Basketball: 2. Liga Pro B
Baskets-Manager Helge Stuckenholz: „Sind derzeit weit über dem Soll“

Münster -

Die WWU Baskets Münster schreiben positive Schlagzeilen: Als Aufsteiger Tabellenführer, dazu 1700 Zuschauer im Schnitt. Im Interview spricht Manager Helge Stuckenholz über die laufende Saison, die weitere Entwicklung und ob die Baskets für den Fall des Aufstiegs schon bereit für die Pro A wären.

Samstag, 26.01.2019, 10:00 Uhr
Klatscht nicht nur in die Hände, sondern bewegt auch eine Menge: Baskets-Manager Helge Stuckenholz
Klatscht nicht nur in die Hände, sondern bewegt auch eine Menge: Baskets-Manager Helge Stuckenholz Foto: fotoideen.com

Auf der Hammer Straße ist am Mittwochnachmittag erstaunlich wenig los. Die arktischen Temperaturen haben den Verkehr weitgehend eingefroren, vereinzelte Radfahrer suchen dick vermummt nach einer sicheren Spur. Helge Stuckenholz beobachtet das Ganze tiefenentspannt aus einem Café an der St.-Josefs-Kirche. Der Manager der WWU Baskets lehnt im Sessel, vor ihm dampft ein Milchkaffee – alles easy. Dieser Mann soll Stress haben? Eine Momentaufnahme – tatsächlich läuft aktuell alles rund beim 45-Jährigen, aber sorgenfrei? „Nie“, sagt Stuckenholz, der Mann, der Münsters Basketball aus seiner gemütlichen Nische mitten hinein in die gute Stube des münsterischen Sports geführt hat. „Was da alles bei mir noch schiefläuft und verbessert werden kann, das kann ich gar nicht erzählen.“ Ins Erzählen kommt er im Gespräch mit Ansgar Griebel und Henner Henning dann aber doch – und ist manchmal kaum zu bremsen ...

In Münster grassiert das Basketball-Fieber. Ist das ein akuter Virus oder eher ein chronischer Befall?

Helge Stuckenholz: Ich habe Standorte gesehen wie Quakenbrück, Bonn, Bamberg oder sogar München, die hochgegangen sind und die nächsten Zuschauerzahlen gerissen, die Sprünge von 1500 bis auf 6000 Zuschauer gemacht haben. Wenn eine Stadt erst einmal Basketball verstanden hat, wächst da eine bleibende Fankultur. Das größte Problem des Basketballs ist, dass die Leute davon zu wenig mitbekommen. Basketball findet nicht im Fernsehen statt – und wenn, findet es vor allem im Fernsehen nicht so statt, wie man ihn in der Halle erlebt. Die Leute müssen in der Halle gewesen sein und die Energie des Basketballs gespürt haben. Wenn sie das verstanden haben, ist der große Vorteil des Basketballs, dass der Unterhaltungswert pro Zeiteinheit der beste ist, den es gibt. Es passiert immer etwas. Das ist in Münster angekommen, die Leute haben die Energie gespürt. Daher glaube ich, dass es keine Momentaufnahme ist.

Das sind Münsters Sportler des Jahres 2018

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  • 1. Platz - Mannschaften

    WWU Baskets Münster (19,15%).

    Foto: Christina Pohler
  • 2. Platz - Mannschaften

    SC Preußen Münster (14,46%).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 3. Platz - Mannschaften

    Volleyballerinnen des USC Münster (14,43%).

    Foto: USC Münster
  • 4. Platz - Mannschaften

    Beachvolleyballerinnen Cinja Tillmann und Teresa Mersmann (13,02%).

    Foto: dpa
  • 5. Platz - Mannschaften

    Münster Ruder Achter (11,56%).

    Foto: Wilfried Hiegemann
  • 6. Platz - Mannschaften

    David Schönherr, Sven Serke und Yannick Rinne von den Laufsportfreunden Münster (7,94%).

    Foto: LSF
  • 7. Platz - Mannschaften

    Tanzpaar David Jenner und Elizabeth Tuigunov (7,65%).

    Foto: Thomas Scherner
  • 8. Platz - Mannschaften

    1. FC Gievenbeck Tischtennis (6,64%).

    Foto: Peter Luthardt
  • 9. Platz - Mannschaften

    1. FC Gievenbeck Fußball (5,16%).

    Foto: Peter Leßmann
  • 1. Platz - Junioren

    Volleyballspielerin Luisa Keller, vom USC Münster (25,25%).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 2. Platz - Junioren

    Fußballspielerin Maria Luisa Grohs, vom 1. FC Gievenbeck (16,36%).

