieler. Darauf werde ich auch weiter beharren. Malte weiß, dass wir noch zwei, drei Spieler brauchen. Das muss halt nur finanziert werden können.

Wie weit sind Sie in finanzielle Dinge involviert?

Antwerpen: Gar nicht.

Auch für ein Trainings­lager hat das Geld nicht ­gereicht. Hätten Sie gerne eins gemacht?

Antwerpen: Ja. Ich halte wenig von Wintertrainingslagern, wenn man bei tollen Bedingungen trainiert und dann zu Hause wieder auf schlechten Plätzen im Winter um Punkte spielen muss. Aber im Sommer ist es manchmal nicht verkehrt. Man kommt ein bisschen raus, die Jungs lernen sich besser kennen.

Gab es andere Team­building-Maßnahmen in den vergangenen Wochen?

Antwerpen: Ja, wir sind mit dem Sightseeing-Bus durch Münster gefahren . . .

Hatten Sie bei ihrem ­Amtsantritt im vergangenen Dezember geahnt, dass die Finanzen in Münster derart knapp sind?

Antwerpen: Ich hatte wie viele andere auch die Hoffnung, dass es durch die Ausgliederung etwas komfor­tabler wird, aber gut . . .

zufriedengeben – und machen das Beste draus. Nimmt das auch ein wenig den Druck?

Antwerpen: Nein. Wer mich kennt, weiß, dass ich damit nicht zufriedengebe. Wir befassen uns jetzt mit dem Spiel in Köln . . . und dann mit dem nächsten Spiel. Wir versuchen im Augenblick ja auch extra, das Training so zu steuern, dass wir keine Verletzten haben.

Wie hungrig ist Ihre Mannschaft?

Antwerpen: Sehr hungrig.

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