Fußball: 3. Liga
Klares Profil, aber viele Kandidaten bei der Trainer-Suche der Preußen

Münster -

Wer Nachfolger von Marco Antwerpen wird, steht noch nicht fest. Es ist ja auch erst gut eine Woche vergangen, seit der Noch-Trainer dem SC Preußen den Laufpass für die kommende Saison gegeben hat. Eine Reihe Kandidaten, um die sich allerlei Spekulationen drehen, ist aber längst aufgetaucht.

Mittwoch, 06.02.2019, 16:56 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 15:05 Uhr
Enrico Maaßen
Enrico Maaßen

Es war nicht zwingend zu erwarten, dass Malte Metzelder jeden Namen, der für die ab Sommer freie Trainerstelle bei Preußen Münster gehandelt wird, kommentiert. Ehrlich gesagt, war es sogar fast ausgeschlossen. Das ist das Geschäft, das entspricht auch dem Typus der Sportchefs. In die Karten lässt er sich wie viele andere Manager im Profi-Bereich ungern blicken. Schließlich soll ja niemand vorab verschreckt oder frühzeitig ausgeschlossen werden.

Mit Spekulationen muss und kann der SCP gut leben. Ein bisschen eingeschränkt hat Metzelder selbst die Suche nach einem Nachfolger des nach der Saison abwandernden Marco Antwerpen ja bereits. Im Idealfall soll dem Verein ein Glücksgriff wie vor 14 Monaten mit dem Noch-Coach gelingen. Ehrgeizig und in der Lage, junge Kräfte zu entwickeln. „Nichts überstürzen“, möchte der 36-Jährige zwar, aber umreißt auch ein recht klares Profil. „Wir wollen eine Plattform für junge und entwicklungsfähige Spieler bieten. Wirtschaftlich sind wir gezwungen, kreative Lösungen zu finden. Der neue Trainer muss sich dessen bewusst sein.“ So war es bei Antwerpen anfangs auch, später ging ihm der finanzielle Fortschritt zu schleppend.

Trainerkandidaten für den SC Preußen Münster

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  • Immer die Augen offen, hält Malte Metzelder! Der Sportdirektor des SC Preußen ist auf der Suche nach einem neuen Trainer für die nächste Saison.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev: War schon einmal recht erfolgreich mit den Preußen und ist zurzeit vereinslos. Sein Marktwert könnte allerdings zu hoch für den SCP sein.

    Foto: Axel Heimken
  • Auch Marc Fascher kennt sich in Münster aus. Der Aufstiegsheld von 2011 soll aber bereits abgewiegelt haben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Peter Vollmann ist eine Art Preußen-Urgestein. Malte Metzelder sucht aber wohl einen Trainer mit anderem Profil.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Farat Toku trainiert derzeit noch in Wattenscheid. Er gehört zu der jungen Regionalliga-Generation. Sein Vertrag läuft zudem am Saisonende aus.

    Foto: Johannes Oetz
  • Enrico Maaßen ist auf der Erfolgsspur. Bei seinem aktuellen Arbeitgeber Rödinghausen läuft es gut. Demnächst auch als Trainer des SC Preußen?

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ismail Atalan war sehr erfolgreich in Lotte, in Bochum eher weniger. Geht es für ihn mit dem SC Preußen wieder bergauf?

    Foto: Johannes Oetz
  • Nils Drube war jahrelang Jugendtrainer beim SCP. In dieser Saison trat er seine erste Profistation in Lotte an und führte die Mannschaft vom Autobahnkreuz vom letzten Platz der 3. Liga ins Mittelfeld.

    Foto: Alfred Stegemann
  • Große Namen wie Stefan Effenberg, Peter Neururer oder Lothar Matthäus fallen immer wenn irgendwo ein Trainer gesucht wird. Bei den Preußen wird es aber wohl keiner der drei genannten werden. Alleine schon wegen dem teuren Gehalt, das diese verlangen würden.

