Fußball: 3. Liga
Klingenburg redet nach Preußen-Pleite in Würzburg Tacheles

Würzburg -

Wieder nix in der Fremde. Preußen Münster hat zum achten Mal hintereinander ein Auswärtsspiel ohne Sieg abgeschlossen. Das 2:3 bei den Würzburger Kickers veranlasste den frustrierten René Klingenburg dazu, Klartext zu sprechen.

Sonntag, 31.03.2019, 14:34 Uhr aktualisiert: 31.03.2019, 15:28 Uhr
Stark: Canigga Elva (2.v.l.) wird gleich mit einem Handstand-Überschlag das 1:0 feiern. Ole Kittner, Max Schulze Niehues und Benjamin Schwarz sind bedient.
Stark: Canigga Elva (2.v.l.) wird gleich mit einem Handstand-Überschlag das 1:0 feiern. Ole Kittner, Max Schulze Niehues und Benjamin Schwarz sind bedient. Foto: Jürgen Peperhowe

Jeder hätte ja die übliche Leier von sich geben können, vielleicht sogar garniert mit dem leicht positiv angehauchten Querverweis, dass die Torflaute bei Auswärtsspielen beendet worden ist. Also etwas Hoffnung verbreiten trotz der x-ten Niederlage. Doch dann redete René Klingenburg Tacheles, sein Tattoo am Hals schien wie ein Drache aus „Game of Thrones“ mit den Flügeln zu schlagen. „Ob ich enttäuscht bin? Wir sind immer enttäuscht nach Niederlagen, und dann sind wir noch enttäuschter“, versuchte er wie weiland Rudi Völler nach einem Zittersieg der deutschen Nationalelf gegen die Färöer-Inseln das zu umschreiben. Und fügte passend zum Druck auf der Halsschlagader an: „Mir platzt gleich der Kragen. Wir fahren zig Stunden hin und zurück für so einen Scheiß. Immer wieder geraten wir in Rückstand, ich sehe die Parallelen bei unseren Auswärtsspielen in dieser Saison. Jeder Spieler sollte sich an die eigene Nase fassen. Es ist auch eine Qualitätsfrage.“

Mir platzt gleich der Kragen. Jeder Spieler sollte sich an die eigene Nase fassen. Es ist auch eine Qualitätsfrage.

René Klingenburg

Gerade hatte der SC Preußen Münster mit 2:3 (0:1) bei den Würzburger Kickers verloren, wieder eine Auswärtspleite. Kein Trost war zum einen, dass die 4807 Zuschauer eine lebhafte und abwechslungsreiche Partie gesehen hatten. Und kein Trost war es für die Preußen, nach sechs Begegnungen ohne Torerfolg in der Fremde in der Flyeralarm-Arena gleich doppelt getroffen zu haben.

Jeder von uns muss über 90 Minuten mit allem rechnen und auf alles vorbereitet sein.

Ole Kittner

„Drei Tore in Cottbus, zwei in Wiesbaden, jetzt wieder drei in Würzburg – wir kassieren einfach zu viele Gegentreffer“, umriss Abwehrchef Ole Kittner die Problematik. Er legte den Finger in die Wunde, auch wenn der 31-Jährige ein einen für Preußen-Verhältnisse besseren Auswärtsaufritt gesehen hatte: „Jeder von uns muss über 90 Minuten mit allem rechnen und auf alles vorbereitet sein.“ Zwischen den Zeilen klang auch seine Kritik durch, dass eben nicht jeder Adlerträger von der ersten bis zur letzten Sekunde zu 100 Prozent bei der Sache war. Auch das ist eine Frage der Qualität.

