Mo., 10.09.2018

17. Volksbank-Münster-Marathon Die pure Lust am Laufen: über 9000 Starter aus 33 Nationen

Die Eliteläufer geben kurz nach dem Start das Tempo vor: Justus Kiprotich aus Kenia knackt nach 2:09:27 Stunden den Streckenrekord.

Die Eliteläufer geben kurz nach dem Start das Tempo vor: Justus Kiprotich aus Kenia knackt nach 2:09:27 Stunden den Streckenrekord. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Über 9000 Läufer sind bei der 17. Auflage des Volksbank-Münster-Marathons auf den Beinen. 6000 davon in den beliebten Staffeln, die nach 20 Minuten ausgebucht waren. Das Event ist ein Selbstläufer.

Von André Fischer

Er wurde liebevoll die tschechische Lokomotive genannt. Seine Markenzeichen waren die hängende Zunge und ein wackelnder Kopf. Emil Zátopek hat der Leichtathletik auf der Langdistanz einen Namen gegeben. Und einmal dies gesagt: „Wenn du laufen willst, lauf’ eine Meile. Wenn du ein neues Leben kennenlernen willst, dann lauf’ Marathon.“ Eine nicht unwesentliche Botschaft, die dem Kern der Begeisterung nahe kommt. Und auch über der 17. Auflage des Volksbank-Münster-Marathon schwebte. Können über 9000 Menschen irren?

33 Nationen hatte Chef-Organisator Michael Brinkmann um sich gescharrt. Wenn Münster ruft, kommen sie aus aller Herren Länder. Selbst aus Rio de Janeiro. Ein Event mit Symbolkraft. „Ja, es ist fantastisch, all diese Emotionen jedes Jahr aufs Neue zu erleben“, sagt der „Macher“. In seinen Worten schwingt das diesjährige Motto „Pure Lust am Laufen“ mit.

Fotostrecke: 17. Volksbank-Münster-Marathon 2018

Geschichten rund um das Lauf-Event

Und es sind die kleinen herzerfrischenden, mitunter aber auch tragischen Geschichten, die eine solche Veranstaltung tragen. Sie erzählen von Lothar Altenkirch, der nach Aussage seines Arztes nur noch wenige Monate zu leben hat – und wie durch ein Wunder den Krebs besiegt. Heute ist er geheilt – und in Münster ein Vorbild an Willenskraft und Durchhaltevermögen.

Sie erzählen von Heike Obermeier, die 2015 mit einer Wirbelsäulenverletzung im Rollstuhl an der Strecke die Performance verfolgt – und am Sonntag selbst als Marathonläuferin auf die Bühne geht. Wahnsinn!

 

 

Kommentar

Der Mythos lebt

Mythos Marathon. 42,195 Kilometer. Für Untrainierte eine Parabel der Unerreichbarkeit. Für Infizierte eine magische Zahl mit bezirzender Anziehungskraft. Die ultimative Herausforderung für Körper und Geist.Auch in Münster durchlebt der Marathoni auf seiner „Sightseeingtour“ die ganz normale Achterbahnfahrt der Gefühle.

Von der anfänglichen Euphorie beim Start vor dem Schloss, über das Durchbeißen an der Wendepunktmarke in Nienberge, bis zu jenem Moment, in dem der berühmt-berüchtigte Mann mit dem Hammer einen heimsucht. Dann wird’s verdammt eng. Wer sich aller Pein widersetzt, erlebt ihn, den Höhenrauch auf dem roten Teppich des historischen Prinzipalmarkts, samt Erlösung.

Im Geleit Tausender Zuschauer. Ganz gleich, ob erschöpft, schmerzerfüllt, frierend oder mit einem (gequälten) Lächeln auf den Lippen. Das sind Bilder, die unter die Haut gehen. Danke Münster-Marathon e.V. für ein Spektakel, das seit 2002 berührt und einen jeden zum Sieger kürt. Der Mythos lebt.

von André Fischer

Zweifelsohne sind es auch die Geschichten der Sieger. Einer von ihnen: Thomas Bardtke, der beste Münsteraner. 2:41:03 Stunden benötigt er für die „Tortour“ bei diesem stadtteilübergreifenden Volksfest. Der 51-Jährige toppt seine persönliche Bestzeit um 15 Sekunden. „Es ist diese besondere Atmosphäre, die schon mal Flügel verleiht“, sagt er. Drei, vier Läufe macht er im Schnitt im Jahr. In ein paar Wochen lockt ihn die „Sucht“ nach Essen.

Fotostrecke: Die besten Bilder vom Münster-Marathon 2018

Kika-Moderator begleitet Kinder

Nicht minder erfolgreich sind „Reinhold’s Jünger“, die aufs Gaspedal drücken und bei den 1500 Staffeln die Nase vorn haben. Markus Kreickmann, Manuel Goerlich, Simon von Martial und Marvin Röthemeyer von den Laufsportfreunden Münster stecken dahinter und hätten sogar noch schneller sein können. Von Martial und Röthemeyer nehmen das Tempo etwas raus, beide wollen am kommenden Wochenende in Berlin die Mutter aller Langstrecken auf sich nehmen.

 

 

Das wäre für Kika-Moderator André Gatzke freilich zu viel des Guten. Darum läuft er mit den Kindern und wird prompt auch dort abgehangen. Der Ergotherapeut, der an der Timmermeister Schule seine Ausbildung absolvierte, hatte gleich eine Entschuldigung parat: „Ich war am Samstag krank.“

Ganz nebenbei hatte er Geburtstag. Aber die Party fiel der Bettruhe zum Opfer, um gänzlich fit zu sein für die entscheidenden Meter auf dem Prinzipalmarkt. Prioritäten müssen nun mal gesetzt werden. Emil Zátopek hat das einst so gehandhabt.

Fotostrecke: Münster-Marathon in den Stadtteilen 2018



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