Sa., 13.10.2018

Volleyball: Frauen-Bundesliga Ines Bathen – oder die große Karriere ohne Gardemaß

Ines Bathen

Mit viel Herz und Leidenschaft hat Ines Bathen das Trikot des USC Münster in der Bundesliga getragen. Nach elf Jahren im Oberhaus ist Schluss, am Sonntag steigt ihr Abschiedsspiel. Foto: Peter Leßmann

Münster - 

Der Tag des Abschiedsspiels ist fast gekommen für Ines Bathen. Am Sonntag gibt die 28-Jährige ihre letzte Vorstellung im Trikot des USC Münster. Damit endet eine ganz besondere Karriere am Berg Fidel. Denn in den Schoss fiel der Außenangreiferin nichts.

Von Henner Henning

Axel Büring kann sich noch sehr genau an den Sommer 2007 erinnern, als die damals gerade 17 Jahre alte Ines Bathen beim USC Münster angekommen war. „Die war ganz schön kurz“, sagt Büring heute über die nur 1,71 Meter messende Bathen. Gardemaß für eine Volleyballerin ist das nicht gerade, schon gar nicht für eine Außen-Annahme-Spielerin. Und doch hat sich die nun 28-Jährige in der Bundesliga durchgesetzt und ist in elf Jahren im Oberhaus zu einer Konstante bei den Unabhängigen geworden.

Der „in Anführungsstrichen ‚Makel‘“ (Büring) ihrer Körpergröße war für den Coach eine „Herausforderung“, die sowohl Trainer als auch Spielerin annahmen. „Viele haben gesagt, Ines sei zu klein. Aber ich habe mich nicht damit abgefunden und habe immer daran geglaubt, dass sie zu einer festen Größe in der Bundesliga wird“, so Büring.

Abschiedsspiel in ihrem Wohnzimmer Berg Fidel

Er sollte recht behalten. Mit Fleiß, Ehrgeiz und dem besonderen Etwas avancierte Bathen zu einem Bundesliga-Dauerbrenner, die fehlenden Zentimeter kompensierte sie mit Sprungkraft, Esprit, Leidenschaft. „Ihre Energie, ihr Spielwitz und ihre Konzentration zeichnen sie aus. In den acht Jahren, in denen ich Ines trainiert habe, waren maximal zwei Tage dabei, an denen sie nicht mindestens 80 Prozent gebracht hat. Das gewisse Grundniveau bekommst du bei Ines immer“, sagt der 51 Jahre alte und äußerst routinierte Coach Büring, der zudem Bathens Qualitäten im menschlichen Miteinander schätzt. „Ines hatte immer den Blick für alle Mitspielerinnen, hat sich um alle gekümmert.“

Der so geadelten Bathen ist derart viel Lob fast schon unangenehm, nur ungern steht sie im Mittelpunkt. „Das finde ich gar nicht so toll“, sagt die langjährige Nummer 17 des USC bescheiden. Ein Abschiedsspiel, das am Sonntag um 14.30 Uhr in ihrem Wohnzimmer Berg Fidel stattfindet, wollte sie zunächst nicht. Doch mittlerweile hat sie sich nicht nur damit abgefunden, die Vorfreude wächst minütlich. „Ich weiß nicht, was passiert. Aber es wird sicher emotional, vielleicht wird auch die eine oder andere Träne fließen.“

Ein neuer Lebensabschnitt

Im zarten Alter von 17 war sie aus ihrer sauerländischen Heimat nach Münster gekommen. Von ihrem Heimatverein TuS Nuttlar ging es früh zum RC Sorpesee, wo sie als Youngster in der Regionalliga für Furore sorgte – und so ins USC-Blickfeld rückte. Als eines der ersten Talente bezog sie das damals noch in der DJK-Sportschule beheimatete Internat. „Das war eine totale Umstellung, ein komplett neues Umfeld.“ In diesem aber fand sich die Sauerländerin schnell zurecht – und kam ebenso schnell im Bundesliga-Team an. „Eigentlich sah ich meine Zukunft im Beachvolleyball. Aber dann kam ja alles anders“, sagt Bathen.

Die Chance, sich im USC-Kader zu behaupten, nutzte sie trotz aller Widerstände – auch dank Büring. „Ohne Axel wäre ich nie dort angekommen. Er hat mir das Vertrauen geschenkt und immer an mich geglaubt.“ Den in sie gesetzten Glauben zahlte die 30-fache Jugend-Nationalspielerin und U-20-Weltmeisterin von 2009 („Das absolute Highlight meiner Karriere, ein geiles Gefühl“) stets mit Leistung zurück. Die Entscheidung, nicht auf die Libero-Position zu rücken, war im Rückblick sicher nicht verkehrt. Auch wenn es diese Überlegungen gab. „Aber das wären Perlen vor die Säue gewesen. Dafür war Ines im Angriff zu gut“, sagt Büring über die angehende Lehrerin, die im November ihr Referendariat an einem Gymnasium in Hamm beginnt.

Ein neuer Lebensabschnitt, der zu ihrem Entschluss führte, die Erstliga-Laufbahn zu beenden. „Schule und Bundesliga, da hätte ich beides nicht zu 100 Prozent machen können. Dafür bin ich aber nicht der Typ. Ich bin froh, dass ich nach einer super schönen Saison mit einem guten Gefühl aufhören kann, wenn es am schönsten ist“, sagt die frühere Kapitänin, die noch für die Zweite der Unabhängigen in der 3. Liga aufläuft. „Denn der USC ist mein Verein. Ich habe mich hier immer wohlgefühlt, und es gab nie einen Grund, wegzugehen“, sagt Bathen



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