Fußball: 3. Liga
Preußen zeigen reife Leistung im Löwenkäfig von Braunschweig

Braunschweig -

Sechs Tore, aber nur zwei geteilte Punkte: Preußen Münster bot bei Eintracht Braunschweig eine sehens- und bemerkenswerte Vorstellung, kassierte aber in der Nachspielzeit den Ausgleichstreffer zum 3:3 – und trat mit nur einem Zähler den Heimweg an.

Sonntag, 28.04.2019, 16:04 Uhr aktualisiert: 28.04.2019, 19:29 Uhr
Simon Scherder bejubelt das 1:0.
Simon Scherder bejubelt das 1:0. Foto: Jürgen Peperhowe

Nur 120 Sekunden fehlten Preußen Münster zum erneuten Achtungserfolg vor großer Kulisse in der Fremde. Erst in der Nachspielzeit rettete Julius Düker Eintracht Braunschweig den Punkt. Beim 3:3 (2:1) hatte der SCP bereits wie der sichere Sieger ausgesehen. Der fußballerische Aufwärtstrend der Adler setzte sich dennoch fort. Insofern fiel der Ärger gemäßigt aus.

„Es war eine hochinteressante Partie, unfassbar geil“, sagte Trainer Marco Antwerpen. „Der Gegner wurde von den Zuschauern mit unglaublich gutem Gespür unterstützt. Unsere Leistung war top, die Ausbeute könnte aber besser sein.“ Im vorderen Mittelfeld wird man zum Saisonende dennoch etwas gelassener im Umgang mit Ergebnissen. „Das haben wir uns auch erarbeitet“, sagte der Coach.

Heikle Anfangsphase

Er sah sich anfangs druckvollen Hausherren ausgesetzt, gerade über die Flügel. Benjamin Kessel verpasste haarscharf eine Hereingabe von Leandro Putaro (3.), Philip Hofmann setzte eine Flanke von Marcel Bär unbedrängt daneben (6.), und auch bei Putaros Schuss hatten die Preußen Glück (9.). Die linke Abwehrseite ließ schon einige Lücken, von den Halbposition im Mittelfeld fehlte die Unterstützung. Das Risiko der Raute.

SC Preußen Münster - Eintracht Braunschweig

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  • Jubel bei den Preußen: Torschütze Martin Kobylanski

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder traf in der 28. Minute zum 1:0 für die Preußen gegen Eintrachts TorhüterFejzic Jasmin

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  • Rufat Dadashov im Zweikampf gegen Marc Pfitzner

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  • Jubel bei Torschütze Martin Kobylanski

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  • Unter den 19.670 Fans waren auch einige aus Münster.

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  • Großer Jubel: Doppeltorschütze Martin Kobylanski

    Foto: Julia Wille
  • Martin Kobylanski traf gegen Braunschweig gleich doppelt.

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  • Auch Trainer Marco Antwerpen freute sich über die zwischenzeitliche Führung.

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  • Michele Rizzi auf der Tribüne

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  • Auch Trainer Marco Antwerpen freute sich über die zwischenzeitliche Führung.

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  • Doppeltorschütze Martin Kobylanski

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  • Malte Metzelder auf der Bank

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  • Enttäuscht: Rufat Dadashov nach Spielschluss

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  • Ole Kittner (SCP) gegen Mike Feigenspan

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  • Simon Scherder (SCP) gegen Marcel Bär

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  • Simon Scherder (SCP) gegen Marcel Bär

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  • Sandrino Braun im Zweikampf

    Foto: Jürgen Peperhowe

Doch diese heikle Anfangsphase überstand der SCP und wagte sich mit durchaus feiner Klinge selbst nach vorn. „Ab der 15. Minute waren wir super drin und unfassbar viel in Bewegung“, so Antwerpen. Das Offensivspiel wurde immer gefälliger, die Kombination wirkten griffiger, ein Kontakt reichte manchmal. Die fünfte Ecke, getreten von Martin Kobylanski, brachte schließlich die Führung. Rufat Dadashov verlängerte, und am langen Pfosten konnte Simon Scherder völlig frei zum 1:0 eindrücken (28.). Starke Variante! 

Drei Fragen An Martin Kobylanski

Martin Kobylanski  dreht kurz vor Saisonende noch mal auf. Sein Doppelpack reichte nur nicht. War Ihr Freistoß ein typischer Kobylanski?
Kobylanski: Der Ball sollte schon da hin. Aus der Position muss er entweder auf den kurzen Pfosten oder eben hinten rein. War ein schönes Tor, bringt nur leider nicht so viel. Für so ein gutes Auswärtsspiel müssen wir uns belohnen.

War mit dem 3:1 die Sache nicht schon durch?
Kobylanski: Wir haben zu schnell das 2:3 gefangen. Da hat der Gegner wieder Schwung bekommen. Klar können wir mit dem Punkt leben in unserer Situation. Aber uns wurde auch ein Tor gestohlen – und wir sind Sportler, wollen immer gewinnen.

