Fußball: 3. Liga
3:0 gegen Wehen Wiesbaden: Die Preußen sind die Mannschaft der Stunde

Münster -

40 Minuten lang war es kein Spiel für Fußball-Ästheten. Doch mit dem Treffer von Rufat Dadashov entwickelte sich die Partie des SC Preußen gegen den SV Wehen Wiesbaden zu einem rassigen Duell. Mit dem besseren Ende für den Gastgeber, der in der 3. Liga das Team der Stunde ist.

Freitag, 28.09.2018, 21:10 Uhr aktualisiert: 29.09.2018, 10:46 Uhr
Sechster Saisontreffer: Zurzeit jubelt keiner so schön wie Rufat Dadashov im Team des SC Preußen Münster.
Sechster Saisontreffer: Zurzeit jubelt keiner so schön wie Rufat Dadashov im Team des SC Preußen Münster. Foto: Sebastian Sanders

Vor einer Woche steckte Preußen Münster in einer ersten Saisonkrise. Acht Tage später haben sich die Dinge komplett gedreht. Drei Siege am Stück, einer emotionaler als der andere – das Sorgenkind ist zur Mannschaft der Stunde geworden. Wie die sich gegen den ebenfalls formstarken SV Wehen Wiesbaden und gegen alle Widerstände stemmte und das Publikum beim 3:0 (1:0) mitriss, war schlicht und einfach beeindruckend. 

Wiesbaden verhindert Blitzstart 

Diesen Begriff wählte auch Trainer Marco Antwerpen später: „Gegen so eine starke Truppe war das toller Sport, kämpferisch klasse.“ Klar, etwas Kritik hatte der Coach auch im Gepäck: „Wir haben zu viele Chancen angeboten, hatten auch Glück.“ Verteidiger Lion Schweers sagte: „Ein krönender Abschluss der englischen Woche. Dass der Gegner mal Chancen kriegt, passiert. Wir haben hinten alle mal geklärt und kühlen Kopf bewahrt.“ Die Hausherren sahen sich mit einem Gast konfrontiert, der von der ersten Sekunde an scharfes Pressing betrieb und mit hoher Laufintensität oft doppelte. So verhinderten die Hessen den Po­wer-Beginn, den der SCP in den vergangenen beiden Partien hingelegt hatte, und schoben sich selbst immer wieder Richtung gefährliche Zone.

Einzelkritik: Preußen Münster vs. Wehen Wiesbaden

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  • Maximilian Schulze Niehues (1): Ohne Fehl und Tadel. So ein echter Westfale im Kasten kann schon dicht halten.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jannik Borgmann (3,5): Ein schwerer Abend für den jungen Innenverteidiger mit wenigen guten und einigen unglücklichen Situationen. Das darf in dem Alter passieren, muss aber trotzdem benotet werden.

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  • Ole Kittner (2): Ich habe früher selber Fußball gespielt und Gegenspieler wie Ole Kittner gehasst. Immer da, immer nah - und immer dazwischen, ganz starkes Stück des Innenverteidigers.

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  • Lion Schweers (2,5): Solide Wertarbeit, da gab es wenig dran auszusetzen. Zweimal als Helfer in der Not zur Stelle, als Schulze Niehues dann auch nicht mehr retten konnte.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig (2,5): Machte seine Meter auf der rechten Seite, auch, wenn er ab und an von den ballführenden Kollegen übersehen wurde. Seine Flanke leitete die wichtige Führung ein.

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  • Kevin Rodrigues Pires (3): Ein Spiel wurde am Freitagabend lange Zeit nicht gemacht, was im Zweifel nicht für den Spielmacher spricht, aber kämpferisch auf der Höhe.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rene Klingenburg (2,5): Dem langen Mann fehlte zuletzt und auch gegen Wehen ein wenig die Torgefahr, die ihn zu Saisonbeginn auszeichnete. Kämpferisch aber erneut einer der besten.

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  • Moritz Heinrich (3,5): Linksaußen, Linksverteidiger? Heinrich wusste selbst nicht so genau, welche Rolle er spielen sollte - und so spielte er auch.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski (2): Arbeitete viel, verpasste manchmal den perfekten Moment zum Abspiel, war dennoch an fast allen Offensivaktionen beteiligt und zu 80 Prozent auch am dritten Tor.

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  • Tobias Rühle (3,5): Fand nicht so recht ins Spiel. Eher durchschnittliche Vorstellung des Offensivwühlers.

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  • Rufat Dadashov (2): Wer trifft, hat recht - und Dadashov trifft derzeit einfach, wie er will. Von seinen letzten fünf Schussversuchen, zappelten vier im Netz. Und wieder einmal hat er seinen Treffer selbst mit eingeleitet.

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  • Scherder (3): Hatte nicht allzuviel Zeit, sich zu akklimatisieren, war dennoch gleich „on fire“.

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  • Hoffmann (2,5): Sofort ein belebendes Element im Spiel nach vorn. Seine Vorlage leitet das 2:0 ein.

