Fußball: 3. Liga
Preußen Münster macht drei große Schritte Richtung Klassenerhalt

München -

Zu null gespielt, auswärts gewonnen, Glück mit einer Schiedsrichterentscheidung: Der SC Preußen Münster verbucht bei 1860 München drei entscheidende Punkte zum Klassenerhalt und hat endlich mal wenig bis nichts an einem Spiel auszusetzen.

Sonntag, 14.04.2019, 16:52 Uhr
So knackten die Preußen die Festung Giesing: Erst auch dank der Lufthoheit von Keeper Max Schulze Niehues, dann ausgelassen feiernd vor der eigenen Fankurve.
So knackten die Preußen die Festung Giesing: Erst auch dank der Lufthoheit von Keeper Max Schulze Niehues, dann ausgelassen feiernd vor der eigenen Fankurve. Foto: Jürgen Peperhowe

Manchmal drehen sich die Dinge mit einem Schlag. Auswärtsschwäche, Abstiegsangst, Schiedsrichterfrust – für Preußen Münster kam seit dem Spätherbst eine Menge zusammen. Nur drei Siege, alle zu Hause, in den jüngsten 17 Partien stellten die Adler auf harte Proben. Doch dieser eine Erfolg änderte am Samstag alles. Das 1:0 (1:0) beim TSV 1860 München war das Produkt einer geschlossenen und taktisch geschickten Leistung. Erster Sieg in der Fremde nach acht vergeblichen Anläufen, plötzlich der sechste Platz in der Tabelle und acht Punkte Vorsprung auf Platz 17 – da war ausgelassene Stimmung angesagt. Ja, das war wohl die Rettung. Nun müsste es mit dem Teufel zu gehen, sollte es den SCP noch erwischen.

„Darauf haben wir lange hingearbeitet. Diesmal hat viel gepasst, wir waren auf die Spielweise von 60 eingestellt“, sagte Trainer Marco Antwerpen, der hierbei explizit die Analyse von U-19-Trainer Cihan Tasdelen hervorhob. „Und wieder hat sich bewahrheitet, dass eine 1:0-Führung uns brutal in die Karten spielt.“ Rufat Dadashov nagelte den Ball nach einer guten Ecke von Martin Kobylanski und eher unfreiwilliger Vorlage von René Klingenburg kompromisslos ins Netz (31.). Es war die erste echte Chance für die Gäste, die da aber schon gut drin waren im Geschehen.

Auffällig: Mit konsequentem Anlaufen zwangen die Preußen die Löwen zu langen Bällen und räumten diese oft mühelos ab. Andererseits wählte Münster selbst wesentlich öfter als zuvor den weiten Schlag auf die zentralen Angreifer und kam, teils auch über die Zweitverwertung, viel öfter in die gefährlichen Bereiche als sonst auf gegnerischem Platz. „Wir wollten ein bisschen wie eine Heimmannschaft auftreten und hoch attackieren“, sagte Ole Kittner.

3 Fragen an Fabian Menig

Nach seiner abgesessenen Sperre gab Fabian Menig wieder kämpferisch den Takt vor. Hinterher strahlte der 25-Jährige wie eh und je. Aus mehreren Gründen.Wo hat die Mannschaft denn nach Monaten schwächerer Vorstellungen diesen Auswärtsauftritt hervorgeholt?Menig: Das hat sich die Woche über schon angedeutet. Wir waren einfach brutal fokussiert, wollten unbedingt etwas holen. Bei acht Stunden Rückfahrt wollte keiner mit leeren Händen in den Bus steigen. Aber auch die Kulisse hat uns etwas beflügelt. Da ist so ein Sieg doppelt schön. Wir haben auf jeder Position gut verteidigt, auch wenn man nicht alles verhindern kann.Kannten Sie die Grünwalder Straße schon?Menig: In der Jugend und mit der zweiten Mannschaft des SC Freiburg habe ich schon öfter hier gespielt. Meine Familie war auch wieder da. Ich hatte 20 Karten besorgt. Mein Vater hat zum ersten Mal einen Preußen-Sieg gesehen. Aber er kam meist ja nur auswärts dazu.Was können Sie zu Ihrer Zukunft sagen?Menig: Es gibt noch keine Entscheidung, nur eine Tendenz. In ein, zwei Wochen weiß ich mehr.

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Es war eine gelungene Vorstellung. Allerdings hatte der Coach auch ein paar Schönheitsfehler registriert. „Wir waren einige Male in Bedrängnis und fahrlässig in der Defensive, da hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht. Etwas Glück hatten wir auch.“ Max Schulze Niehues rettete im Tor gegen Daniel Karger (7., 45.) und nach der Pause gegen Prince Owusu (60.), zudem fischte er die Versuche von Herbert Paul (45.+1, 90.+5) in den Nachspielzeiten. Auch Stefan Lex (21.) und Sascha Mölders (76.) kamen zu Abschlüssen, doch oft hatten die Preußen ein Bein dazwischen. Einmal aber hätten die Löwen einen Elfmeter erhalten müssen. Nach Philipp Steinharts Ecke verlängerte Paul den Ball per Kopf Richtung Tor, wo Sandrino Braun ihn vor der Linie an die weit ausgestreckte Hand bekam (77.). Rund ein Dutzend Strafstöße wurde dem SCP in dieser Saison verwehrt, diesmal waren die Adlerträger Profiteur einer Fehlentscheidung von Referee Guido Winkmann, der vor der Pause kurz am Knöchel behandelt wurde.

Obwohl die Hausherren ein Chancenplus hatten, war der Erfolg verdient. „Wir haben den Gegner gut beschäftigt, hatten viele Ballgewinne durch unser Pressing“, sagte Antwerpen. „Wir wussten, wie wir agieren müssen.“ Münster beherrschte das Mittelfeld, wehrte sich, sammelte auch mal Verwarnungen und wurde selbst gefährlich. Kevin Rodrigues Pires verpasste zweimal in Top-Position den Abschluss (28., 56.), Dadashov versuchte es ebenfalls (58, 68.), dazu kamen ein Kittner-Kopfball (29.) und der herrliche Kobylanski-Freistoß, bei dem nur Zentimeter fehlten (34.).

Antwerpen atmete dennoch tief durch: „Endlich ist die Negativserie beendet, vielleicht kriegen wir jetzt selber mal einen Lauf, das ist unser Anspruch.“ Das Zittern um den Klassenerhalt ist jedenfalls beendet. „Ich hatte aber auch nie ein schlechtes Gefühl“, sagte Kittner. „Ich wusste, dass wir den Charakter haben. Klar, da war eine schlechte Phase – aber die Frage nach dem Abstiegskampf hat uns schon genervt. Diese eine Aufgabe mussten wir noch lösen.“ Mission erfüllt.

1200 Preußenfans

Eine überaus beeindrucke Auswärtsperformance legten die Preußen-Fans an der Grünwalder Straße hin. Mehr als 1200 Anhänger aus Westfalen waren an die traditionsreiche und stimmungsvolle Spielstätte im Stadtteil Giesing gekommen und machten ordentlich Alarm. Die allermeisten von ihnen hatten den Weg per Sonderzug am Samstagmorgen in aller Frühe auf sich genommen und reisten direkt nach Spielschluss zurück. Ein paar verbale Scharmützel mit dem Löwen-Publikum trübten den Eindruck eines gelungenen Trips nicht.

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