Reiten: Alexianer bei Special Olympics
Goldene Spiele für Michael Thißen

Münster -

Es ist der Höhepunkt seiner Reiterlaufbahn: Bei den Special Olympics World Games für Menschen mit geistiger Behinderung gewinnt Michael Thißen drei Goldmedaillen. Dabei läuft der erste Ritt mit seinem Pferd alles andere als gut.

Dienstag, 26.03.2019, 18:00 Uhr
Michael Thißen (hier mit Pferd Leopold) hat bei den Special Olympics in Abu Dhabi drei Goldmedaillen gewonnen.
Michael Thißen (hier mit Pferd Leopold) hat bei den Special Olympics in Abu Dhabi drei Goldmedaillen gewonnen. Foto: Vera Szybalski

Das Glück erreicht Michael Thißen in fünf Treppenstufen. Denn das Glück liegt bekanntlich auf dem Rücken der Pferde und genau so einen besteigt Thißen mit Hilfe einer kleinen Treppe gerade. Pferd Leopold, kurz Leo genannt, wackelt mit den Ohren. Das Klimpern auf seinem Rücken weckt seine Aufmerksamkeit. Dort thront jetzt Thißen, für die Geräusche sind die drei Goldmedaillen verantwortlich, die um seinen Hals baumeln. Gewonnen hat er diese bei den Special Olympics in Abu Dhabi.

Bei den Weltspielen für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung war der 30-Jährige in den Prüfungen Dressur, English Equitation, eine Art Reiterwettbewerb, und English Working Trail, ein Geschicklichkeitswettbewerb, der Beste. Thißen ist im Level CI gestartet, das heißt, er hat die Prüfungen im Schritt und ohne Hilfe einer anderen Person absolviert. Neben Thißen sind drei weitere Deutsche bei den Special Olympics geritten, mehr Startplätze gibt es für die Nation nicht.

Der Höhepunkt seiner Reiterlaufbahn

Wenn er nicht in Abu Dhabi am internationalen Wettkampf teilnimmt oder auf nationalen Turnieren startet, trainiert und arbeitet Thißen im Integrativen Reittherapiezentrum der Alexianer in Münster. Die Weltspiele sind der Höhepunkt in seiner Reiterlaufbahn. Dass er drei Medaillen aus Abu Dhabi mit nach Hause bringen würde, damit hatten weder er selbst noch Trainerin Martina Schuchhardt gerechnet. „Vor allem nachdem wir die Pferde gesehen haben“, sagt Schuchhardt. Denn die Bedingungen vor Ort waren alles andere als einfach. Bei internationalen Turnieren wird nicht mit eigenen Pferden geritten, sondern die Gastgeber stellen welche zur Verfügung. Statt dem ruhigen Leo sattelte Thißen ein arabisches Vollblut. „Das war schwierig“, räumt er offen ein.

Nicht nur, weil er das Pferd nicht kannte. „Das sind eher Distanz- und Rennpferde. Für Menschen mit Beeinträchtigung sind die schwer zu händeln“, sagt Schuchhardt. Dass die Pferde zwar mit neuen Sätteln und Trensen, dafür aber nicht selten in der falschen Größe ausgestattet wurden, machte das Reiten für Thißen und seine Konkurrenten nicht einfacher. „Wir haben nur gehofft, dass keiner herunterfällt“, erinnert sich Schuchhardt. Diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. Einige Reiter stürzten, Thißen kam glimpflich davon. Bei seinem ersten Ritt fing das Pferd an zu buckeln. Im Laufe der Zeit harmonierte das Reiter-Pferd-Duo immer besser. Der verdiente Lohn dafür waren die drei Goldmedaillen.

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