Akono trifft wieder

Cyrill Akono kam zu seinem 14. Einsatz in dieser Saison, dabei stocherte er nach 57 Minuten den Ball zum 1:2 über die Linie. Für den 19-Jährigen war es bereits das fünfte Saisontor. „Es gab nach dem 0:2 bei uns keine hängenden Köpfe. Wir haben Moral gezeigt“, betonte er das Positive an dieser Partie. Er blickte auch gleich dem kommenden Heimspiel unter Flutlicht gegen den SV Meppen am Freitag (19 Uhr) entgegen: „Da werden wir ein anderes Gesicht zeigen.“ Im Saisonfinale wird er vor allem mit Rufat Dadashov, der in der Wochenmitte vom Länderspiel-Einsatz mit Aserbaidschan zurückkam, um die Rolle in der Angriffsmitte des SC Preußen konkurrieren müssen.

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Münster in Würzburg, das lief zur Pause eigentlich auf ein 0:0 hin. Hätte Kevin Rodrigues Pires nicht so leichtfertig den Ball verloren, was am Ende Caniggia Elva das Führungstor ermöglichte (43.). Auch das 0:2 (50.) fand unter gütiger Mithilfe der Gäste statt, weil Lion Schweers nicht entschieden genug klärte – Patrick Breitkreuz traf für Würzburg.

gute Reaktion nach dem 0:2

Erst dann verließen die Preußen ihren Wohlfühlmodus, diese mehr oder weniger reservierte Art Fußball zu spielen. „Für mich ist das gar nicht so leicht über das Spiel zu sprechen. Vor der Pause hatten wir viele Abspielfehler, es fehlten Basics, vor dem 0:1 wurde der Druck bereits immer größer für uns“, so Trainer Marco Antwerpen. Die „gute Reaktion“ nach dem 0:2 nahm er zu Kenntnis, weil Cyrill Akono (57.) zum 1:2 und Martin Kobylanski (82.) zum 2:3 die Hoffnungen auf einen Punkt am Leben hielten, während Dominic Baumann (78.) zum 3:1 getroffen hatte – Schweers hatte abgefälscht.

Zwei, drei Spieler waren anfangs gar nicht in der Partie. Das begleitet uns schon durch die ganze Saison.

Marco Antwerpen

Es bleibt auch für Antwerpen ein Rätsel, warum seine komplette Mannschaft erst mit Verzögerung die Spiele so annimmt, wie es im Vorfeld besprochen wurde. Die letzten 40 Minuten sah man in Würzburg eine verbissene und mutige SCP-Auswahl. „Zwei, drei Spieler waren anfangs gar nicht in der Partie“, monierte der Coach. „Das begleitet uns schon durch die ganze Saison.“

Drei Änderungen

Die Preußen mussten in Würzburg auf Lucas Cueto (verletzt), Niklas Heidemann (gesperrt) und Sandrino Braun (werdender Vater) verzichten. Startelf-Chancen gab es deshalb für Philipp Müller und Philipp Hoffmann in der Offensive sowie Benjamin Schwarz auf der linken Mittelfeldseite. Gerade in der Offensive kam der SCP vor der Pause kaum zum Zuge. Würzburgs Deckung hatte die Preußen lange gut im Griff. Trainer Marco Antwerpen hatte seine Mannschaft in einem 3-4-3-System aufs Feld geschickt. Wobei Kevin Rodrigues Pires einen rabenschwarzen Tag in der Mittelfeldzentrale erwischte.

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Und noch stehen weitere vier Partien in der Fremde bei 1860 München, Eintracht Braunschweig, dem Halleschen FC und dem FSV Zwickau auf dem Programm. Keine guten Aussichten für Auswärtsfahrer.

Würzburger Kickers – Preußen Münster

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  • Preußens Simon Scherder und zahlreiche andere Mitstreiter im Luft-Duell.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benjamin Schwarz gegen Simon Skarlatidis.

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  • Das 1:0 für Würzburg durch Elva Caniggia.

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  • Des einen Freud ist des anderen Leid.

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  • Coach Marco Antwerpen gibt Anweisungen.

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  • Benjamin Schwarz gegen Daniel Hägele.

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  • Philipp Müller ist unzufrieden.

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  • René Klingenburg gegen Janik Bachmann (l.) und Dave Gnaase.

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  • Benjamin Schwarz gegen Simon Skarlatidis.