Zwei Spiele und fünf Tore gegen Braunschweig – müssen die „Löwen“ Sie jetzt wegkaufen?
Kobylanski: Wer weiß ... Ich bin mit vielen in Kontakt. 2. oder 3. Liga spielt gar keine große Rolle. Wichtig ist, dass es passt, ich mich wohlfühle. Wie in Münster. Dann kann ich Leistung bringen. In zehn, 14 Tagen weiß ich mehr. Ich möchte nur mit Klarheit in den Urlaub fahren.

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Pech für den SCP

Es kam sogar noch besser: Dadashov spielte  im Pressing einen Traumpass in Kobylanskis Lauf. Perfekt für den Polen, denn der kann mit dem Ball umgehen. Er pflückte ihn elegant runter und blieb frei vor dem Kasten ganz cool (32.). Doch das 2:0 hatte nicht lange Bestand. Münsters Deckung war nicht präsent, als Manuel Janzer den Ball zu Kessel weiterspitzelte, der kompromisslos aus zehn Metern verkürzte (34.).

Aus der Ruhe brachte den Gast der Anschluss keineswegs. Nach einem Distanzschuss von René Klingenburg ließ Keeper Jasmin Fejzic prallen, Scherder drückte den Abpraller rein (43.). Doppelpack? Nein. Abseits? Assistent Joshua Herbert hob die Fahne, völlig zu Unrecht. Diesmal Pech für den SCP, jedoch schnupperte die Eintracht auch noch am Ausgleich, doch Janzer und Bär bekamen im Fünfmeterraum keinen richtigen Abschluss hin (45.+1).

 

Einzelkritik: Eintracht Braunschweig - SC Preußen Münster

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  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Max Schulze Niehues: Trotz des Braunschweiger Drucks zu Beginn und am Ende hatte er kaum Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Eine Mega-Parade gelang dem Keeper beim Freistoß von Marcel Bär. Bei Standards sicher, übertrieb es etwas mit dem Zeitspiel. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig: Der Hamburger Rapper Gzuz würde rufen: „Standard!“ Menig-Standard halt: keine Sahnekabinettstückchen, aber viel Wille, viel positive Energie, viel Laufbereitschaft und hohe Zuverlässigkeit. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner: Insgesamt ließen die Preußen zu viel zu, das lag auch daran, dass der Abwehrchef manchmal einen Schritt zu spät war. Gegen Philipp Hofmann griff er zu einer „Fast-Notbremse“. Notwendig, ja. Aber auch ein bisschen glücklich, dass es bei Gelb blieb. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder: Eigentlich ein Doppelpack des Kapitäns, doch nur das erste Tor, das sehenswert war, zählte. Der Abstauber kurz vor der Pause fälschlicherweise nicht. Hinten mit ein paar Problemen in der Anfangsphase und auch vor dem 1:2. Steigerte sich nach der Pause. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Niklas Heidemann: Beeindruckend, woher der Linksverteidiger seine Power nimmt. Klasse Sprints, starke Rettungsaktionen. Nur am Stellungsspiel muss er noch ein wenig arbeiten, da hatte er zu Beginn ein paar Probleme. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sandrino Braun: Solider Auftritt vor der Abwehr, gute Grätschen, cleveres Zweikampfverhalten. Allerdings nicht so uneingeschränkter Chef wie in den vergangenen Wochen des öfteren schon mal. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski: Toller Auftritt des Technikers. Er bewies beim 2:0 und beim 3:1 jeweils ein feines Füßchen. Musste zu Beginn oft hinterherlaufen, biss sich aber rein und zeigte dann seine eigentlichen Qualitäten. Note 1,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kevin Rodrigues Pires: Dass die Preußen in den ersten Minuten ihre linke Seite nicht dicht bekamen, musste sich der Mittelfeldspieler mit ankreiden lassen, weil die Unterstützung nicht ideal war. Dazu kamen ein paar unnötige Ballverluste im Vorwärtsgang. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • René Klingenburg: Als Münster noch nicht im Spiel war, war es mal wieder „Klinge“, der die ersten Akzente setzte. Harter Zweikampf hier, knallharter Abschluss da - wichtig! Mit der Zeit aber nicht mehr so auffällig. Note 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Moritz Heinrich: Erster Startelfeinsatz seit Dezember 2018 und das in eher ungewohnter Rolle als Stürmer. Der Linksfuß war viel unterwegs, beteiligte sich am Kombinationsspiel, leistete sich aber auch Abspielfehler und tauchte später etwas ab. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rufat Dadashov: Seine Kopfballverlängerung vor dem 1:0 war wichtig, sein Pass auf Kobylanski vor dem 2:0 herausragend. Kurz vor dem Ausgleich hätte er allerdings die Entscheidung bei einem Konter herbeiführen müssen. Gute und weniger gute Szenen in vorderster Reihe. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Müller: Als erster Preuße eingewechselt, ließ aber die Zielstrebigkeit vermissen. Sein Querpass auf Dadashov in der Nachspielzeit geriet etwas zu scharf. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle: Eigentlich direkt gut drin, hielt den Ball und holte auch mal einen Freistoß raus. Doch beim Konter (90.+1) hätte er einfach nur geradeaus vor Steffen Nkansah aufs Tor laufen müssen, stattdessen bremste er ab. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers: Mit seiner Einwechslung sollte sich die Abwehr stabilisieren, der 23-Jährige räumte auch auf, sah aber dann doch das 3:3. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe

