Fußball: 3. Liga
Preußen Münster im neuen Look an die Spitze

Köln -

Machen Kleider vielleicht wirklich Leute: Kaum waren die neuen Trikots fertig, schon zeigte sich die ganze Preußen-Elf von ihrer besten Seite. Mit einem 4:1 überrannte das Team Gastgeber Fortuna Köln und stürmte so nebenbei die Tabellenspitze – nach einem Spieltag.

Sonntag, 29.07.2018, 14:08 Uhr aktualisiert: 29.07.2018, 14:34 Uhr
So jubelt der Spitzenreiter: das Team vor der Kurve, Sportchef Malte Metzelder und Coach Marco Antwerpen am Rand.
So jubelt der Spitzenreiter: das Team vor der Kurve. Foto: Jürgen Peperhowe

Der zweite Schauer des Nachmittags machte den etwa 600 mitgereisten Preußen-Fans nichts mehr aus. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, skandierten sie nach Abpfiff. Wann hatte es das zuletzt gegeben? Mit einem rundum gelungenen Aufritt holte sich Münster Platz eins am ersten Spieltag. Das 4:1 (2:0) bei Fortuna Köln war das Produkt von Disziplin, Leidenschaft, Tempo, Willenskraft und Laufvermögen.

„Wir haben alles reingeworfen, ich hatte auch nach dem Anschluss nie das Gefühl, es könne etwas passieren. Da war dann keine einzige Situation mehr brandgefährlich“, so Trainer Marco Antwerpen. Nur in der Phase zwischen 1:0 und 2:0 war der Gastgeber am Drücker. „Da haben wir die Bälle nicht gut festgemacht“, so der Coach.

Was ihn besonders freute: Offensiv lieferte sein Team ein breites Repertoire. Das 1:0 durch Lucas Cueto fiel nach Zuspiel von René Klingenburg per Konter. Der schmächtige Linksfuß überlief dann Dominik Ernst überraschend leicht und vollendete ins lange Eck (9.). Beim 2:0 spielte der SCP über Niklas Heidemann einen Freistoß schnell und kurz aus, die Flanke köpfte Rufat Dadashov schulbuchmäßig ein (43.).

Einzelkritik: Fortuna Köln gegen Preußen Münster

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  • Oliver Schnitzler: Für Szenen wie in der 17. Minute wurde er wohl die neue Nummer eins. Ohne Angst (und auch mit etwas Glück) klärte er vor Moritz Hartmann wie eine Art Ausputzer. Ansonsten selten gefordert, bei hohen Bällen souverän. Note: 3

    Foto: WN
  • Fabian Menig: Half entscheidend mit, eben jenen heiklen Moment in Minute 17 zu bereinigen. Hatte hinten rechts eine Menge zu tun, dabei unorthodox und zuverlässig. Offensiv zurückhaltend. Etwas ungeschickt beim Elfmeter, kämpfte aber wie ein Löwe. Note: 3

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  • Lion Schweers: Bestätigte seine gute Form der Vorbereitung. Am 22-Jährigen war kaum ein Vorbeikommen. Gerade in der Luft bärenstark. Doch dann ein schwerer Patzer vor dem Strafstoß. Ließ sich aber nicht verunsichern und spielte seinen Stiefel danach wieder runter. Note: 3

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  • Simon Scherder: Passend zum Ligastart wieder auf Betriebstemperatur. Hatte oft sein Bein im letzten Moment dazwischen und ein bisschen Fortune, dass er keinen Handelfmeter verursachte (17.). Pech hingegen, dass ein Kopfball an den Pfosten klatschte. Aber den Rest erledigte ja Kollege René Klingenburg. Ein Turm in der kleinen Schlacht. Note: 2

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  • Niklas Heidemann: Sein Vorwärtsdrang war im Vergleich zu den Testspielen merklich gedrosselt. Logisch, es geht um Punkte. Wenn der Blondschopf aber auf dem Weg nach vorne war, dann wurde es gefährlich. Wie beim 2:0, das er per Maßflanke vorbereitete. Hinten weitgehend sicher. Unfassbares Pensum. Note: 2

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  • Sandrino Braun: Laufstark wie eh und je, unterband mit gutem Stellungsspiel auch einige Angriffe und präsentierte sich gewohnt zweikampfstark. Als es darum ging, den Ball mal in den eigenen Reihen zu halten, war der Abräumer auch ein sicherer Anspielpunkt. Note: 2

