Leichtathletik: Rückzug des SC Preußen
Spitzensportler in Münster im Dilemma

Münster -

Was passiert mit den Spitzen-Leichtathleten des SC Preußen, nachdem der Verein seine Abteilung um genau diese Kräfte reduzieren will? Fragen über Fragen, auf die auch Lena Malkus, Deutsche Weitsprungmeisterin 2015, (noch) keine Antwort hat.

Donnerstag, 18.10.2018, 21:55 Uhr aktualisiert: 19.10.2018, 15:40 Uhr
Wut – gegen wen? SCP-Weitspringerin Lena Malkus sorgt sich um die münsterische Leichtathletik.
Wut – gegen wen? SCP-Weitspringerin Lena Malkus sorgt sich um die münsterische Leichtathletik. Foto: Imago

Da ist eine Menge Unverständnis im Spiel bei den Athleten, auch Wut: „Aber gegen wen soll die sich richten?“ fragte beispiels­weise Lena Malkus. Die Deutsche Meisterin im Weitsprung (2015) kommentiert die Entwicklung der münsterischen Leichtathletik-Szene mit – gelinde gesagt – Kopfschütteln. Da zieht mittlerweile der Landesverband die Fäden, was den münsterischen Leichtathletik-Stützpunkt angeht. Da sind die Spitzenkräfte des SC Preußen Münster – zehn bis zwölf Leichtathleten des SCP sind im Normbereich für internationale Einsätze und haben die U-20- und U-23- Europameisterschaften in Schweden 2019 im Blick – demnächst möglicherweise vereinslos, weil der SCP seine Leichtathletik-Abteilung um genau diese Spitzensportler reduziert und sich verstärkt auf die Nachwuchs- und Breitensportler konzentriert. Malkus selbst hat nach langer Verletzungspause nun wieder Olympia 2020 in Tokio auf dem Schirm. Die 25-Jährige spricht von einem „Riesen-Mist“, zumal die verquere ­Situation „von außen wohl kaum nachvollziehbar ist. Wir haben in Münster mit Sportinternat, Landesstützpunkt, der Nähe und der Unterstützung der Uni und den Top-Sportflächen nahezu optimale Bedingungen.“ Da mutet es fast ein wenig irrational an, wenn SCP-Trainer Frank Bartschat sagt: „Schön, dass eine Lösung gefunden wurde und dass die Querelen nun ein Ende haben.“ Die schaukelten sich im Lauf der Jahre hoch, seitdem die Leichtathleten der LG Brillux und des SC Preußen Münster aus der ehemaligen LG Ratio ausscherten. 2012 war das, sechs Jahre arbeiteten beide Vereine erst nebeneinander her, und dann zunehmend gegeneinander.

Nach dem nun verkündeten Rückzug des SCP aus dem leichtathletischen Spitzensport stehen zumindest dessen bisherige Leichtathletik-Aushängeschilder am Scheideweg – und wohin der führt, steht nun in den Sternen. „Wenn die Athleten zu uns kommen wollen, werden wir sie aufnehmen und genau so fördern und unterstützen“, sagte Brillux-Sport-Koordinator Jörg Riethues nun erneut.

Eine Offerte, die die Preußen-Leichtathleten (und die verantwort­lichen Trainer sowie die Abteilungsleitung unter Thomas Brack) bislang immer abgelehnt hatten und als Versuch der „feindlichen Übernahme“ deklarierten. Was wiederum die Brillux-Verantwortlichen in steter Regelmäßigkeit von sich wiesen. So oder so: Beide waren über die Jahre in gegenseitiger Abneigung eng verbunden.

Nun zieht sich der SCP, mit unter anderem 34 DM-Normen sowie mit EM- und (Jugend-)Olympia-Teilnahmen in dieser Saison stützpunkttragender Verein, aus der Spitzensportförderung zurück und das Dilemma trifft (natürlich) die Top-Athleten.

Dreispringer Christoph Garritsen (u. a. Deutscher U-20-Meister, Sechster der U-20-EM) beispielsweise würde aktuell bei der LG Brillux keine Trainingsgruppe finden (der regional gesehen nächste adäquate Trainingsstützpunkt wäre bei Ex-Weltmeister Charles Friedek in Köln), ähnliches gilt für ­Disziplin-Kollegin Imke Daalmann oder Hammerwerferin Alisha Dermane Tiko. Ob Speerwerfer David Schepp ohne seinen Heimtrainer Thomas Brack und Trainingsgruppe erfolgreich weiterarbeiten kann? Diese Frage stellt sich auch für die Läufer/Sprinter Jonas und Frieda Breitkopf, Manuel Sanders und Florian Hornig sowie die Weitspringer Mat­ this Leon Wilhelm, Tabea Christ und andere: Es dürfte Sensibilität erfordern, diese Kräfte ohne Reibungskraftverlust in Münster zu halten. Vom qualifizierten Angebot an Übungsleitern einmal ­abgesehen. Eine Lösung: „Wo Trainer fehlen, müssten wir welche einstellen“, versprach Riethues, und: „Wir würden die Athleten auch ­finanzieren“. Malkus hält dem entgegen: „Es ist schwer, in der momentanen Vor­bereitungsphase zu improvisieren.“ Die (zusammen mit Garritsen) Athletensprecherin des SCP sagt: „Ich glaube nicht, dass besagte Athleten einen Vereinswechsel eingehen.“

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