Do., 23.08.2018

Volleyball: Frauen-Länderspiel Deutschland – Niederlande Vanjak muss um WM zittern

Riesenkulisse am Berg Fidel: 2613 Zuschauer wollten das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden sehen.

Riesenkulisse am Berg Fidel: 2613 Zuschauer wollten das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden sehen. Foto: Wilfried Hiegemann

Münster - 

„Heute Abend alle da?“, fragte ein Volleyball-Fan noch am Mittag in einem Forum kurz und knapp. Wenn er Sorge hatte, war sie unbegründet: Ja, alle da! Und sogar ein paar zu viel. Tatsächlich überstieg beim Volleyball-Länderspiel-Klassiker zwischen den deutschen und den niederländischen Frauen am Donnerstagabend die Nachfrage das Angebot. 2613 Zuschauer, ausverkauft.

Von Wilfried Sprenger

Zugegeben, früher bei legendären Europapokalpartien des USC Münster, ging sogar noch mehr. Es drängten mitunter 4000 Fans in die Sporthalle Berg Fidel. Aber da setzten die Verantwortlichen auch alle Sicherheitsvorschriften außer Kraft. Nun, auch etwas weniger als 3000 Besucher können eine wunderbare Stimmung erzeugen. Der deutschen Mannschaft verlieh sie Flügel. Sie lieferte dem amtierenden Vizeeuropameister einen beherzten Kampf und verlor nach über zweistündiger Spielzeit sehr unglücklich 2:3 (25:23, 17:25, 21:25, 25:21, 15:13). Bereits am Samstag bestreiten die Teams in Bremen ein weiteres Testspiel vor den Weltmeisterschaften ab Ende September in Japan.

Fotostrecke: Volleyball-Länderspiel Deutschland gegen Niederlande

Temperaturen auf Sauna-Niveau

Der womöglich letzte heiße Tag in diesem außergewöhnlichen Sommer geriet für Protagonisten und Fans zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. In der Sportarena kletterten die Temperaturen auf Sauna-Niveau, kein Problem für die Spielerinnen. In beiden Teams standen mehrere ehemalige USC-Asse, aus dem aktuellen Bundesligakader drängte die niederländische Mittelblockerin Juliet Lohuis in den Fokus. „Juliet macht das klasse, ihre Entwicklung ist außergewöhnlich“, sagte USC-Trainer Teun Buijs über seinen Schützling. Die ­21-Jährige selbst war nicht restlos zufrieden. „Wir alle können das noch besser, ich auch.“ Lohuis darf mit einer WM-Nominierung rechnen.

Kleine Chance für DVV-Novizin Ivana Vanja

Im Fall von Ivana Vanjak hängen die Dinge wohl am seidenen Faden. Die Außenangreiferin, noch eine Novizin in der DVV-Auswahl, hat große Konkurrenz auf ihrer Position. Bundestrainer Felix Koslowski schenkte ihr am Donnerstagabend in den Sätzen eins, zwei und drei jeweils kurze Einsätze auf der ungewohnten Diagonalposition. Die 23-Jährige punktete erst per Angriff, dann im Block – kleine Chance genutzt. „Ich bin froh über jede Minute auf dem Feld und habe auch diese Momente genossen“, sagte Vanjak.

Viel Volleyball-Prominenz

Viel Volleyball-Prominenz war zum Länderspiel an den Berg Fidel gekommen, niemand wurde enttäuscht. Mit großer Leidenschaft und ebensolchem Engagement stellte sich die deutsche Mannschaft dem Weltranglisten-Fünften, dessen Profis fast ausnahmslos in europäischen Spitzenclubs Verträge haben. „Bei uns spielen die meisten in der Bundesliga, das darf man nicht vergessen“, sagte Bundestrainer Koslowski, „meine Mannschaft hat heute ein gutes Spiel gemacht. Wenn wir die ganz Großen fordern wollen, müssen wir aber konstanter werden.“

Kommentar: Kraftzentrum

Ausverkauftes Haus, mitten in der Woche: Beim Deutschen Volleyball-Verband (DVV) wissen sie sehr genau, was sie an Münster haben, dort zuverlässig vorfinden und warum sie die Nationalmannschaft regelmäßig vorbeischicken. Auch 13 Jahre nach den letzten Titelgewinnen des USC hat der westfälische Standort das Potenzial zur Hochburg der so ansehnlichen Randsportart. Zugegeben, die ganz großen Zeiten der Unabhängigen liegen einige Zeit zurück. Und auch die ganz großen Pokale, die der neunmalige Meister errang, haben mit den Jahren Staub angesetzt. Doch noch immer ist Münster mit seinem Bundesstützpunkt (BSP) Nachwuchs und dem Bundesligisten am Ort ein unverzichtbares Kraftzentrum für den Verband. Die Nachwuchsteams des DVV erfahren regelmäßig Zustrom aus Münster und auch im aktuellen Auswahlteam fließt reichlich Blut aus der Talentschmiede. Es ist abstrus, dass der Bund im Zuge der Spitzensportreform ausgerechnet den erfolgreichen und einzigen BSP in NRW auf die Streichliste gesetzt hat. Und es ist höchste Zeit, dass der DVV den Erhalt genau dieses Zen­trums sehr konkret fordert.



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