Fußball: 3. Liga
Preußen gelingt in Jena eine Nullnummer mit Stil

Münster -

Im Dezember kassierten die Preußen in vier Spielen elf Gegentreffer, Punkte gab es dafür überhaupt nicht. Natürlich war der Drittligist zufrieden, dass er beim FC Carl Zeiss Jena ohne Gegentor blieb und im Januar endlich auch wieder einen Pluspunkt verbuchen durfte.

Sonntag, 27.01.2019, 14:56 Uhr
Zum Abschluss galt der Dank auch den mitgereisten Fans, die lautstark unterstützten und wieder Flagge zeigten: Fabian Menig, Martin Kobylanski, Cyrill Akono und Sandrino Braun hatten einen aufwändigen Arbeitstag hinter sich, bei dem nur die Tore fehlten.
Zum Abschluss galt der Dank auch den mitgereisten Fans, die lautstark unterstützten und wieder Flagge zeigten: Fabian Menig, Martin Kobylanski, Cyrill Akono und Sandrino Braun hatten einen aufwändigen Arbeitstag hinter sich, bei dem nur die Tore fehlten. Foto: Sebastian Sanders

So eine Null ist eine runde Sache, vor allem, wenn sie hinten steht. Den Preußen zumindest half die Samstags-Null in Jena, um die Nullnummer zum Start ins neue Jahr richtig einzuordnen – denn die Wahrheit dürfte irgendwo im leeren Deutungsraum liegen zwischen dem fünften sieglosen Spiel in Serie und dem ersten Punkt seit fast zwei Monaten. „Mit diesem Spiel können wir sehr zufrieden sein“, sagte Trainer Marco Antwerpen. „Wir müssen auch auf die Leistung gucken, die war gut, wir sind zufrieden“, befand Philipp Hoffmann. „Wir haben zuletzt viel zu viele Gegentore bekommen, deswegen können wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden sein“, bilanzierte Tormann Max Schulze Niehues. „Zufrieden“ mit Leistung und Ergebnis war auch Neu-Innenverteidiger Sandrino Braun. Der Rest der Mannschaft stand da schon unter der Dusche, und man darf davon ausgehen, dass sie allesamt ebenfalls das waren: zufrieden. Ob das reicht nach einer torlosen Punkteteilung beim Tabellen-18.? Nach genauer Betrachtung der vorangegangenen 90 Minuten kann die Antwort nur lauten: ja.

Marco Antwerpen hat sein Team nach der letzten von vier Niederlagen zum Jahresabschluss einmal komplett auseinander- und wieder zusammengebaut: Nur fünf der elf Jena-Starter standen auch bei der 0:2-Niederlage gegen Fortuna Köln auf dem Platz. Dabei ereilte es unter anderem den Kapitän Martin Kobylanski, Lion Schweers saß auf der Bank, Moritz Heinrich schmorte in Wartestellung, Tobias Rühle verfolgte die Partie gar per Fernstudium aus der Heimat. Der Trainer ging hohes Risiko und bestand den Härtetest mit zunächst ein wenig Glück, am Ende mit etwas mehr Pech – aber unter dem Strich mit Erfolg. Münster naschte im selbst ernannten Jena-Paradies im Ernst-Abbe-Sportfeld gleich mehrfach vom Baum der Erkenntnis: Der 18-jährige Cyrill Akono beweist Drittliga-Reife, geht mutig in die Zweikämpfe und behält auch unter Druck die Übersicht, Sandrino Braun, lange Zeit Münsters „Mister Zuverlässig“ und zuletzt ein wenig aus dem Fokus geraten, lieferte auf der ungewohnten Innenverteidiger-Position eine eindrucksvolle Vorstellung ab, und das Kollektiv präsentierte sich erfreulich geschlossen und kampfbereit.

Jubiläum für Schulze Niehues

Am Montagabend noch im Rampenlicht auf der Bühne, am Samstagnachmittag unter Beschuss zwischen den Pfosten: Zumindest in den ersten 20 Minuten der Partie stand Münsters frisch gebackener Sportler des Jahres 2018 im Mittelpunkt – und bewies, dass er in jeder Hinsicht eine gute Wahl war. Max Schulze Niehues verhinderte mit seinen Paraden einen frühen Rückstand und verschaffte seinem Team damit Raum und Platz, die Partie im Anschluss zu diktieren. Nicht zu vergessen: Vor 3878 Zuschauern in Jena feierte der 30-Jährige seinen 100. Einsatz in der 3. Liga.

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Dass die Partie nach starkem Preußen-Beginn nach etwa fünf und dann für gute 20 Minuten beinahe aus der Spur geraten wäre und Max Schulze Niehues mehrfach in letzter Instanz eingreifen musste, weil Jenas Stürmer noch Lücken in der neuf ormierten Dreierkette fanden, ist ebenso unbestritten wie die anschließende Steigerung der Preußen. Hinten ließen sie kaum noch etwas zu, nach vorne wurde zunächst Druck erzeugt, später wurden auch Chancen generiert, die einem Erfolg am Ende die Wertung „verdient“ beschert hätten. Beispielsweise die unglücklichen Abschlüsse von Akono und Hoffmann zu Beginn, der Kopfball aus nur vier Metern Entfernung von Fabian Menig (58.) oder der Schussversuch von Hoffmann fünf Minuten später. Vor allem aber die beiden späten Abschlüsse von Niklas Heidemann (84.), der zunächst knapp verfehlte und dann Sekunden vor Ablauf der Nachspielzeit am Innenpfosten scheiterte.

Sorge um Klingenburg

Nach 76 Minuten endet einer von zahllosen Zweikämpfen von René Klingenburg mit ungewohntem und unschönem Ausgang: Münsters Vorzeigekämpfer bleibt liegen, muss mit schmerzverzerrtem Gesicht und humpelnd vom Platz geleitet werden. Die genaue Untersuchung nebst Diagnose ist für Montag geplant. „Ich glaube nicht, dass er am Freitag gegen Kaiserslautern spielen kann“, befürchtete Trainer Marco Antwerpen nach der Partie. „Das würde uns hart treffen.“

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Dann hätte zu der gefeierten Null hinten nicht die etwas ernüchternde Null vorne gestanden. „Dieser Treffer hätte uns sehr gut getan“, sagte Antwerpen – und bemühte sich um einen neuen Eintrag ins deutsche Wörterbuch: „Das wäre dann ein verdientglücklicher Sieg gewesen.“ So blieb es immerhin bei einer rundum runden Null in Jena.

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