    Foto: Thomas Austermann
  • 3. Platz - Junioren

    Leichtathlet David Schepp (14,99%).

    Foto: Thiele
  • 4. Platz - Junioren

    Vielseitigkeitsreiterin Emily Roberg (10,22%).

    Foto: Biniossek
  • 5. Platz - Junioren

    Boxer Thahel Rentmeister, vom Boxzentrum Münster (9,90%).

    Foto: Alexander Heflik
  • 6. Platz - Junioren

    Trampolinspringer Adrian Thomson (9,05%).

    Foto: TG
  • 7. Platz - Junioren

    Seglerin Romy Mackenbrock (7,17%).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 8. Platz - Junioren

    Segler Christoph Möhring (7,05%).

    Foto: Jörg Möhring
  • 1. Platz - Sportlerin

    Dressur- und Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke (20,06%).

    Foto: dpa
  • 2. Platz - Sportlerin

    Volleyballspielerin Ivana Vanjak vom USC Münster (16,76%).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 3. Platz - Sportlerin

    Ruderin Ida Kruse (12,86%).

    Foto: RVM
  • 4. Platz - Sportlerin

    Dressurreiterin Helen Langehanenberg (12,27%).

    Foto: dpa
  • 5. Platz - Sportlerin

    Dilara Gökalan, Boxerin beim Boxzentrum Münster (11,91%).

    Foto: Boxzentrum
  • 6. Platz - Sportlerin

    Tennisspielerin Manon Kruse (11,19%).

    Foto: Lana Roßdeutscher
  • 7. Platz - Sportlerin

    Voltigiererin Sarah Kay (7,71%).

    Foto: Daniel Kaiser
  • 8. Platz - Sportlerin

    Bogenschützin Martina Boscher (7,24%).

    Foto: Ralf Aumüller
  • 1. Platz - Sportler

    Preußen-Keeper Max Schulze Niehues  (21,13%).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 2. Platz - Sportler

    Ruderer Felix Brummel vom Ruderverein Münster 1882 e.V. (19,63%).

    Foto: Gunnar A. Pier
  • 3. Platz - Sportler

    Triathlet Patrick Dirksmeier (17,44%).

    Foto: imago
  • 4. Platz - Sportler

    Leichtathlet Luka Herden (10,87%).

    Foto: Wolfgang Birkenstock
  • 5. Platz - Sportler

    Radrennfahrer Patrick Altefrohne (10,62%).

    Foto: Penno
  • 6. Platz - Sportler

    Boxer Salah Ibrahim (8,29%).

    Foto: Valeria Witters
  • 7. Platz - Sportler

    Alexander Fuchs, Quarterback der Münster Blackhawks (7,68%).

    Foto: Peter Lessmann
  • 8. Platz - Sportler

    Gleitschirmflieger Andreas Malecki (4,35%).

    Foto: DHV

Im Schnitt kamen bislang 1760 Zuschauer zu den neun Partien der WWU Baskets. Die Resonanz ist überwältigend, haben Sie damit gerechnet?

Stuckenholz: Damit konnte man nicht rechnen. Aber der erste Tabellenplatz oder die 2750 Zuschauer, die vor drei Wochen da waren, freuen mich nicht so sehr wie die 1300 oder 1400 Leute, die noch gekommen sind, nachdem wir vier Spiele in Folge verloren hatten. Wir waren Tabellenletzter, und die sind trotzdem gekommen. Das hat mich überrascht, zeigt aber, dass die Leute immer mehr den Sport und unsere Leistung zu schätzen wissen.

Hatten Sie vor dem Umzug aus der alten Heimat am Horstmarer Landweg hin zum Berg Fidel Zweifel, dass es klappen würde?

Stuckenholz: Zweifel hatte ich, keine Frage. Aber nach dem Pokalfinale und dem Aufstieg aus der Regionalliga war die Energie am höchsten. Nach einer guten Saison in der Pro B mit einem Mittelfeldplatz wäre der Schritt schwerer gewesen. Es ist Wahnsinn, dass uns das so gelungen ist. Wir haben ein gutes Blatt, das wir nun ordentlich spielen müssen.

