Triathlon: Ironman 70.3 Kraichgau
Patrick Dirksmeier wie entfesselt auf der Mitteldistanz

Münster -

Münsters Triathlet Patrick Dirksmeier hat als Zweiter beim Ironman 70.3 Kraichgau ein Ausrufezeichen gesetzt. Nur einen Konkurrenten musste er ziehen lassen: Weltstar Jan Frodeno.

Dienstag, 04.06.2019, 14:56 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 10:30 Uhr
Alkoholfreie Bierdusche: Jan Frodeno meint es gut mit Patrick Dirksmeier (links), der für die Abkühlung nach 4:05,56 Stunden sichtlich dankbar ist. Dritter wurde Lukasz Wojt (rechts).
Alkoholfreie Bierdusche: Jan Frodeno meint es gut mit Patrick Dirksmeier (links), der für die Abkühlung nach 4:05,56 Stunden sichtlich dankbar ist. Dritter wurde Lukasz Wojt (rechts). Foto: Petko Beier

Henri ist da. Im Hause Dirksmeier dreht sich seit knapp drei Wochen alles um den Nachwuchs. Mama Jenna und Papa Patrick haben kurze Nächte. Füttern, wickeln, füttern – 24 Stunden Bereitschaft. Münsters Triathlet, inzwischen deutsche Spitze, genießt das. Und irgendwie scheint ihm die mitunter schlaftrunkene Vaterrolle Flügel zu verleihen. Beim 70.3 Kraichgau am Sonntag kletterte er als Zweiter aufs Podium. Hinter Jan Frodeno, zweifacher Hawaii-Champion. 2700 Euro Preisgeld versüßten ihm die Qualen – reichlich Flocken, um Henri windeltechnisch eine Zeit lang zu überbrücken. Mit Dirksmeier sprach Redaktionsmitglied André Fischer.

Herr Dirksmeier, haben Sie sich nach dem furiosen Rennen erst mal in die Eistonne gelegt?

Dirksmeier: Nein. Ich habe mich nach der Bier- und Sektdusche mit Frodo (Jan Frodeno, Anm. d. Red.) in den Schatten gesetzt, meine Klamotten gepackt. Unterwegs auf Höhe Frankfurt musste ich nachts beim Burger King rein, der doppelte Whopper war spitze. Zu Hause habe ich versucht, ein wenig zu schlafen, Montag war ich mit dem Cross-Rad schon wieder im Gelände. Das ist meine Form der Regeneration.

Können Sie sofort aus dem Wettkampf- in den Alltagsmodus schalten?

Dirksmeier: Ich bin Jurist, das muss ich. Ein Vorteil ist, dass ich mir die Arbeitszeit selbst einteilen kann. So gesehen führe ich ein flexibles Leben – und das Gefühl von Freiheit überwiegt am Ende des Tages.

Sie sind gerade Papa geworden. Da kommt der Schlaf schon mal zu kurz. Wie haben Sie sich auf die Mitteldistanz vorbereitet?

Dirksmeier: Ich bin mit dem Wohnmobil zwei Tage vorher angereist. Das gibt mir die Gelegenheit, zumindest eine Nacht durchzuschlafen. Ich habe Samstag bis 9 Uhr gepennt. In der ­Regel ist die letzte Nacht vor dem Wettkampf äußerst kurz. Da schaue ich alle zwei Stunden auf die Uhr.

Sie haben erst 2015 Ihre Profilizenz gezogen und gehören inzwischen zur deutschen Spitze.

Dirksmeier: Ich habe ­damals davon geträumt, mich mit den Großen zu messen. Im März war ich mit Patrick Lange (zweifacher Hawaii-Sieger, Anm. d. Red.) im Trainingslager auf Gran Canaria, jetzt stand ich mit Frodeno auf dem Treppchen – das ist Wahnsinn!

Der Rückstand auf Frodeno betrug 12:50 Minuten. Das sind Welten.

Dirksmeier: Jan gehört zur Weltspitze. Ich kam mit ihm aus dem Wasser, war dran. Auf dem Rad habe ich mehr Watt getreten, als ich es eigentlich kann. Er fuhr mir dann sukzessive davon. Der Unterschied ist enorm. Auf Anhieb würden mir zehn weitere deutsche Athleten einfallen, die mir arge Probleme bereiten können. Aber dann irgendwann komme ich.

Dabei haben Sie auf der Strecke wichtige Zeit ver­loren.

Dirksmeier: Das ist richtig. Die Sattelstütze ist mir bei einer Bodenwelle ins Sitzrohr gerutscht. Ich brauchte einen Inbusschlüssel. Der Technische Support hat mir geholfen. Das war wie bei einem Boxenstopp in der Formel 1 – 45 Sekunden habe ich mit Sicherheit verloren. Das stört die Konzen­tration. Danach brauchst du locker eine halbe Stunde, um wieder reinzukommen.

Patrick Lange hat Ihnen nach dem Rennen eine WhatsApp-Nachricht geschickt. Was stand drin?

Dirksmeier: Er hat geschrieben: Der Patrick, der im Kraichgau auf Platz zwei steht, gewinnt auch Hawaii.

Das müssen wir erklären: Lange war 2018 Zweiter in Baden Württemberg und hat danach im Pazifik den bedeutendsten Ironman der Welt gewonnen. Das verpflichtet.

Dirksmeier: (lacht) Ich habe die Mitteldistanz als Vorbereitung für die Langdistanz in Frankfurt am 30. Juni ­genutzt. Das ist gleichzeitig das Qualifikationsrennen für Hawaii. Jan Frodeno, Patrick Lange und Sebastian Kienle werden den Sieg unter sich ausmachen. Alle drei sind bereits qualifiziert. Möglich, dass Platz sechs oder sieben sogar reichen würden. Ich bin bereit und werde mich vorbereiten. Wir wohnen mit meinen Schwiegereltern im Haus. Das ist die Luxusversion mit Kind – und gibt Freiraum.

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