Sa., 08.12.2018

Fußball: Kreisliga Hiltruper Drittvertretung braucht langen Atem und ein dickes Fell

Der Spaß ist den Kickern der TuS-Dritten noch lange nicht vergangen: Obwohl es im bisherigen Saisonverlauf an den Sonntagen wenig Grund zur Freude gab, ist die Stimmung beim Training gut, wie Trainer Ralf Angerstein (6. v. r.) zwei Mal wöchentlich spürt.

Der Spaß ist den Kickern der TuS-Dritten noch lange nicht vergangen: Obwohl es im bisherigen Saisonverlauf an den Sonntagen wenig Grund zur Freude gab, ist die Stimmung beim Training gut, wie Trainer Ralf Angerstein (6. v. r.) zwei Mal wöchentlich spürt. Foto: Peter Leßmann

Münster - 

Der TuS Hiltrup III ist in der vergangenen Saison souverän Meister geworden, jetzt wird er voraussichtlich mit großem Rückstand absteigen. Die komplizierte Geschichte einer Mannschaft mit zwei Besetzungen zeigt, dass Fußball nicht immer einfach ist.

Von Ansgar Griebel

Dienstags und freitags wird trainiert – am Sonntag dann verloren: Der Fußballalltag der dritten Mannschaft des TuS Hiltrup klingt nach viel Arbeit und wenig Freude. 15 Spieltage sind in der Kreisliga B gespielt, statistisch schoss die Truppe vom Osttor in jedem fünften Spiel ein Tor, de facto trafen die Schützlinge des Trainergespanns Nico Appelhoff und Ralf Angerstein bislang aber nur am zweiten Spieltag, als das 3:3 gegen den Werner SC den Fußball-Lehrlingen noch eine bessere Zukunft versprach, als dem Team anschließend beschert war.

Kein weiterer Punkt, kein weiterer Treffer – und dennoch ein Trainer, der felsenfest zu seiner Mannschaft steht und gleichzeitig den Prinzipien seines Vereins die Treue hält. „Alles richtig gemacht“, sagt Appelhoff, der nicht nur Trainer des Himmelfahrtskommandos ist, sondern gleichzeitig Sportlicher Leiter der Hiltruper Fußball-Abteilung – Untergruppe Breitensport. „Keine Mannschaft ist wichtiger als der Verein“, sagt der 30-Jährige mit Überzeugung. Und deswegen spielt die Drittvertretung des TuS derzeit genau da, wo sie nach dem überzeugenden Titelgewinn in der Kreisliga C hingehört – auch wenn in der Mannschaft fast ausschließlich Spieler stehen, „die in dieser Liga nichts verloren haben.“

Ein Widerspruch? Ja und nein, sagt Appelhoff. Rückblick: Die „TuS-Dritte“, eine eingeschworene Truppe von spielstarken Hiltruper Routiniers, hatte in der vergangenen Spielzeit einmal mehr die Kreisliga C gerockt, war einmal mehr souverän Meister geworden und rüstete einmal mehr zur großen Meister-, aber wieder einmal nicht zur großen Aufstiegsfeier. Denn die Dritte fühlte sich wohl in „ihrer“ Liga, wo Fußball eben viel Freude und vergleichsweise wenig Arbeit bedeutete. Der Tu S-Vorstand sah das etwas anders und forderte die Mannschaft auf, die dem Titelgewinn notwendig folgenden Verpflichtungen diesmal auch einzugehen. „Weil eine Mannschaft, die Erster wird, eben auch aufsteigen muss“, wie Appelhoff betont. Der Rest ist bekannt: Der TuS nahm den Platz in der höheren Liga wahr, die Aufstiegsmannschaft verabschiedete sich geschlossen nach Amelsbüren, wo sie jetzt als Viertvertretung der Grünweißen wieder in der Kreisliga C auf Torjagd geht – und dort als Tabellenführer schon wieder top ist. Eine Klasse höher wird derweil Aufsteiger TuS III in neuer Besetzung regelmäßig verprügelt. „Das ist so“, versucht Appelhoff gar nicht erst, den nackten Zahlen schöne Kleider zu verpassen. „Das war auch nicht anders zu erwarten. Wir mussten in aller Schnelle eine Mannschaft zusammenzimmern. Wir haben unsere Netzwerke genutzt und im Freundeskreis gefragt. Wir wollten diese Mannschaft an den Start bringen, auch um unseren A-Jugendlichen in der kommenden Spielzeit eine Zukunft im Verein ermöglichen zu können.“ Dass diese Zukunft sich dann wieder in der C-Liga abspielen wird, sei klar, sagt Appelhoff. „Von unseren Jungs haben vielleicht drei vorher schon im Verein Fußball gespielt, einige kommen vom Hochschulsport, andere haben nur in der Freizeit gekickt. Inzwischen haben wir einen Syrer und einen Afghanen in der Mannschaft, die bei uns eine sehr schöne Inte­gration erleben.“

Das Mannschaftsgefühl sei da, es gebe Mannschaftsabende, am Wochenende helfen Spieler aus der Zweiten aus, die Kempen der Altherrenabteilung springen ein und auch die Junioren. Da wächst im Herzen des TuS etwas zusammen – nur: Gewinnen kann man mit dieser Truppe in dieser Liga derzeit nichts. „Es sei denn, es sind wirklich mal alle zusammen. Dann wäre auch der eine oder andere Punkt mehr drin gewesen“, sagt Appelhoff, der der Not folgend längst zum Spielertrainer geworden ist. Sein Ziel: die Mannschaft zwar als Absteiger, aber als funktionierende Einheit in die nächste Saison zu retten. Auch das ist kein Selbstläufer. Sonntags wird es immer enger, zuletzt musste erstmals eine Partie abgesagt werden mangels Personal. „Wenn das noch zwei oder drei Mal passiert, ist Feierabend“, weiß Appelhoff. Aber die Dritte kämpft weiter – auch um Punkte, vor allem aber ums Überleben. Ersthelfer sind am Osttor gerne gesehen.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6241953?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F