    Foto: Uwe Anspach

Alte Bekannte

Im Prinzip fallen eine ganze Reihe etablierter Namen durch diese Umschreibung weg. Pavel Dotchev, jüngst beim Drittliga-Rivalen Hansa Rostock entlassen, zum Beispiel. Der hat einerseits einen wohl viel zu hohen Marktwert und war bei seinem Gastspiel in Münster (2012 bis 2013) eher mit einer gestandenen Truppe sehr erfolgreich.

Dotchevs Vorgänger an der Hammer Straße ließ sich just im ersten Spiel nach dem angekündigten Antwerpen-Abschied nach langer Zeit mal wieder im Stadion blicken. Doch Marc Fascher, am Freitag entspannter Tribünengast gegen den 1. FC Kaiserslautern, wiegelte sofort ab: „War ja klar, dass da wieder etwas reininterpretiert wird.“ Na ja, mancher Fan träumte sicher schon wieder vom Comeback des Aufstiegshelden von 2011. Auch ihm eilt jedoch eher der Ruf voraus, erfahrene Profis zu favorisieren.

Peter Vollmann (61), vor mehr als einem Jahrzehnt zweimal für Münster tätig, ist zudem kein Thema. Metzelder sagt, er suche nicht in dieser Kategorie.

Die Trainer des SC Preußen Münster seit 2010

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  • Im Dezember 2017 trat Marco Antwerpen den Trainerjob bei Preußen Münster an. Seinen bis Sommer 2019 laufenden Vertrag wird er nicht verlängern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann kam im Herbst 2016 in höchste Not und rettete mit einer starken Rückserie den SCP vor dem Abstieg. Der Routinier war im Verein extrem beliebt, doch im Dezember 2017 musste auch er gehen, nachdem die Preußen wieder auf einen Abstiegsplatz gerutscht waren und der Trend fatal wirkte. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Horst Steffen kam an Heiligabend 2015 als Nachfolger von Ralf Loose und musste Anfang Oktober 2016 die Preußen wieder verlassen. Als Trainer ist er gescheitert, das belegte die Tabelle, die saisonübergreifende Schreckensbilanz des 47-Jährigen und vor allem die allzu häufig leb- und ratlosen Vorstellungen der Spieler. Dennoch hat Steffen in Münster Eindruck hinterlassen. Er war immer gesprächsbereit, stets offen, selbstkritisch und bei Fans wie Spielern beliebt – vor allem war er angetreten mit der Idee eines sehenswerten Offensivfußballs. Leider schaffte diese Idee viel zu selten die Platzreife. Außerhalb des Platzes stimmte die Chemie – auf dem Feld verpuffte das Experiment mit einem leisen Zischen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach einer Talfahrt trennte sich der SC Preußen im Dezember 2015 von Ralf Loose (5.9.2012 bis 19.12.2015). Der 52-Jährige war der elfte Trainer, der im dritten Jahrtausend die Adlerträger betreute, der neunte, der vorzeitig seine Aufgabe beenden musste, aber wohl auch der, der mit der hochkarätigsten Platzierung seinen Dienst quittieren musste. Loose hinterließ seinen SCP auf Platz sechs der 3. Liga. Lediglich Georg Kreß war im April 2007 besser platziert.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Carsten Gockel war vom 5. bis 15.9.2012 Interimstrainer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev trainierte die Preußen vom 24.1.2012 bis 5.9.2013. Dotchev hatte den SCP im Januar 2012 im Abstiegskampf ans sichere Ufer geführt, dann fußballerisch weiterentwickelt. Der Vertrag des 47-Jährigen wäre noch bis Sommer 2014 gelaufen und hätte sich im Fall des Zweitliga-Aufstiegs bis 2015 verlängert. In der Vorsaison aber verpasste der SCP auf der Zielgeraden den Zweitliga-Aufstieg und stolperte bis auf Rang 16 – drei Punkte vor einem Abstiegsrang. Beim Abschied des Trainers schwang viel Sympathie mit. Einige Spieler rangen mit den Tränen, auch Dotchev kämpfte um Fassung. Interimsmäßig sprangen Gockel und Co-Trainer Babacar N´Diaye ein.

