Di., 14.08.2018

Fußball: 3. Liga Zweckmäßig statt glanzvoll präsentiert sich Preußen Münster beim Sieg über SF Lotte

Torschütze René Klingenburg auf dem Zaun bei den Fans auf der Gegengeraden. Lauter Jubel brandete hier nach Abpfiff auf, natürlich beim einzigen Treffer – und als Stadionsprecher Martin Kehrenberg die Zuschauerzahl verkündete.

Torschütze René Klingenburg auf dem Zaun bei den Fans auf der Gegengeraden. Lauter Jubel brandete hier nach dem Abpfiff auf, natürlich beim einzigen Treffer – und als Stadionsprecher Martin Kehrenberg die Zuschauerzahl verkündete. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Reicht doch. Die Preußen eroberten am Montag die Spitze als Minimalisten. Der 1:0-Erfolg im Nachbarschaftsduell gegen die Sportfreunde aus Lotte lässt Träume reifen.

Von Thomas Rellmann

Welche Euphoriestufe wäre am Montagabend wohl gezündet worden, hätten die Preußen mit einer regelrechten Gala Platz eins in der Drittliga-Tabelle erklommen? Aufstieg, Meisterschaft, Europapokal? Da wären tollkühne Träume entstanden. Doch die Mannschaft entschied sich für die zweckmäßige und sachliche Variante. Auf dem Platz und hinterher. Das 1:0 (0:0) gegen die SF Lotte reichte ja für Platz eins. Und überbewerten, so die einhellige Meinung, sollte den Sprung nach ganz vorn niemand.

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Die Jungs haben sich das erarbeitet, weil sie sich reingefightet haben in die Partie.

Marco Antwerpen

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Auch Trainer Marco Antwerpen ließ sich erst spät kitzeln. Wann der erste Rang eine Bedeutung habe? „Am 38. Spieltag.“ Immerhin räumte er ein, die Momente direkt vor und nach dem Abpfiff genossen zu haben. Da sangen seine Schützlinge im Kreis „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, da gab’s Welle und Humba vor der Gegengerade, da kletterte Torschütze René Klingenburg auf den Zaun und gab den Einheizer. „Die Jungs haben sich das erarbeitet, weil sie sich reingefightet haben in die Partie“, sagte der Coach.

Blick in Richtung Derby

Nüchtern auch die Analyse von Kapitän Simon Scherder, der in der Abwehr der Beständigste war: „Drei Punkte und die Tabellenführung – das können wir uns jetzt fast zwei Wochen ansehen. Und in Osnabrück wollen wir den Platz dann verteidigen.“ Die Blicke gingen eben schon in Richtung Derby. Aber auch noch mal zurück. „Wir haben nicht das gemacht, was wir uns vorhatten. Lotte hat mit simplen Mitteln unseren Aufbau gestört, uns hinten zugestellt, sodass wir nicht oft den präzisen langen Ball spielen und dann ins Pressing gehen konnten.“ Logisch analysiert. Und Antwerpen weiß ohnehin und streitet auch nicht ab, dass er mit seinem Team noch an vielen Stellschrauben drehen kann.

Nur einen Aspekt wird er kaum verbessern können. Die Torquote von Klingenburg. Nach vier Partien für den SCP hat der 24-Jährige schon mehr Treffer (vier) auf dem Konto als in der ganzen letzten Oberliga-Serie (21 Einsätze) für den FC Schalke 04 II. Der Kerl macht Ernst und lässt seinen ehrgeizigen Worten vor seiner Verpflichtung Taten folgen, die beeindrucken. Hinterher predigte er aber Bescheidenheit: „Wer trifft, ist Nebensache. Das sagt nichts aus.“ Den Spielverlauf fasste der Mittelfeldmann auch passend zusammen: „Es war fast typisch. Jeder hat erwartet, dass wir den Tabellenletzten abschießen, aber Lotte wollte natürlich auch gewinnen. In der ersten Hälfte haben wir uns schwergetan, dann aber unsere Lehren draus gezogen und uns nach der Pause griffiger präsentiert.“ Selbstkritisch merkte Klingenburg an: „Wir hätten allerdings auf das zweite Tor gehen müssen. Ich habe ja auch eine ganz gute Chance noch verstolpert.“ Geschenkt.

Sein Treffer nach 52 Minuten sorgte für eine Explosion der Gefühle. 9247 Zuschauer, nur rund 250 davon im Gästeblock, zeigten nach Monaten der gefühlten Stagnation, dass es gar nicht so viel braucht, um in Münster ein Fußballfeuer zu entfachen. Wie nachhaltig es lodert, zeigen die nächsten Wochen.



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