    Foto: WN
  • René Klingenburg: Passgeber vor dem 1:0. Seine ihm angedachte Rolle als aggressiver Taktgeber füllte er aus, allerdings übertrieb er es auch gegen Robin Scheu. Als Ballverteiler sehr präzise. Und als Abstauber offenbar auch top geeignet. Schließlich sogar noch mit dem Sahnehäubchen, dem vierten Tor. Drei Scorerpunkte zum Einstand, nicht schlecht. Note: 1,5

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  • Kevin Rodrigues Pires: In einer Art Zehnerrolle viel unterwegs, auch im Rückwärtsgang. Allerdings gingen von ihm nicht die großen Akzente aus. Nach der Pause leitete sein Freistoß das dritte Tor ein. Half entscheidend mit, das Zentrum zu verdichten. Note: 3

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  • Tobias Warschewski: In ungewohnter Funktion auf dem rechten Flügel, war auch am eigenen Strafraum mehrfach gefordert. Die heißen Torszenen blieben trotz großen Pensums aus. Seine Aufgabe erledigte der Youngster aber gut. Note: 3

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  • Rufat Dadashov: Erster Anläufer und auch bemüht, Bälle festzumachen. Das gelang in der Anfangsphase nicht immer, doch spätestens mit seinem Kopfballtor war der Knoten geplatzt. Was der Trainer von ihm verlangt, setzte er um. Auch deshalb konnte sich Fortuna nicht wie erhofft entfalten. Note: 2,5

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  • Lucas Cueto: Brillanter Moment beim 1:0, auch danach viele Tempoläufe. Die Ecken hatten ein Tick zu viel Power. Mit der Zeit tauchte er etwas ab, aber das war dem Dribbler zu verzeihen. Allein durch seine Hammerszenen zu Beginn band er immer wieder Gegenspieler. Note: 2

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  • Philipp Hoffmann: Kam, um die Kölner noch besser zu attackieren. Das gelang ihm und seinen Kollegen. Keine Note

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  • Martin Kobylanski: Zwei starke Freistöße nach seiner Einwechslung, die ein Tor verdient gehabt hätten.

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  • Ole Kittner: Sollte am Ende noch mal für Überzahl in der Abwehr sorgen, war aber kaum gefordert.

    Foto: WN

Beim 3:0 lenkte Simon Scherder („Jetzt machen mal andere die Abstauber“) einen Freistoß von Kevin Rodrigues Pires weiter an den Pfosten, Klingenburg drückte den Ball ins leere Tor (47.) – und profitierte beim 4:1 (84.) vom Doppelpass mit Martin Kobylanski. Da war wirklich alles dabei. Cueto (57.), Sandrino Braun per Kopf aus 17 Metern (58.) sowie Kobylanski mit einem Freistoß ans Lattenkreuz (77.) sorgten ebenfalls für Alarm.

Hochgeschwindigkeitsfußball &  Standardstärke

„Das 1:0 war viel wert, da waren wir mit einem Pass vor dem gegnerischen Tor. Das war Hochgeschwindigkeitsfußball“, sagte Antwerpen. „Aber auch die Standardtreffer waren top – und unsere Eingewechselten haben super eingeschlagen und richtig gut angelaufen.“

Drei Frage an Rene Klingenburg

Zwei Tore, ein Assist, zum Debüt gleich Rang eins der Scorerliste in der 3. Liga – René Klingenburg war der Mann des Tages in Köln.

Haben Sie so einen Einstand erwartet?

Klingenburg: Nein, natürlich nicht. Wir haben sofort über den Konter über Lucas Cueto geführt und später nachgelegt. Nach dem 1:3 dachte ich, es wird noch mal gefährlich. Aber obwohl wir so eine junge Mannschaft haben, hat man gesehen, wie abgezockt wir sind und was uns ausmachen wird in dieser Saison.

Sie haben viel Körper eingesetzt, das Spiel geordnet, in der Szene gegen Robin Scheu aber auch Glück gehabt, oder?

Klingenburg: Er ist da robust reingegangen, ich wollte ihn danach gar nicht so hart angehen. Er hat dann viel draus gemacht. Daher hab ich sofort angezeigt: Es war eher Drama-Queen.

Gab es Momente, in denen das Spiel hätte kippen können?

Klingenburg: Nach dem 1:0 hat Köln richtig Gas gegeben, da haben wir auch die Ordnung verloren. Dann haben wir die Passwege geschlossen und etwas konstanter gestanden.

