100 Jahre Stadtsportbund Münster
„Sie dürfen sich feiern lassen“

Münster -

Die Anfänge beruhen auf der Gründing des Stadtverbandes für Leibesübungen, das Gründungsdatum ist erst am 11. August 1919. Dennoch feierte der Stadtsportbund (SSB) Münster schon mal – mit Stil und im großen Stil – sein 100-jähriges Jubiläum.

Donnerstag, 09.05.2019, 15:32 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 16:27 Uhr
Jubiläumsurkunde und 500 Euro als Dankeschön: LSB-Präsident Walter Schneeloch (l.) überreicht beides an den SSB-Vorsitzenden Michael Schmitz.
Jubiläumsurkunde und 500 Euro als Dankeschön: LSB-Präsident Walter Schneeloch (l.) überreicht beides an den SSB-Vorsitzenden Michael Schmitz. Foto: Matthias Ahlke

Bei aller Freude, die ein 100-jähriges Jubiläum und der offizielle Festakt aus diesem Anlass mit sich bringen: „Zwei Schönheitsfehler“ machte Michael Schmitz dann doch aus: „Der offizielle Geburtstag ist erst am 11. August, wir sind also eigentlich drei Monate zu früh“. Und zweitens: „Gegründet wurde der Verein damals unter einem anderen Namen: ,Stadtverband für Leibesübungen’. Den Stadtsportbund gibt es ja erst seit 44 Jahren“. Nun ist der SSB in der Tat erst 1975 im Zuge der kommunalen Neuordnung als eben solcher Stadtsportbund geführt, ist aber aus dem damaligen Leibesübungsverband hervorgegangen. Die 100-Jahr-Feier am Mittwochabend im Rathausfestsaal hatte also schon ihre Berechtigung.

Viele geladene Gäste waren erschienen aus Politik, Verwaltung und aus den Vereinen sowie den „Nachbarn“ (Schmitz) aus den Kreissportbünden Steinfurt, Coesfeld und Warendorf. Die musikalische Untermalung übernahm die Big Band „Big Noise“ des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums, Radio-Moderator Matthias Menne führte launisch durchs Programm.

Walter Schneeloch, Präsident des Landessportbundes NRW, und Oberbürgermeister Markus Lewe hoben unisono die Bedeutung – auch aus historischer Sicht – des SSB hervor und geizten nicht mit Nachdenklichem: „Der Sport steht vor großen Herausforderungen, wie die Gesellschaft insgesamt“, sagte Schneeloch und hob in dieser zugeschriebenen Verantwortung für den Sport auch dessen Leistungen hervor: „Die Rahmenbedingungen sind vielfältig: Inklusion, Integration, Sport für Ältere sind solche Beispiele“. In Münster, so Schneeloch, sei der Organisationsgrad von rund 30 Prozent „außerordentlich groß“. Rund 90 000 Sportler in etwa 200 Vereinen sind im SSB organisiert. Schneeloch: „Dank an alle Haupt- und Ehrenamtlichen im Stadtsportbund für die geleistete Arbeit. „Sie dürfen sich feiern lassen.“

Den Stellenwert, den der SSB in der Stadtgesellschaft genießt – sichtbar nicht nur dadurch, dass der Festakt im Rathaus stattfand – hob Markus Lewe hervor. „Der Sport ist ein Identifikationsfaktor und zeichnet ein Zukunftsbild der kommunalen Gemeinschaft“, sagte der Oberbürgermeister. Lewe fand auch eine Analogie zum Gründungsjahr 1919 und den Verhältnissen kurz nach Ende des ersten Weltkriegs. „Heute ist vieles von damals wieder aktuell“, sagte er. „Wieder kommen Vereinfacher daher“, sprach er wachsenden Populismus an. „Der Sport steht auch für die Aufrechterhaltung von Wertesystemen“, betonte der OB und: „Sportvereine sind immer auch soziokulturelle Zentren.“

Themen, die zuvor auch Michael Schmitz in den Vordergrund seiner Begrüßungs- und Festrede gestellt hatte. Er lobte die Homogenität des Vorstands und der Mitarbeiter („ich bin stolz darauf, was zurzeit auf der Geschäftsstelle passiert“) und zitierte aus einen bekannten Pop-Song: „Es gibt kein ich in diesem wir“. Gleichwohl war Schmitz nicht nur nach Lobhudelei zumute an diesem Abend. Er wies auf Verfehlungen („die städtebauliche Verdichtung findet ohne die Schaffung von Bewegflächen für die Menschen statt“) hin, wurde auch noch deutlicher: „Wem gehört denn die Stadt – Investoren oder den Bürgern?“ fragte er. Und Schmitz machte an diesem (festlichen) Abend vor dem SSB nicht halt. Er verwies auf das laufende Verfahren gegen Mitarbeiter im eigenen Haus: Für jedermann vernehmbar breitete er vermeintliche Unregelmäßigkeiten im Abrechnungsmodus und SSB-Haushalt aus. Einige Zuhörer verließen daraufhin demonstrativ den Saal. Die durchaus zwiespältigen Reaktionen auf Schmitz’ Direktheit („Grundlagen der Verbandsführung sind für uns nicht verhandelbar. Wir stehen für Transparenz“) reichten von „kann man so nicht machen an solch einem Tag“ bis hin zu „ehrlich, dass er das heute angesprochen hat“.

Einen Überblick über die Vielfältigkeit der Aufgaben im SSB zeichneten Katrin Dette, Simon Chroback und Thomas Lammers. Zuständig für Integration, Senioren- und Gesundheitssport sowie Sport für Kinder gaben die SSB-Mitarbeiter Einblicke in die vielfältigen Tätigkeiten des SSB unter Mitwirkung der Vereine. Und Blumen gab’s schließlich auch noch an diesem Festtag: Für Christa Friemel, die seit 44 Jahren im SSB tätig ist.

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