Fußball: 3. Liga
Preußen-Sportchef Malte Metzelder: „Wir haben keinerlei Klarheit“

Münster -

Malte Metzelder würde zu gerne in Ruhe seine Arbeit tun, denn es gibt immer viel zu tun für den Sportchef des SC Preußen Münster. Doch Ruhe findet der 36-Jährige dieser Tage nur selten. Nun äußert er sich zu den wichtigsten Themen rund um den Club.

Donnerstag, 15.11.2018, 19:02 Uhr
Immer die Augen auf, aber nicht zu viel verraten: Malte Metzelder erledigt seinen Job unauffällig, aber sorgfältig.
Immer die Augen auf, aber nicht zu viel verraten: Malte Metzelder erledigt seinen Job unauffällig, aber sorgfältig. Foto: Jürgen Peperhowe

 Stadion, Kader­planung, Zukunftsvisionen, dazwischen noch der Dritt­liga-Alltag – auch der Herbst 2018 ist für Malte Metzelder keine Zeit der Ruhe. Wohin geht es mit dem Verein? Warum hängt alles mit allem zusammen? Was macht die Aufgabe für den Sportchef und Geschäftsführer von Preußen Münster so schwierig. Zu den brennendsten Themen äußerte sich der 36-Jährige im Gespräch mit unseren Redakteuren Alexander Heflik und Thomas Rellmann. Die Quintessenz: Aktuell sind ihm in vielen Dingen die Hände gebunden. Doch Ideen und Bedarfsfelder gibt es zuhauf.

► Die Tabelle: „Auf den Aufstiegsplatz schaue ich nicht. Wenn wir da zu Weihnachten stehen, wäre das ein schönes Geschenk. Stand jetzt geht es nicht um die Änderung der Zielsetzung.“

► Die Neuzugänge: „Los­gelöst vom derzeitigen zweiten Platz können wir festhalten, dass es viele Spieler früh geschafft haben, sich an die Liga zu gewöhnen. Das war so nicht zwingend zu erwarten. Einige brauchen noch, bei anderen wird die Kurve auch mal nach unten gehen.“

► Seine erste echte Transferbilanz: „Es ist schon richtig, dass wir im Vorjahr der Zeit etwas hinterhergelaufen sind. Da mussten wir schnell reagieren, haben versucht, den Kern beisammen zu halten. Damals waren viele ähnliche Spieler im Kader. Ich setze lieber auf unterschiedliche Typen und Charaktere. Wir haben letztlich alle Entscheidungen im Team getroffen. Natürlich gab es auch Kandidaten, die nicht realisierbar waren. Der Blick ging Richtung Nachhaltigkeit, Langfristigkeit, dazu muss das Gehaltsgefüge passen.“

► Die Mentalität im Team: „Grundsätzlich ist die gut. Aber: Wenn der Fokus wie zuletzt in Großaspach oder in Aalen nicht voll da ist, bekommen wir gegen jeden Gegner Probleme. Da müssten wir genauso konsequent und ehrgeizig sein und ­können uns in keinem Spiel erlauben, in den Beobachtungsmodus zu schalten.“

► Wintertransfers: „Grundsätzlich sind die immer eher schwierig. Stand jetzt gibt es für uns keine finanziellen Möglichkeiten. Natürlich haben wir aber Spieler im Kopf, müssen vorbereitet sein.“

► Die Konkurrenz: „Erst mal sind wir zufrieden mit unserer sportlichen Entwicklung. Aber hinter uns kommt noch richtig Qualität. Wiesbaden, Karlsruhe sowieso, aber auch die Würzburger, die sich bisher etwas unter Wert geschlagen haben, schätze ich stark ein. Die Liga ist sehr aus­geglichen.“

► Trainer Marco Antwerpen und das Interesse anderer Clubs: „Erst einmal hat er noch einen laufenden Vertrag bis Saisonende. Theoretisch müssten Vereine auf uns zukommen. Ist aber noch nicht passiert. Ich weiß auch, wie ehrgeizig Marco ist.“

► 13 auslaufende Spielerverträge: „Wir haben weiter noch keinerlei Klarheit, was machbar ist. Es wäre kaufmännisch höchst unseriös, jetzt zu agieren. Ab Januar ist aber noch genügend Zeit. Natürlich besteht die Gefahr, dass uns andere zuvorkommen, darüber bin ich nicht glücklich. Sonst waren wir aber später dran mit den Planungen. Und derzeit wiegeln die meisten Berater ja noch ab. Wenn höherklassige Clubs locken, sind wir sowieso machtlos.“

► Leitwolf René Klingenburg: „Er ist sehr gerade und authentisch, so spielt er ja auch. Wir haben ihm eine Chance gegeben, er zahlt uns das Vertrauen bislang sehr gut zurück. Alles andere müssen wir abwarten.“

►  Die leidige Stadion-Debatte: „Klar ist, dass die Frage einen hohen Einfluss auf alle sportlichen Belange hat und dass die privaten Gönner, die in Steine und auch Beine investieren wollen, das nicht an der Hammer Straße machen. Sie würden dann irgendwann nicht mehr zur Verfügung stehen.“

► Fehlender Mut zum Risiko: „Wir riskieren doch seit eineinhalb Jahren sehr viel. Das ganze Konstrukt ist auf Kante genäht. Gerade in Bezug auf die Kaderplanung kann uns keiner vorwerfen, wir wären nicht mutig. Das ist eben der Weg, der uns begleitet. Es ist ein Nachteil, dass wir nicht wie andere Vereine auf gute oder negative sportliche Entwicklungen sofort reagieren können. Auch wenn das für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar ist.“

► Die Nachlizenzierung: „Für uns lief es bisher sehr zufriedenstellend, ich habe ein gutes Gefühl. Auch wenn wir weiter dabei sind, die Lücke durch das Ende des Tuja-Engagements zu schließen. Zum Jahresende erwarten wir Rückmeldung vom DFB. In Sachen Sponsoring müssen wir natürlich weiter an uns arbeiten.“

► Mittelfristige Ziele: „Wir wollen das Nachwuchs­leistungszentrum. Die personellen Anforderungen lassen sich schnell erfüllen. Aber es fängt damit an, dass wir ­keine drei Trainingsplätze für die Jugend haben. Teilweise belegen vier Mannschaften gleichzeitig den Kunstrasen. Wie soll man da gruppenspezifisch oder spielnah arbeiten? Da müssen wir zügig voran­kommen. Ein neues Stadion wäre ein großer Schritt für uns und würde einen ­wichtigen Impuls bedeuten. Aber genauso bedeutend ist die Verbesserung der katastrophalen Trainingsbedingungen vor Ort. Das Spielfeld ist in schlechtem Zustand, der Kunstrasen fällt auseinander. Da fühle ich mich auch allein gelassen von der Stadt. Wir müssen einen Rahmen schaffen, der überall anders schon Standard ist.“

► Die Hammer Straße: „Ich dränge nicht darauf, alles an einem Standort zu haben. Der jetzige ist für die Gesamtlösung sehr limitiert. Es ist ja auch kein familienfreundliches Stadion, andere Vereine haben es leichter, die jüngere Generation anzulocken.“

► Das Standing beim Verband: „Traditionsvereine ­stehen nicht unter Artenschutz. Wir finden in Frankfurt schon Gehör und bei unseren Stadiondefiziten erweist sich der DFB sehr kulant.“

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