Die Leute haben, wie Sie sagen, die Energie gespürt. Auch weil die Mannschaft dem Publikum die Chance gibt, sich mit ihr zu identifizieren. Wie wichtig ist dieser Faktor?

Stuckenholz: Identifikation kommt über Wiedererkennung und ein angemessenes Verhalten in der Außenwirkung. Dadurch, dass die Jungs so lange zusammen und auch befreundet sind, haben wir eine herausragende Teamkultur. Das ist das Wichtigste, wenn man erfolgreich Mannschaftssport betreiben will. Dazu haben wir mit unserem Trainer Philipp Kappenstein einen emotionalen „Vorturner“, der die Werte, für die unsere Mannschaft steht, einfach perfekt vorlebt. Er ist ein sogenannter Players Coach. Unser Kapitän Jan König sagt nicht umsonst, dass Philipp Trainer und Freund in einem ist. Das sagt alles aus über uns. Wir sind total menschlich, sind nah beieinander und legen auch bei den Spielern sehr hohen Wert darauf. Wir haben in den letzten zehn Jahren keinen Spieler aus disziplinarischen Gründen, oder weil er nicht ins Team passte, wegschicken müssen. Das ist woanders in den Ligen gang und gäbe. Die Teamchemie und der Respekt voreinander stehen über allem. Das werden wir, bei allem was kommen mag, aufrechterhalten.

WWU Baskets Münster im Vereins-Porträt

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  • Die Spielstätte: Der Umzug von der schon zu Regionalliga-Zeiten oft ausgelasteten Uni-Halle zum Berg Fidel hat sich rentiert. Auch organisatorisch hat der Übergang geklappt. Seine Heimat hat der Verein aber weiter am Horstmarer Landweg oder am Pascal-Gymnasium.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Zuschauer: Gefühlt haben die Baskets ihr Publikum komplett mit rübergenommen und dazu noch schnell viele neue Freunde aus dem gesamten Stadtgebiet gewonnen. Die Kulisse ist vielfältig, vor allem aber jung. Hier zahlt sich der Draht zur Uni aus, die ja sogar im Namen steckt. Das Rahmenprogramm unterhält auch basketballfremde Besucher. Bester Beleg: Kein anderer Pro-B-Ligist im Norden und Süden hat einen besseren Zuschauerschnitt (1760).

    Foto: fotoideen.com
  • Termin: Den Samstagabend haben die Baskets auch nach dem Hallenwechsel beibehalten. Erst Basketball schauen, danach noch ausgehen - dieses Konzept läuft weiter gut. Der Besucherrekord (über 2700 gegen Iserlohn) wurde aber an einem Sonntag geknackt. Das folgende Heimspiel am Samstagabend (gegen Bochum) wollten aber erneut 2650 Besucher sehen.

    Foto: colourbox.de
  • Modus: Die 2. Liga Pro B scheint extrem ausgeglichen. Das fördert die Spannung, jedes Heimspiel war eng. Die Mannschaften liegen tabellarisch nah beieinander. Als Krone kommen am Ende die Playoffs (oder Playdowns), in denen nach jetziger Einschätzung alles möglich ist.

    Foto: fotoideen.com
  • Finanzen: Neue Liga, neue Herausforderungen - die Baskets sehen sich im Etatvergleich im unteren Vierte ihrer Klasse, wirtschaften westfälisch zurückhaltend und erarbeiten sich dank der guten Akzeptanz des Vereins am Berg Fidel langsam größeren Bewegungsspielraum. Der allerdings in der Folgesaison aufgrund höherer Auflagen - unter anderem durch die verbindliche Ausstattung mit hauptamtlichen Stellen - auch nötig ist. Unter dem Strich: Die Baskets sind sorgenfrei, große Sprünge gibt es aber nur auf dem Feld.

    Foto: colourbox.de
  • Die Sponsoren: Manager Helge Stuckenholz hat jahrelang Klinken geputzt, Synergien geschaffen, Werbepartner ins Boot geholt, die auf vielen Ebenen tätig weden, und damit viele Nischen gefunden. Zahlreiche kleine Gönner, junge Firmen, Internetunternehmen, aber auch alteingesessene Münsteraner - der Stamm ist breit aufgestellt. Nicht zu vergessen die Stadtwerke als großes Zugpferd und natürlich die Uni.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Präsenz: Auch hier ist Twitter der kleinste Markt, doch mit knapp 8500 Followern insgesamt müssen sich die Baskets, die schnell aufholen, nicht verstecken. Aktivität und Zuverlässigkeit sind noch steigerungsfähig. Dafür gibt der Club an anderer Stelle Gas, geht an Hochschulen, setzt gezielt auf Kooperationen mit anderen Marken und Sportvereinen.