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  • Akono (2,5): So machen das Vollblutstürmer. Kaum auf dem Platz, haut er den Ball ins Netz, als würde er seit 15 Jahren nichts anderes machen.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Der Weckruf von René Klingenburg

Nicht selten schufen sie so Überzahl im Zentrum. Ole Kittner, der den Laden sonst gut im Griff hatte, wäre beinahe bei einer Ecke ein Eigentor unterlaufen (14.), doch die glasklaren Szenen blieben beidseitig aus. „Wehen hat clever agiert“, so Antwerpen. Nach gut einer Viertelstunde formierte sich Wiesbaden tiefer, doch Profit daraus konnten die Gastgeber nicht schlagen. Sie taten sich im Aufbau noch sehr schwer. Unterhaltsam war das zu Recht im Vorfeld als solches deklarierte Top-Spiel noch nicht. Bis sich René Klingenburg mal ein Herz aus 20 Metern fasste und Keeper Markus Kolke zur Parade zwang (38.). Auf einmal war Pfeffer drin.

Dadashov macht das 1:0

Die folgende Ecke aber wurde fast zum Bumerang. Jules Schwadorf spielte beim Gegenstoß Stephan Andrist frei, doch Torhüter Max Schulze Niehues vereitelte die Riesenchance (40.). Noch wertvoller wurde diese Tat beim Konter-Konter: Martin Kobylanski trieb die Kugel lange, spielte raus auf Fabian Menig, dessen Klasseflanke von rechts Rufat Dadashov mit links direkt nahm und so den schwierigen Ball zum 1:0 ins lange Eck vollstreckte (42.) Ein ganzes Stadion explodierte nach einer eher trägen ersten Hälfte. Was hat der Kerl nach seinem Dreierpack in Rostock plötzlich für ein Selbstvertrauen!

Drei Fragen an René Klingenburg

Die heiß umkämpfte zweite Halbzeit war wie gemacht für René Klingenburg, der seine Top-Form seit Saisonbeginn konserviert hat.

War Ihre Spielweise diesmal besonders gefragt? Klingenburg: Definitiv. Es war wichtig nach drei Niederlagen zu antworten. Die neun Punkte sind perfekt.

Fanden Sie das Spiel nicht sehr ruppig? Klingenburg: Vielleicht. Ich spiele zurzeit etwas tiefer, da wird es körperlicher. Es war extrem umkämpft auf einem sehr tiefen Platz.

Sind 18 Punkte mehr als eine Momentaufnahme? Klingenburg: Nein. Keinesfalls. Ich erinnere daran, was nach dem 1:0 gegen Lotte los war. Da standen wir auch auf dem Zaun und haben Humba gemacht. Danach haben wir drei Mal ins Gesicht gekriegt und hatten gegen Cottbus plötzlich ein Endspiel. Rausgekommen sind wir da als Mannschaft.

...

Jannik Borgmann muss verletzt vom Platz

Aus der Kabine kam der SVWW erneut mit unheimlich Dampf. Keine 15 Sekunden waren rum, als Manuel Schäffler irre viel Platz im Sechzehner hatte, Schulze Niehues und Schweers rettete den Abschluss bravourös auf der Linie (46.). „Da waren wir nicht gerade hellwach“, räumte Menig ein. Kobylanski hielt auf der anderen Seite mit einem Distanzschuss dagegen (56.). Dann großes Pech für Preußen: Simon Scherder kam für den verwarnten Moritz Heinrich, ging in die Dreierkette, und Jannik Borgmann rückte auf den linken Flügel. Zwei Minuten später wurde der aber von Jeremias Lorch rüde gefoult und musste verletzt raus. Philipp Hoffmann durfte also als dritte Notlösung aufs Feld und führte sich mit einem tollen Schuss, den Kolke entschärfte, gut ein (62.).

Preußen Münster vs. Wehen Wiesbaden

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Antwerpen auf die Tribüne geschickt

Daniel-Kofi Kyereh probierte es für die neongelben Gäste auch aus der Ferne (64.). Die vielen Unterbrechungen schadeten den Münsteranern nicht, sie bekamen das Spiel wieder besser in den Griff. Schulze Niehues und Dadashov mussten dennoch in höchster Not gegen Schäffler und Lorch den sicheren Ausgleich verhindern (72.). Einen bangen Moment gab’s noch beim Freistoß von Moritz Kuhn (81.), dann erlöste A-Junior und Joker Cyrill Akono die Preußen nach Hoffmanns Pass cool mit dem 2:0 (84.) in einer harten und nickligen Partie. „Beide Tore haben wir super herausgespielt und cool abgeschlossen“, jubelte Antwerpen. Kobylanski legte mit einem Freistoß von der Seitenauslinie, abgefälscht von Sebastian Mrowca, sogar noch einen drauf (90.+1). Platz zwei, mindestens für eine Nacht. Für die Spitze fehlte nur ein Tor. Mal wieder ein Feiertag am Freitag an der Hammer Straße. Das Oktoberfest kann kommen. Auch für die Spieler. 


SCP: Schulze Niehues – Schweers, Kittner, Borgmann (60. Hoffmann) – Menig, Rodrigues Pires, Klingenburg, Heinrich (55. Scherder) – Kobylanski – Rühle (75. Akono), Dadashov

SVWW: Kolke – Lorch, Mockenhaupt, Dams, Mintzel (70. Kuhn) – Mrowca, Titsch-Rivero (64. Schmidt), Andrist, Schwadorf (84. Brandstetter) – Kyereh, Schäffler

Schiedsrichter : Guido Winkmann (Nütterden) 

Tore : 1:0 Dadashov (42.), 2:0 Akono (84.), 3:0 Kobylanski (90.+1) 

Zuschauer : 6102 

Gelb : Heinrich, Dadashov, Hoffmann / Schwadorf, Lorch, Kuhn

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