    Foto: Christian Butzhammer
  • Marc Fascher trainierte die Preußen vom 21.3.2010 bis 23.1.2012. Der gebürtige Hamburger hatte im März 2010 beim damaligen Regionalligisten aus Münster den beurlaubten Roger Schmidt ersetzt. In der Saison 2010/11 gelang der Gewinn der Meisterschaft und der Aufstieg in die 3. Liga. Es war Münsters erster Aufstieg seit 1989, Faschers Renommee glich ab sofort fast schon dem eines Helmut Horsch. Letztgenannter hatte 1989 den SCP in die 2. Bundesliga geführt. Nach einer Talfahrt der Preußen beendete Fascher im Januar 2012 die Debatten um seine Person, die Hängepartie um eine Vertragsverlängerung, mit einem Handstreich, und ging.

    Foto: Wilfried Hiegemann

Blick in die Regionalliga

Es lohnt sich also den Blick in die Regionalliga zu richten. Dorthin, wo der SCP auch künftig wohl den Großteil seiner Neuzugänge akquirieren will. Immer wieder tauchte in den vergangenen Tagen der Name Farat Toku auf. Der 38-Jährige hält die SG Wattenscheid 09 mit bescheidensten Mitteln seit Jahren in der vierthöchsten Klasse, spielte 2006/07 selbst ein Jahr für die Preußen und besitzt einen auslaufenden Vertrag – allerdings ist er noch kein Fußballlehrer.

Interessant klingt auch die Variante mit Enrico Maaßen, der Inhaber Uefa-A-Lizenz ist. Vor der Saison kam er vom SV Drochtersen/Assel aus der Nord-Staffel zum SV Rödinghausen. Die Ostwestfalen hat er seitdem nicht nur in die 2. Runde des DFB-Pokals (gegen Bayern München) geführt, sondern auch in der Liga aktuell auf Rang zwei. Und nebenbei warf er noch die Münsteraner mit 2:1 im Achtelfinale aus dem Westfalenpokal. Er ist jedoch erst 34 und besitzt einen Vertrag bis 2021 (womöglich mit Ausstiegsklausel). Nico Michaty (45/Fortuna Düsseldorf II) und Markus Zschiesche (36/Bonner SC) wären zwei weniger prominente Kenner dieser Liga. Auch im Südwesten tummeln sich eine ganze Reihe interessanter junge Coaches.

Ehemalige Münsteraner

Der logischste Kandidat ist eigentlich Ismail Atalan. Der 38-Jährige wohnt nebenan in Senden, kennt den Verein nicht nur aus seiner Zeit als Nachwuchsspieler beim Adlerclub bestens und besitzt beim VfL Bochum, wo er im vorigen Herbst beurlaubt wurde, einen Kontrakt, der am 30. Juni endet. Beim Zweitligisten endete im vergangenen Jahr der steile Aufstieg des Fußballlehrers, der beim 1. FC Gievenbeck II begann und sich danach bei Davaria Davensberg, Roland Beckum und den SF Lotte nahtlos fortsetzte. Oft wurde Atalan bei den Preußen ins Gespräch gebracht. Die Zeit an der Castroper Straße war zwar sehr gut dotiert für ihn, doch nach rund eineinhalb Jahren ohne Job strebt er zurück auf die Bank.

In Lotte ist aktuell Nils Drube verantwortlich. Der ist waschechter Münsteraner und hat mit den Sportfreunden nach deren völlig missglücktem Saisonstart seit seinem Amtsantritt (gemeinsam mit dem Ex-Preußen Sven Hozjak) eine bemerkenswerte Trendwende eingeleitet. Von 2006 bis 2012 coachte er die wichtigsten Jugend-Teams an der Hammer Straße sehr erfolgreich. Allerdings füllt der 40-Jährige gerade seine erste Seniorenstelle im Profi-Bereich aus. Vertragsende: im Juni.

Einige Zeit dürften die Spekulationen noch andauern . Die Liste der möglichen Anwärter ließe sich noch um viele U-19-Trainer deutscher Top-Clubs erweitern. Metzelder und seine Kollegen hoffen, das richtige Näschen in dieser Frage zu besitzen.

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