    Foto: Quelle: Instagram

Blicken wir doch einmal in die Zukunft. Die Baskets sind aktuell Spitzenreiter und liegen damit auf Playoff-Kurs. Wie sehr beschäftigen Sie sich mit dem Thema Aufstieg in die Pro A?

Stuckenholz: Gar nicht. Wir sehen es so: Wenn wir die Playoffs schaffen, haben wir das erste Saisonziel erfüllt. Mit der Akzeptanz in der Stadt und der Zuschauerzahl sind wir derzeit weit über dem Soll, es ist momentan alles gut. Alle Ziele sind erfüllt, das lässt die Frage offen, was unser nächstes Ziel sein muss. Und da sagen wir uns sicherlich vor dem ersten Playoff-Spiel, wenn wir die Playoffs dann erreichen, dass wir auch das letzte Spiel gewinnen wollen. Aber den Aufstieg in die Pro A streben wir nicht an, das käme zu früh. Wir müssten infrastrukturelle Anforderungen für die neue Liga erfüllen, etwa LED-Banden, einen Holzboden, fahrbare Körbe und Festangestellte im Backoffice-Bereich, hauptamtliche Trainer im Mini-Bereich. Das wichtigste Thema jedoch ist, dass wir mit der Mannschaft weiter wachsen, um dann mit einer intakten Truppe auf dem nächsten Niveau spielen zu können – ohne dass es ein Gamble ist. Das machen wir dann, wenn wir genug Partner haben, die uns bei so einer Entwicklung helfen, dies auf einer soliden Basis aufzubauen, damit es auch eine Zukunft hat.

Drehen wir die Zeit fünf Jahre weiter: Ist das Branding als Münster-Mannschaft mit der engen Verknüpfung zur Uni, zur Stadt und den Münsteranern langfristig aufrechtzuerhalten? Der Unterschied der Export-Spieler wird doch gravierend sein.

Stuckenholz: Deswegen sensibilisiere ich einige der Spieler-Agenten dahingehend, dass sie für uns Ausschau nach US-Spielern halten, die einen amerikanischen Bachelor haben und dann ihren internationalen Master in Münster machen. Wenn so ein Spieler mit so einer Zielsetzung kommt, muss man sich um den Charakter keine Gedanken mehr machen. Dann weiß er, dass er mit Basketball keine Millionen verdienen kann, dann ist er klar im Kopf. Wenn man zwei von den vier Ausländerpositionen so besetzt hat, lebt die Teamkultur weiter. Die weiteren Spieler könnten dann sofort eingenordet werden, wie es hier läuft. Dazu holt man zu dem breiten, tiefen Kader deutsche Spieler, die studieren und gleichzeitig auf dem bestmöglichen Niveau Basketball spielen wollen. Wir bauen uns einen Namen auf in einer Szene, die von akademischen Spielern beherrscht wird. Das muss unser Weg sein.

Begleitet wird der Weg von vielen Partnern und Sponsoren. Wie viele engagieren sich schon bei den Baskets?

Stuckenholz: Es sind etwa 40 bis 50 Partner, von denen einige lange dabei sind und sich kurz- und mittelfristig einbringen. Nun brauchen wir Partner, die mittel- bis langfristig zusagen. Wir haben gesehen, was möglich ist, und möchten mit denen solide planen, um gemeinsam die Ziele zu erreichen und etwas aufzubauen.

Haben Sie diese Partner schon im Auge?

Stuckenholz: Ja, ich führe schon einige Gespräche.

Müssen Sie dabei auf die möglichen Kandidaten zugehen oder kommen auch welche auf Sie zu?

Stuckenholz: Das kommt mittlerweile von beiden Seiten und zeigt die Entwicklung, die wir gemacht haben. Früher habe ich 100 E-Mails geschrieben und keine Antwort erhalten. Heute bekomme ich E-Mails mit der Bitte um ein Gespräch. Das Schöne ist, dass viele unserer Partner für uns netzwerken, uns empfehlen. Das ist der beste Türöffner, wenn Geschäftspartner uns jemandem empfehlen. Besser geht es nicht.

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