Volleyball: Bundesstützpunkt
Trainer Christian Wolf verlässt Münster: „Das Leben ruft mich weiter“

Münster -

Fünf Jahre lang arbeitete Christian Wolf als Cheftrainer am Bundesstützpunkt in Münster. Er trainierte erst den USC Münster II, dann den VC Olympia, erlebte Höhen und Tiefen, Hoffen und Bangen. Nun beginnt ein neuer Abschnitt für den 33-Jährigen.

Dienstag, 09.07.2019, 21:30 Uhr aktualisiert: 10.07.2019, 16:04 Uhr
Auf Wiedersehen: Trainer Christian Wolf verabschiedete sich nach fünf Jahren am Dienstagabend vom Bundesstützpunkt.
Auf Wiedersehen: Trainer Christian Wolf verabschiedete sich nach fünf Jahren am Dienstagabend vom Bundesstützpunkt. Foto: fotoideen.com

Am Dienstagabend war sie vorbei, die Amtszeit von Christian Wolf. Im Sommer 2014 war er als Cheftrainer an den Bundesstützpunkt Münster gekommen, nun sagte er beim offiziellen Saisonabschluss des VC Olympia Münster „Auf Wiedersehen“. Wolf geht aus freien Stücken, der Abschied aber fällt ihm beileibe nicht leicht. „Ich stelle mein Leben auf den Kopf und trenne mich von vielen Menschen, die mich inspiriert haben und mir total viel bedeuten. Aber das Leben ruft mich weiter, ich bin bereit für neue Herausforderungen.“

Wohin es den 33-Jährigen zieht, kann er noch nicht verraten. In den Vereinssport, und da in den Erwachsenenbereich, will Wolf, der seit Ende April auch als Assistent von Bundestrainer Felix Koslowski beim Frauen-Team arbeitet. Aussichtsreiche Gespräche stehen vor dem Abschluss – sind aber halt noch nicht finalisiert. Fest steht, dass er durch die „prägende und aufregende Zeit in Münster“ (Wolf) eine Menge Erfahrungen mit zu seiner neuen Station nimmt. Im jungen Alter von 28 Jahren übernahm er die Aufgabe in Münster, wo er zuvor schon als Assistent des damaligen Coaches Peter Pourie gearbeitet hatte. Nach zwei Zwischenjahren am Schweriner Stützpunkt folgte die Rückkehr, als Chef übernahm er den USC Münster II, der früher als Stützpunkt-Team fungierte. Zwei Spielzeiten lang hielt Wolf mit den jungen Talenten in der 2. Bundesliga Nord die Klasse, in der Saison 2016/17 aber stieg die Mannschaft ab – eine chaotische Zeit begann.

Weder eine Sondergenehmigung für das Volleyball-Unterhaus noch eine Aufnahme in die 3. Liga West wurden der Stützpunkt-Auswahl gewährt, dem über die Jahre so erfolgreichen Projekt stand eine ungewisse Zukunft bevor – eine belastende, „extrem intensive Phase“ für Wolf und seine Mitstreiter um WVV-Sportdirektor Wolfgang Schütz, Jürgen Aigner (WVV-Vizepräsident Spielwesen) oder Landestrainer Pourie. „Ich habe damals meine Mitschuld an dem Abstieg getragen, habe vor der Saison nicht laut genug meine Bedenken vorgetragen“, sagt Wolf. „Wir standen auf der roten Liste des Ministeriums, hatten auf einmal keine Spielklasse mehr. Der Druck war groß. Aber rückblickend war die Niederlage das Beste, was uns passiert ist. Wir mussten unser Denken gezwungenermaßen und in kürzester Zeit ändern und konnten pro-aktiv handeln und unser neues Projekt gestalten“, erklärt der gebürtige Heilbronner. „Wir mussten unsere Geschichte selbst schreiben.“

Und das taten sie. Der entwickelte Plan B, der unter anderem in die Gründung des VC Olympia mündete, legte den Fokus auf die verstärkte Förderung der Talente – ohne Wettkampfdruck. Ein Jahr später verfeinerte die Stützpunktleitung unter den gemachten Erfahrungen das Konzept, eine Halbserie – und die nur auswärts – absolvieren die Nachwuchs-Volleyballerinnen seit dem vergangenen Sommer in Liga drei. „Wir haben den Plan angepasst und unser Projekt weiter optimiert, dazu gehörte auch das Messen unter Wettkampfbedingungen. Über allem aber steht die Entwicklung der Spielerinnen“, sagt Wolf, der nun das berühmte bestellte Feld hinterlässt und den Staffelstab an seinen Nachfolger Justin Wolff mit einem guten Gewissen weitergibt. „Ich bin mit mir im Reinen und laufe nicht weg. Ich habe meine Entscheidung getroffen und denke, dass es jetzt an der Zeit ist für neue Impulse.“

Seinen Job in Münster sieht er als erledigt an, nach den Turbulenzen vor zwei Jahren ist der Stützpunkt wieder in ruhigem Fahrwasser angekommen und hat „beste Perspektiven“, wie der scheidende Coach sagt. „Münsters Weg ist noch lange nicht vorbei, die Bedingungen für die Talente und Trainer sind hier hervorragend. Hier passt alles.“

Ihn aber zieht es weiter. Nach fünf Jahren, von denen „keines wie das andere“ war. Und die daher „extrem wertvoll“ waren für Wolf, für den Münster immer ein ganz besonderer Teil seiner Karriere bleiben wird.

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