...

Pressing übten die Preußen schon früh und danach immer mal wieder aus. Oft staffelten sie sich planmäßig tief, überließen den Südstädtern den Ball und konterten mit Power. Brenzlig wurde es nur einmal, als Keeper Oliver Schnitzler aus dem Kasten eilte, per Kopf vor Moritz Hartmann klärte, so aber dem Angreifer und danach Kwame Yeboah Nachschusschancen ins leere Tor gestattete (17.). Fabian Menig und Simon Scherder mit einem unabsichtlichen Handspiel waren aber jeweils zur Stelle.

Fortuna-Coach auf die Tribüne verbannt

Dass erneut nicht die erhoffte Null stand, war zu verschmerzen. Zumal dem Elfmeter, den Hartmann verwandelte (53.) zwei individuelle Fehler von Tobias Warschewski und dem sonst starken Lion Schweers vorangegangen waren. In der Mitte klammerte Menig gegen Hartmann – der Pfiff war okay.

Meist aber haderten die Kölner mit Schiedsrichter Daniel Schlager, Trainer Uwe Koschinat musste sogar auf die Tribüne und coachte von dort weiter. Den Zahn zogen die Gäste Fortuna mit aggressivem Spiel im Mittelfeld, für das der omnipräsente Braun, Rodrigues Pires und gerade Klingenburg standen, der keinen Konflikt scheute, bei einer Ringereinlage gegen Robin Scheu aber auch Glück hatte (27.). Doch gerade diese Spielweise braucht es wohl in der 3. Liga.

Fortuna Köln gegen Preußen Münster

1/45
  • Erstes Tor für Münster durch Lucas Cueto

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dadashov gegen Bernard Kyere

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  • Sandrino Braun gegen Brandenburger und Maik Kegel

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  • Torjubel Dadashov

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  • Pires gegen Dominik Ernst

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  • SC Preußen Münster - Fortuna Köln

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  • Dadashov jubelt mit Heidemann

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  • Cueto gegen Robin Scheu

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  • Dadashov erzielt das 2:0 gegen Bernard Kyere

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  • Klingenburg

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  • SCP-Trainer Marco Antwerpen

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  • Warschewski und Dadashov

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  • Torwart Oliver Schnitzler rettet vor Hamdi Dahmani

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  • Cueto

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  • Uwe Koschinat

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  • Warschewski und Dadashov

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  • Scherder

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  • Heidemann

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  • Dadashov

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  • Menig gegen Michael Eberwein

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  • Braun

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  • Dadashov gegen Bernard Kyere

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  • Torwart Nikolai Rehnen gegen Schweers

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  • Jubel nach Spielende

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  • Dadashov und Klingenburg

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  • Klingenburg

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  • Jubel nach Spielende

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  • Schnitzler und Klingenburg

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  • Dadashov und Klingenburg

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  • Klingenburg mit Torjubel nach dem 4:1

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marco Antwerpen und Malte Metzelder

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  • Marco Antwerpen und Dadashov

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  • Klingenburg mit Torjubel nach dem 4:1

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dadashov

    Foto: Jürgen Peperhowe

SCP präsentiert sich als "gute Einheit"

Die Neuen jedenfalls standen oft im Fokus. Drei Tore erzielten Sommereinkäufe, das vierte mit Cueto ein „halber Zugang“. Debütant Dadashov meinte: „Der Trainer hat Vertrauen in uns. Auf dem Platz hat man gesehen, dass wir eine gute Einheit sind.“ Dass ihm anfangs nicht alle Aktionen gelangen, steckte der Stürmer gelassen weg.

„Man kann nicht jeden Ball festmachen oder verlängern, aber die nächste Situation kommt. Da geht es immer weiter.“ Für seinen Vorbereiter Heidemann hatte er auch noch ein Lob parat: „Die Flanke war super, so haben wir das so im Training geübt, der Ball kam wie besprochen dann auf den zweiten Pfosten.“

Am Spielfeldrand stand gewohnt ruhig Sportchef Malte Metzelder. „Wir hatten auch schwierige Phasen drin – aber unterm Strich haben wir die Woche doch positiv abgeschlossen“, sagte er. Am Freitag der verspätete Deal mit Trikotsponsor Schauinsland-Reisen , am Samstag die Tabellenführung. So viele positive Schlagzeilen gab es für den SCP nicht immer.

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