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  • Philipp Müller kommt zu spät gegen Kickers-Keeper Leon Bätge.

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  • Ein weiterer Blick auf das Würzburger Führungstor.

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  • Das 3:1 durch Dominic Baumann.

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  • Münsters Max Schulze Niehues rettet gegen Janik Bachmann.

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  • Duell zwischen René Klingenburg und Dave Gnaase.

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  • Gelb für Max Schulze Niehues.

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  • Marco Antwerpen und Max Schulze Niehues haben nach dem Spiel ...

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  • ... Gesprächsbedarf mit Schiedsrichter Marcel Gasteier.

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Einzelkritik: Würzburger Kickers – Preußen Münster

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  • Torwart Max Schulze Niehues, Note 3, hielt einige Bälle, bei den Toren ohne Chance. Ordentlich, der sichere Max halt.

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  • Verteidiger Lion Schweers, Note 5, wirkte in mehreren Szenen mindestens unglücklich, nicht immer auf der Höhe des Geschehens, war an zwei Gegentoren beteiligt. In der Dreierkette der Preußen war er dieses Mal die Achillesferse.

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  • Verteidiger Ole Kittner, Note 3, machte sein Ding, versuchte alles zu ordnen und die Stabilität zu wahren. Hatte 90 Minuten die volle Konzentration im Spiel, färbte damit aber nicht auf jeden Mitspieler ab.

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  • Verteidiger Simon Scherder, Note 3, lieferte eine schnörkellose Partie ab, schaltete sich später in die Offensive ein, war am 1:2 maßgeblich beteiligt.

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  • Mittelfeldspieler Fabian Menig, Note 3, taute erst im weiteren Spielverlauf auf, langer Anlauf, agierte dann erst aggressiv wie gewohnt, als die Partie beim 0:2 fast schon verloren war. Am Ende bewahrte er sein Team vor weiteren Toren.

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  • Mittelfeldspieler Kevin Rodrigues Pires, Note 5, erlebte einen gebrauchten Tag. War an vielen Ballverlusten und auch Gegentoren beteiligt. Musste früh vom Feld.

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  • Mittelfeldspieler René Klingenburg, Note 2,5, als einer der wenigen Preußen sofort auf Betriebstemperatur, wehrte sich mit Händen und Füßen, und hatte zweimal die Chance zur Führung. Alle Preußen mit seiner Einstellung, dann wäre die Partie nicht verloren worden.

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  • Mittelfeldspieler Benjamin Schwarz, Note 4, war die fehlende Spielpraxis anzumerken. Hatte zwei, drei gute offensive Aktionen, in den Zweikämpfen fehlte das Timing.

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  • Angreifer Philipp Müller, Note 4, steigerte sich erst nach der Pause. Vor dem Wechsel wie seine offensiven Mitstreiter kaum zu sehen.

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  • Angreifer Tobias Rühle, Note 4, lebte nach dem Wechsel erst auf. Wie immer mit einigen unbedachten Aktionen, doch zumindest mit einer Steigerung nach dem 0:2.

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  • Angreifer Philipp Hoffmann, Note 4, versuchte viel, blieb oft glücklos. Ein eher unscheinbarer Auftritt von ihm.

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  • Einwechselspieler Martin Kobylanski, Note 3, kam für Kevin Rodrigues Pires. Mit ihm wurden die Angriffe der Preußen flotter und zielstrebiger, traf zudem mit etwas Glück zum 2:3. An ihm lag es nicht, dass der SCP ohne Punktgewinn blieb.

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  • Einwechselspieler Cyrill Akono, Note 3, kam für Benjamin Schwarz und sorgte für wesentlich mehr Druck in Münsters Angriffformation. Unterstrich seinen Torriecher, als er den Schuss von Scherder über die Linie bugsierte.

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  • Einwechselspieler Moritz Heinrich, keine Note, kam für Philipp Müller. Mischte in der hektischen Schlussphase munter mit. Für einen „Lucky Punch“ konnte er aber auch nicht sorgen.

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