So., 26.08.2018

Fußball: 3. Liga Preußen spielen munter, Osnabrücker treffen sicher

Pechvogel des Derbys: Tormann Oliver Schnitzler erleidet nach einem Schuss an den Kopf eine Gehirnerschütterung, spielt aber bis zur Pause weiter – und kassiert zwei Gegentore.

Pechvogel des Derbys: Tormann Oliver Schnitzler erleidet nach einem Schuss an den Kopf eine Gehirnerschütterung, spielt aber bis zur Pause weiter – und kassiert zwei Gegentore. Foto: Sebastian Sanders

Osnabrück - 

Eine Derby-Pleite ist immer schmerzhaft. 0:3 verlor Preußen Münster trotz einer über weite Strecken guten Vorstellung beim VfL Osnabrück. Richtig hart war es für Keeper Oliver Schnitzler. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und sah in zwei Szenen direkt danach nicht optimal aus.

Von Alexander Heflik

Es gibt nur eine Währung im Fußball: Tore. Die Aufgabe der Abwehr und Verteidigung ist es, Tore zu verhindern. Vorne, in der Offensive, sollen sie geschossen werden, Alles andere gehört zum Rahmen eines guten Spiels, Zweikämpfe, Laufarbeit, Einsatzwillen, Selbstbewusstsein vor großer Kulisse, Mut, dies und das. Hier werden die Fleißkärtchen gesammelt, sie sind oft nur das Trostpflaster für Verlierer. Noch schlimmer ist es, wenn es Komplimente vom gegnerischen Trainer gibt, Mitleid braucht kein Kicker. Der SC Preußen Münster sammelte viele dieser Zusatzpunkte und auch lobenden Worte fürs Derby, aber an der Bremer Brücke behielt der VfL Osnabrück nach dem 3:0 (2:0) die gesamte Beute. Das tat weh.

Siegen deluxe

„Wir gehen hier als glücklicher Sieger vom Platz“, resümierte VfL-Coach Daniel Thioune. Und lobte den SCP über den grünen Klee: „Marco macht einen guten Job, das ist eine gute Mannschaft. Wenn sie nicht einbricht, kann sie lange in der oberen Tabellenhälfte bleiben.“ In der Stunde des Sieges ging das Thioune leicht und mit dem sonoren Groove eines Rappers über die Lippen. Siegen deluxe.

Kommentar: Die Perspektiven sind gut

Das am häufigsten benutzte Wort beim SC Preußen, um die Niederlage im Derby zu beschreiben, war „bitter“. Tatsächlich war mehr drin für das Team von Coach Marco Antwerpen. Osnabrück war letztlich effektiver und in den entscheidenden Momenten voll da. Da muss der junge SCP noch etwas zulegen.Trotz der Pleite läuft es sportlich nach Plan. Den Eindruck, den der neu formierte SCP in den ersten Wochen der Saison vermittelt, ist ein guter. Es gibt keinen Grund für Schwarzmalerei nach dem 0:3. Weiter geht es.Zum Beispiel am kommenden Samstag, wenn der etwas großspurig und finanziell offenbar gut aufgestellte KFC Uerdingen in Münster gastiert.

Antwerpen: Ein Riesenspiel gemacht

Marco, Antwerpen mit Nachnamen, holte nach der Derby-Niederlage nicht die Keule raus: „Welchen Vorwurf kann ich meiner Mannschaft machen? Sie hat ein Riesenspiel gemacht.“ Das sagte er tatsächlich nach einem 0:3. Denn bevor das erste Tor des Tages fiel, dominierte der SCP die Begegnung, angeführt von René Klingenburg. SCP-Debütant Dominik Lanius wackelte nicht, die Dreierkette um Simon Scherder stand, Sandrino Braun räumte davor auf.

Chancen zur Führung? Satt vorhanden durch Tobias Rühle, Simon Scherder (7.), Klingenburg (10.), einen Pfostenkopfball von Jannik Borgmann (28.), viele, viele gute Konteransätze. „Die erste Halbzeit war super“, so Scherder. Und: „Die Niederlage ist echt bitter.“ Das hörte man im Nachklang häufiger.