 

Simon Scherder zum Spiel

Elegant überwand  Simon Scherder bei seinem zweiten Saisontor Jasmin Fejzic zum 1:0. Ein zweiter Treffer wurde ihm geklaut. „Ich habe im Spiel schon gedacht, dass ich nicht im Abseits stand. Die Bilder haben es bestätigt“, so der Kapitän. „Der späte Ausgleich war unverdient. Wir waren spielerisch klar besser als Braunschweig. Zehn Minuten waren wir anfangs ordentlich unter Druck, danach hatten wir alles im Griff. Die ersten beiden Tore haben wir uns leider selbst eingeschenkt.“ Und der dritte Treffer? „Wenn der Gegner am Ende vier, fünf 1,90-Männer vorne reinschickt, kann das passieren“, sagte der 26-Jährige.

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Anschlusstreffer aus dem Nichts

Auch nach dem Wechsel stockte den Preußen kurz der Atem. Bär war plötzlich frei durch, Sandrino Braun aber drängte ihn noch etwas ab, der Schuss ging ans Außennetz (49.). Stattdessen das: Kobylanski, schon im Hinspiel (3:0) dreifacher Torschütze, legte sich den Ball seitlich des Strafraums zum Freistoß hin. Fast ein unmöglicher Winkel. Nicht für ihn. Mit rechts ins lange Eck – das 3:1 (56.). Herrlich!

Danach deutete nicht viel auf ein Comeback der „Löwen“ hin. Doch nach einer abgewehrten Ecke und einer Kerze von Kevin Rodrigues Pires fiel Felix Burmeister der Ball über Steffen Nkansah und Marc Pfitzner vor die Füße, er erzielte mühelos das 2:3 (69.) „Ich dachte vorher, dass wir durchkommen. Doch bei dem Tor haben wir komplett die Ordnung verloren. Und dann kam Braunschweig mit Wucht, dem Druck konnten wir nicht standhalten“, so Antwerpen. Einen Bär-Freistoß parierte Max Schulze Niehues bravourös (71.). Münster stellte auf Dreierkette um, brachte Abwehrmann Lion Schweers für Kobylanski. Scherder verpasste per Kopf gegen Fejzic die Entscheidung (82.). 

Liveticker

Alle Infos zum Spielverlauf gibt es auch in unserem Liveticker .

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Emotionales Publikum

Hinten setzte der SCP auch mal auf Zeitspiel und wichtige taktische Fouls, nahm Verwarnungen in Kauf. Das Publikum wurde noch emotionaler als ohnehin. Es peitschte den Gastgeber frenetisch nach vorn. Julius Düker rauschte an einem Ball vorbei (85.), Nico Kijewski verpasste mit einem Distanzschuss den Kasten (88.) – doch dann fiel der Ausgleich irgendwie noch. Nach Kijewskis Ecke stieg Düker höher als Ole Kittner und Braun und köpfte das 3:3 (90.+2). „Da müssen alle hoch, aber nicht alle waren gewillt“, so Antwerpen.  Besonders bitter für Münster, dass Tobias Rühle, Philipp Müller und Dadashov Sekunden zuvor bei einem Konter die Entscheidung hatten liegen lassen (90.+1).

Eintracht Braunschweig: Fejzic – Nkansah, Rütten (64. Burmeister), Kijewski – Kessel, Fürstner, Pfitzner, Putaro (79. Düker) – Bär, Hofmann, Janzer (64. Feigenspan)

SC Preußen Münster: Schulze Niehues – Menig, Kittner, Scherder, Heidemann – Braun – Kobylanski (77. Schweers), Rodrigues Pires (70. Müller) – Klingenburg – Heinrich (77. Rühle), Dadashov

Tore: 0:1 Scherder (28.), 0:2 Kobylanski (32.), 1:2 Kessel (34.), 1:3 Kobylanski (56.), 2:3 Burmeister (69.), 3:3 Düker (90.+2) - Zuschauer: 19 670 - Gelbe Karten: Nkansah, Pfitzner / Kittner, Klingenburg, Menig, Schulze Niehues

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