Leichtathletik: 17. Volksbank-Münster-Marathon
Streckenrekordler am Start

Münster -

Dass der Sport verbindet, war ja schon ­vielen lange klar. Beim 17. Volksbank-Münster-Marathon am Sonntag wird dieser Fakt erneut und auf besondere Weise unterstrichen: Sandra Kemper und Heike Koch kannten sich jedenfalls vor dem vergangenen Marathon nicht, obwohl beide Läuferinnen seit 2002 ausnahmslos an jedem teilgenommen hatten. 

Freitag, 07.09.2018, 20:48 Uhr aktualisiert: 07.09.2018, 21:10 Uhr
Viel Spaß vor dem Start: Streckenrekordler Patrick Muriuku, Michael Brinkmann, Ino Mitsuko, Andreas Rickmers (Agravis), Asuka Tanaka, Sandra Kemper und Heike Koch (v. l.)
Viel Spaß vor dem Start: Streckenrekordler Patrick Muriuku, Michael Brinkmann, Ino Mitsuko, Andreas Rickmers (Agravis), Asuka Tanaka, Sandra Kemper und Heike Koch (v. l.) Foto: pd/Claudia Ix

Womit die Ausdauersportlerinnen aus Weseke (Borken) und Oelde als einzige Frauen auf der 42-köpfigen „Treueliste“ stehen – mit allen Teilnehmern, die in den zurückliegenden Jahren immer in Münster dabei waren.

Im Zielbereich auf dem Prinzipalmarkt lernten sie sich im September 2017 kennen – und werden nun erneut die 42,195 Kilometer in Angriff nehmen. Sandra Kemper lässt auch nicht davon ab, obwohl sie einen Herzschrittmacher trägt. „Das soll auch anderen ­Läufern Mut machen“, betonte sie am Freitag bei der Pressekonferenz beim Sponsor Agravis. „Hamburg, Berlin, Köln – ich bin schon überall gelaufen, aber Münster ist der Schönste“, erklärt Koch.

Lange laufen - lange leiden

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  • Strapazen, Schmerzen und die reine Glückseligkeit

    Elf Marathonläufe hat David Schönherr bereits hinter sich, den zwölften läuft der schnelle Ausdauersportler von den Laufsportfreunden Münster im Herbst in Berlin – und nicht in seiner Heimatstadt. Hier war er bereits drei Mal über die 42,195 Kilometer lange Distanz unterwegs und kennt die Strecke – auch aus zahlreichen Trainingsläufen – wie seine Westentasche. Der 29-Jährige hat seine Sicht auf die Dinge und erklärt, was abgeht auf den Leidenswegen zwischen Münsters Innenstadt, Gievenbeck, Nienberge und Roxel. 

    Foto: Oliver Werner
  • Start

    Hunderte gehen schrittweise vor – bis sie die Startlinie sehen können, sind die ersten schon mit zwei Kilometern Vorsprung weit weg. „Irgendwie zwischen Vorfreude, Kribbeln und Zweifel“ befindet sich David Schönherr. Zweifel, ob das Training, die 30-Kilometer-Läufe zuvor, ausgereicht hat. „Der Start ist die Belohnung für die Mühen“, sagt er.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Km 5: Suchen

    Cool bleiben: „Keine Panik, das wird schon.“ Die Läufer suchen und finden ihren Rhythmus. Müssen sie auch. Vielleicht ist das Anfangstempo ein wenig zu schnell? Schönherr (Foto): „Man muss in den Lauf reinfinden.“ Und in sich hineinhorchen: „Sind die Beine gut?“ Na dann, weiter geht es.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Km 10: Fühlen

    Wie fühlt sich der Lauf an? Gute Marathonis wissen das jetzt schon. „Man darf nicht überzocken, auch wenn die Zuschauer in der Altstadt  die Läufer nach vorn peitschen. In der Promenade läuft’s sich gut. „Nur jetzt kein Pulver verschießen!“

    Foto: colourbox.com
  • Km 15: Essen nicht vergessen

    Alte Marathon-Weisheit: „Wenn man jetzt was merkt, ist es schon zu spät.“ Die Läufer beobachten nun die kleinsten Körperreaktionen. „Um Himmels willen: jetzt bloß nicht Essen und Trinken vergessen.“ Die Energie-Gels schmecken zwar fürchterlich süß, helfen aber      gegen den Hungerast und sind gut für die Psyche: „Man fühlt sich fitter mit dem ganzen Zeug.“ Also rein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Km 21: Die Hälfte