Eine Frage an Dominik Lanius

Verteidiger Dominik Lanius debütierte und erhielt den Vorzug vor Lion Schweers.

Wie lautet Ihre Bilanz?

Lanius: Es war ein ordentliche Spiel von uns, wir hatten genug Chancen. Beim 0:2 bin ich mit einem Querschläger dabei. Das war bitter. Wir hätten gerne einen Punkt geholt. An diesem Spiel werden wir etwas knabbern müssen.

Mit voller Wucht an den Kopf

Und das mit dem 0:1 kam so: Als Borgmann das Laufduell gegen Marcos Alvarez verliert, schießt der Osnabrücker den Ball mit voller Wucht an den Kopf von Preußen-Torwart Oliver Schnitzler (38.). Der bleibt benommen liegen, wird behandelt, die Physiotherapeuten geben kein Zeichen für einen Wechsel, Schnitzler steht wieder, Schiedsrichter Robert Kampka lässt schnell weiterspielen. Beim anschließenden Eckball kann der Torhüter den Schuss von Alvarez noch abwehren, aber die Kugel landet direkt vor den Füßen von Maurice Trapp, der zum 1:0 einschießt (39.). Schnitzlers Reaktion ist okay, in Top-Verfassung hätte er ihn vermutlich aggressiv aus der Gefahrenzone geboxt. Vier Minuten später überwindet Alvarez ihn mit einem Freistoß in Torwarteck. Schnitzler ist desorientiert. Sein Fehler, klar.

Fotostrecke: Einzelkritik Vfl Osnabrück vs. Preußen Münster

In der Pause wird deutlich, warum. Er hat eine Gehirnerschütterung erlitten, muss sich übergeben. Es erinnert an den Loris Karius vom FC Liverpool, dem im Champions-League-Finale Ähnliches widerfahren ist nach einem Foulspiel von Sergio Ramos (Real Madrid). „Es gab keine Anzeichen, dass man ihn rausnehmen muss“, sagte Antwerpen später.

Wechsel nach einer Gehirnerschütterung

Nach dem Wechsel hat Münster Riesenchancen zum Anschluss durch Fabian Meing (57.) und Niklas Heidemann (59.), doch wieder ist es der VfL, der einen Handelfmeter durch Alvarez zum 3:0 verwertet. Dass Scherder gleichzeitig dafür noch die Ampelkarte sieht, passt ins Bild.

Der Unterschied? In einem rassigen Derby, mit viel Tempo, Kampf und Spielwitz verfügte der VfL über die zwei harte Währungshüter. Torwart Nils Körber, in der letzten Saison noch von Hertha BSC Berlin an den SCP ausgeliehen, entschärft mindestens ein halbes Dutzend Top-Chancen. Und Alvarez ist an allen drei Toren beteiligt. Es stört ihn nicht, dass das praktisch drei Standards waren. „Drei Tore auf diese Art auswärts zu kassieren, das ist einfach fürchterlich“, schüttelte Antwerpen den Kopf. Das viele wohlwollende Schulterklopfen – er hätte darauf gern verzichtet.

Zwei Änderungen

Zwei Umstellungen musste der SCP in der Startelf vornehmen im Vergleich zum 1:0-Heimerfolg über SF Lotte. In der Innenverteidigung ersetzte Dominik Lanius den verletzten Ole Kittner. Der von Viktoria Köln gekommene 21-Jährige hatte in der Woche zuvor bereits im Westfalenpokal gegen BSV Schüren (7:0) seine Rolle testen können, im Derby zeigte er eine Halbzeit lang eine unaufgeregte Partie, musste zur Pause aber einer Offensivkraft weichen. Für Tobias Warschewski kam zudem Philipp Hoffmann in die erste Elf, er war beim Pressing ein wichtiger Mann, blieb aber bei eigenen offensiven Aktionen eher blass.



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