Mo., 06.08.2018

Fußball: 3. Liga Wiedersehen mit Lautern – als Preußen sich eine Viertelstunde als Meister fühlte

Nicht in Berlin, aber das war genau die Finalmannschaft vom DM-Endspiel in Reih und Glied: (von links) Otto Mierzowski, Kurt Pohnke, Willi Lesch, Josef Rickmann, Josef Lammers, Felix Gerritzen, Alois Schulte, Rudi Schulz, Rolf Lezgus, Siegfried Rachuba und Adolf Preißler sowie Trainer Willy Multhaupt.

Nicht in Berlin, aber das war genau die Finalmannschaft vom DM-Endspiel in Reih und Glied: (von links) Otto Mierzowski, Kurt Pohnke, Willi Lesch, Josef Rickmann, Josef Lammers, Felix Gerritzen, Alois Schulte, Rudi Schulz, Rolf Lezgus, Siegfried Rachuba und Adolf Preißler sowie Trainer Willy Multhaupt. Foto: Archiv

Münster - 

Am Dienstag tritt der SC Preußen beim 1. FC Kaiserslautern an. Die beiden Mannschaften verbindet eine besondere Geschichte. 1951 standen sich Pfälzer und Westfalen im Finale um die Deutsche Meisterschaft gegenüber. Ein Rückblick.

Von Alexander Heflik

Dieser Tag, der jetzt auch schon über 67 Jahre zurückliegt, ist so etwas wie die DNA des SC Preußen Münster. Fast schon ein Menschenleben ist es her, als die Adlerträger im Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen den 1. FC Kaiserslautern antraten. Im Berliner Olympiastadion unterlag der „Stolz Westfalens“ dem Team aus der Pfalz mit 1:2 (0:0). Triumphal kehrten die Preußen zurück, auf dem Prinzipalmarkt wurden die Spieler wie Meister erwartet. Sechs Jahre nach Ende des Krieges war dieses Endspiel von Berlin für die Münsteraner wie ein „Sommermärchen“.

Der SCP war als Vizemeister der Oberliga West, hinter dem FC Schalke 04, in die DM-Vorrunde der besten acht Teams Deutschlands gekommen. Erst am letzten Spieltag rückte Schalke auf Rang eins vor, weil der SCP gegen Dellbrück überraschend mit 0:4 unterlag. Kaiserslautern hatte die Oberliga Südwest gewonnen.

Nürnberg witterte Betrug

Erst zwölf Jahre später sollte es eine nationale Spielrunde geben, in der sich beide Teams noch mal gegenüber standen – im August 1963 wurde die Bundesliga aus der Taufe gehoben mit Münster und Kaiserslautern als Gründungsmitgliedern. 1951 mussten sich die fünf Oberliga-Meister und drei Vize (Süd, West und Nord) über die DM-Vorrunde fürs Finale qualifizieren. Nach der regulären Oberliga-Runde ging es in Vierergruppen weiter, nur der Sieger zog ins Endspiel ein.

Münster drehte auf den letzten Drücker das Geschehen, bezwang den 1. FC Nürnberg vor 40.000 Zuschauern mit 6:4. Am letzten Spieltag wurde bei TB Berlin mit 8:2 gewonnen. Nürnberg protestierte, schon ein Treffer weniger hätte die Franken ins Finale gespült. Und Münster ging – nach einem frühen 0:2 – erst in der 70. Minute mit 3:2 in Führung. Fünf Treffer in der Schlussphase – Nürnberg witterte Betrug und Manipulation.

750 Mark Prämie

Im Finale stand aber doch der SCP. Nach torloser erster Halbzeit brachte Felix „Fiffi“ Gerritzen die Mannschaft nach 47 Minuten in Führung. Knapp eine Viertelstunde waren die Preußen virtueller Deutscher Meister. Doch Ottmar Walter mit einem Doppelpack drehte das Ding für die Pfälzer. Münster bekam nur den Trostpreis, holte sich aller Orten beste Kritiken für den Offensivfußball ab.

Drei Aufeinandertreffen

DM-Endspiel (30. Juni 1951): Karl Adam – Helmut Rasch, Werner Kohlmeyer – Ernst Liebrich, Werner Liebrich, Heinz Jergens – Horst Eckel, Fritz Walter, Ottmar Walter, Werner Baßler, Bernhard Fuchs – Richard Schneider Otto Mierzowski – Walter Lesch, Alois Schulte – Josef Rickmann, Kurt Pohnke, Rolf Lezgus – Felix Gerritzen, Alfred Preißler, Rudolf Schulz, Siegfried Rachuba, Josef Lammers – Willi Multhaup – 0:1 Gerritzen (47.), 1:1 Ottmar Walter (61.), 2:1 Ottmar Walter (74.) – Reinhardt (Stuttgart) Kaiserslautern – Münster 0:0 Münster - Kaiserslautern 1:0 – Tor: Klaus Bockisch (47., FE)

Die Spieler erhielten nach der Rückkehr 750 Mark Prämie, als Meister wäre es das Doppelte gewesen. Allein in der Oberliga sahen 263.000 Menschen die Heimspiele. In der DM-Endrunde strömten gegen TB Berlin, den Hamburger SV und Nürnberg die Massen weiter, 110.000 Menschen wollten die drei Partien sehen. Das Stadion an der Hammer Straße wurde auf ein Fassungsvermögen von 45.000 Besucher ausgebaut. Die Preußen waren angesagt, sie waren chic.

►  Nachtrag: Drei Jahre später wurde Deutschland Weltmeister, das Kader-Gerüst von Bundestrainer Sepp Herberger bildeten die Lauterer Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Horst Eckel, Ottmar und Fritz Walter. Sie alle spielten 1951 im Endspiel gegen Münster mit. Von den Preußen hatte Felix Gerritzen lange darauf gehofft, auf den WM-Zug aufspringen zu können – eine Verletzung verhinderte die Kader-Nominierung. In der Oberliga West war er 1954 mit 23 Treffern Torschützenkönig geworden.  

Nur drei Mal gegen den FCK

►  DM-Endspiel (30. Juni 1951):

Kaiserslautern: Karl Adam – Helmut Rasch, Werner Kohlmeyer – Ernst Liebrich, Werner Liebrich, Heinz Jergens – Horst Eckel, Fritz Walter, Ottmar Walter, Werner Baßler, Bernhard Fuchs – Trainer: Richard Schneider

Münster: Otto Mierzowski – Walter Lesch, Alois Schulte – Josef Rickmann, Kurt Pohnke, Rolf Lezgus – Felix Gerritzen, Alfred Preißler, Rudolf Schulz, Siegfried Rachuba, Josef Lammers – Trainer: Willi Multhaup – Tore: 0:1 Gerritzen (47.), 1:1 Ottmar Walter (61.), 2:1 Ottmar Walter (74.) – Schiedsrichter: Reinhardt (Stuttgart)

►  Bundesliga 1963/64:

5.10.1963: Kaiserslautern – Münster 0:0

22.2.1964: Münster - Kaiserslautern 1:0 – Tor: Klaus Bockisch (47., FE)



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