    Die Hälfte ist geschafft – oder ist es erst die Hälfte? Auf jeden Fall ist die Halbmarathon-Marke kurz vor Nienberge eine psychologische. Bis jetzt sollte man getrödelt haben, Tempo kann man noch aufnehmen, jedenfalls wenn sich der Körper immer noch „fluffig“ anfühlt. Man läuft den Marathon ja auch im aeroben Bereich – anders wäre nicht unbedingt ratsam.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Km 25: Einsamkeit

    Jetzt wird’s einsam, zwischen Haus Vögeding und Twerenfeldweg geht es etwas bergauf – und es droht zugleich ein mentales Loch. „Bin ich noch in der Zeit, die ich mir vorgenommen habe? Aber man freut sich auf Roxel. Da geht die Party wieder richtig ab.“ Bis dahin ist es extrem hart – „man hat noch so viele Kilometer vor sich. Für den Kopf ist das  wirklich nicht so vorteilhaft.“

    Foto: Oliver Werner
  • Km 30: Jetzt mal ordentlich Gas geben

    Die Läufer sind schon fast aus Roxel raus, „da entscheidet sich: Wird es ein guter Marathon?“ – denn der „fängt jetzt erst richtig an“. Über die Roxeler Straße geht es leicht bergab. „Wenn man sich die Kraft gut eingeteilt hat, kommt man ins Rollen“ – und zwar noch ehe der „Mann mit dem Hammer“ hinter der nächsten Kurve lauert.

    Foto: Sven Rapreger
  • Km 35: Der Hammermann von Gievenbeck

    Und da ist er schon, der Hammermann. Beim Münster-Marathon schlägt er oft in Gievenbeck zu. Wie hart er einen trifft, liegt auch an der Vorbereitung. Der Kerl trifft einen mit der vollen Breitseite. Das tut jetzt richtig weh. 80 Prozent aller Läufer haben hier die größten Zweifel, jeder Schritt schmerzt. Immer noch sind es sieben Kilometer bis zum Ziel, aber ab Kilometer 38 wird die Rest-Distanz überschaubar: „Noch vier, das geht eigentlich immer.“

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Km 40: Hart, härter

    Jetzt wird’s körperlich richtig hart: „Phänomen letzte Meile“ nennt man den Teil der Strecke, an dem das Ziel doch schon zum Greifen nah ist. Trotz der Schmerzen: Man freut sich auf die Liebsten, die jetzt irgendwo am Streckenrand stehen und jubeln. Und wenn man vorher noch gefragt hat, warum, weiß man nun: genau darum!

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Km 41: Geschafft

    Auf dem roten Teppich kurz vor der Ziellinie neigt man zum Endspurt. „Aber auf dem Kopfsteinpflaster geht das nicht wirklich – die Muskelfasern sind eh schon zerstört.“ Egal: Das Ziel ist pures Glück, die Emotionen überwältigen die Fi­nisher. Neulinge fühlen sich als Helden – die Frage ist nur: „Wer trägt mich denn nun heim?“

    Foto: Oliver Werner

Gut möglich, dass ihr Pa­trick Muriuki aus Kenia zustimmt. Der 29-Jährige stellte 2010 den Streckenrekord (2:10:25 Stunden) in Münster auf – und tauchte am Freitag auch bei der Programmvorstellung auf. Muriuki wurde vom kenianischen Leichtathletikverband für Münster gemeldet und zählt zum Kreis der Elite­läufer. Dazu gehört auch der Japaner Asuka Tanaka, der beim Volksbank-Münster Marathon Teil eins der Olympianorm für Tokio 2020 erfüllen will.

Auf drei Eliteläuferinnen ist das Top-Feld bei den Frauen „geschrumpft“. Hier dürften die Äthiopierin Bentu Sheferaw Wodajo, (Bestzeit 2:32:00 Stunden), die ­Japanerin Ino Mitsuko (2:34:39) und die Kenianerin Jeptto Rono als Debütantin den Sieg unter sich aus­machen. Dahinter sind Jana Groß-Hardt (LAZ Rhede) und Merle Brunee (Heidelberg) als beste deutsche Läuferinnen gelistet. Bei den Männern sind dies Maciek Miereczko (Erftstadt) und Elias Sansar (Detmold).

Mittlerweile liegen 2400 An­meldungen vor, bis Samstag (16 Uhr) sind noch Nachmeldungen möglich. Die Staffeln mit 6000 Läufern ­sowie der Agravis-Gesundheits- und Charity-Lauf sind ausgebucht, wie Marathon-Cheforganisator Michael Brinkmann und Agravis-Vorstandsvorsitzender An­dreas Rickmers betonten.

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