Leichtathletik: World Run „Wings for Life“
Erst als Allerletzter eingefangen – David Schönherr läuft 62,68 Kilometer

Münster -

120.000 Läufer, nur einer war noch schneller: David Schönherr von LSF Münster hat den zweiten Rang beim World Run „Wings for Life“ belegt. In einem von insgesamt 33 Rennen weltweit lief der Münsteraner in München 62,68 Kilometer, ehe ihn die bewegliche Ziellinie, ein „Catcher Car“, einholte.

Dienstag, 07.05.2019, 13:38 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 16:58 Uhr
Eingeholt erst nach knapp 63 Kilometern: David Schönherr von LSF Münster ist der Gewinner des deutschen World Runs.
Eingeholt erst nach knapp 63 Kilometern: David Schönherr von LSF Münster ist der Gewinner des deutschen World Runs. Foto: privat

Irgendwo im bayerischen Voralpenland wurde David Schönherr gestellt. Die Hupe ertönte – und das Rennen war vorbei. Endlich, dachte sich wohl der Läufer von LSF Münster. Dieser Weg sollte kein leichter sein. Aber dann standen da gewaltige 62,68 Kilometer mit 480 Höhenmetern, die der Münsteraner in 3:57,21 Minuten absolviert hatte, durchschnittlich benötige er 3:47 Minuten für einen Kilometer – wahnsinnig flott.

Beim World Run von „Wings for Life“ in München war keiner später vom so genannten „Catcher Car“ eingeholt worden, 12.000 Aktive ließ Schönherr bei diesem weltweiten Charityrun hinter sich. Zeitgleich fand der Lauf in 32 anderen Städten statt, rund 120.000 Läufer versuchten dem hinterherfahrenden „Einfang-Pkw“ zu entkommen. Nur der Russe Iwan Motonin war in Izmir mit 64,3 Kilometern noch länger unterwegs.

Eine Woche nach London

„Es war eine spontane Idee, an dem Lauf teilzunehmen. Wir waren privat in München, also meldete ich mich an. Es war auch ein Experiment“, erzählte Schönherr. Gerade noch, sieben Tage war es her, hatte er den London-Marathon in 2:29,23 Stunden absolviert. Ein erster Saisonhöhepunkt für ihn, aber ein Rennen, das nicht wunschgemäß verlief. So oder so hätte Schönherr eine längere, mehrwöchige Erholungspause nach London gebraucht. Eigentlich.

„Am Mittwoch konnte ich noch keine Treppen steigen“, berichtete er über die Phase zwischen London und München. Und: „Am Donnerstag absolvierte ich meine erste leichte Laufeinheit, am Samstag merkte ich dann aber schon, dass die Beine nicht schlecht sind.“

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Die Idee des World Runs gefällt Schönherr: „Das ist für einen guten Zweck, für Menschen, die nicht laufen können oder für die Rückenmarksforschung.“ Alle Spenden gehen zu 100 Prozent in diverse Projekte. 3,5 Millionen Euro wurden gesammelt. Ausrichter Red Bull hat das Rennen zum globalen Spektakel entwickelt. Die zufällige Überschneidung von privatem Besuch und Wettkampf in der Bayern-Metropole spielte Schönherr in die Karten.

12.000 Läufer in München

Die Story des Rennens ist schnell erzählt. Die 12.000 Läufer starteten, eine halbe Stunde später dann das „Catcher Car“ oder auch bewegliche Ziellinie genannt – wer eingeholt wurde, war raus, das Rennen damit vorbei.

Schönherr hatte damit gerechnet, rund 50 Kilometer laufen zu können. Selbst für einen Marathon-Experten wie ihn ist das eine „Überdistanz“. Bei Kilometer 26 verschärfte der Topfavorit Florian Neuschwandner das Tempo, Schönherr konterte aus der Gruppe heraus bei Kilometer 30. Von da an lief er dem kompletten Feld voraus, und das gut zwei Stunden lang über 32 Kilometer. Dann ertönte die Hupe. Schönherr: „Darauf hatte ich sehnsüchtig gewartet.“

Der größte Erfolg

Aber der LSF-Frontrunner genoss auch das Flair, die Stimmung. Nicht nur zwei Radfahrer begleiteten ihn, ständig war auch eine dreiteilige Polizei-Motorrad-Eskorte an seiner Seite. Später wollte im Ziel jeder was von ihm, dem Schnellsten des Münchener World Runs, dem zweitschnellsten aller Rennen rund um den Globus, wissen.

Beim Mix aus Spendenaufruf und Wettkampf war der Münsteraner einer der großen Sieger: „Gefühlt war das mein größter Erfolg als Läufer.“

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