Fußball: Westfalenliga
Hiltrups Trainer Christian Hebbeler im Interview: „Ich weiß, dass es Kritiker gab“

Münster -

Beim TuS Hiltrup hat mit der Installation von Christian Hebbeler definitiv eine neue Zeitrechnung begonnen. Der Coach ist erst 33, hat sich aber schon ein besonderes Netzwerk aufgebaut. Im Interview spricht er über seine Spielerberater-Tätigkeit, vor allem aber die Pläne am Osttor.

Donnerstag, 11.07.2019, 12:36 Uhr aktualisiert: 12.07.2019, 14:22 Uhr
Christian Hebbeler stand am vergangenen Sonntag erstmals als Trainer an der Seitenlinie des TuS Hiltrup.
Christian Hebbeler stand am vergangenen Sonntag erstmals als Trainer an der Seitenlinie des TuS Hiltrup. Foto: fotoideen.com

Als sich rund um den Jahreswechsel andeutete, dass nicht nur Trainer Carsten Winkler beim TuS Hiltrup die Segel streichen würde, sondern auch im Kader ein großer Umbruch vorgesehen ist, war die Aufregung nicht gerade klein. Der neue Coach Christian Hebbeler traf durchaus Widerstände an, ist jetzt aber umso glücklicher, dass er eine ambitionierte Mannschaft zusammengestellt hat. Im Interview spricht der 33-Jährige über seine Fußballverrücktheit, seine Pläne am Osttor und einen hochinteressanten Nebenjob.

13 Neue, vier weitere Youngster aus der A-Jugend und damit insgesamt 26 Spieler im Aufgebot – herrscht im Moment im Training Hochbetrieb?

Hebbeler: Wir sind erst mal froh, so viel Auswahl zu haben. Aber am Ende möchte ich mit 18, 19 Feldspielern arbeiten. Wenn der Kader zu groß ist, herrscht schnell Unzufriedenheit. Jonas Wiethölter geht studienbedingt jetzt erst mal bis Jahresende nach Riga. Und bei den A-Junioren warten wir natürlich mal ab, wie schnell sie sich bei uns entwickeln.

Ihr Einstieg war nicht ganz einfach, einige Altgediente sind gegangen. Wie haben Sie die ersten Wochen nach der Vertragsunterzeichnung erlebt?

Hebbeler: Ich weiß, dass es Kritiker gab. Aber das, was ich entschieden habe, habe ich aus voller Überzeugung getan. Wenn man etwas verändern will, und dieser Impuls wurde ja auch aus der Mannschaft gewünscht, dann geht das einfacher, wenn man als Außenstehender ohne Emotionen an die Dinge herangeht. Umso wichtiger ist es für uns, die ersten Spiele zu gewinnen. Ansonsten kommen die kritischen Stimmen schnell wieder, und dann zu Recht.

Das Umfeld am Osttor schaut ziemlich genau hin. Ist es auch ein Ziel, den Verein zu begeistern und mehr Zuschauer zu locken?

Hebbeler: Bei meiner letzten Trainerstation Preußen Lengerich hatten wir eine ähnliche Situation. Da war anfangs viel Unzufriedenheit. Damals sind wir von der Kreis- in die Landesliga durchmarschiert. Über ein gutes System, gute Charaktere und natürlich Erfolg wollen wir so viele Leute wie möglich mitnehmen.

Der TuS träumt seit zehn, zwölf Jahren davon, irgendwie die Oberliga anzugreifen. Ist das schon jetzt ein realistischer Schritt?

Hebbeler: Zunächst mal liegt unser Etat für die Westfalenliga im Mittelfeld. Aber das Ziel ist schon noch da. Wir müssen das nicht sofort schaffen. Die Strategie ist auf zwei, drei Jahre ausgelegt. Aber ich weiß auch, dass so etwas nicht planbar ist.

Und wenn sich doch die Möglichkeit ergibt, schon jetzt oben anzuklopfen?

Hebbeler: Dann haben wir die Option im Winter nachzujustieren. Oder aber in einem Jahr im Sommer, wenn wir das dann für notwendig halten.

Wie stark ist die Liga nach dem Preußen-Aufstieg?

Hebbeler: Ungefähr so wie in der letzten Saison. Es kommt darauf an, dass wir Ergebnisse abliefern, das ist unser Ansatz.

Welche Rolle spielt Ihr Co-Trainer Kay Göttsch?

Hebbeler: Er passt überragend hierher, kennt aus seiner Gievenbecker Zeit die Stadt, die Leute. Wir haben schon lange Kontakt, ich wollte ihn vor zwei Jahren schon nach Lengerich holen.

Sie arbeiten neben Ihrem normalen Job noch als Spielerberater. Wie sieht Ihr Business aus?

Hebbeler: Ich spreche darüber gar nicht so gerne, weil das Geschäft ja doch sehr schnelllebig ist. Ich kann sagen, dass es aus meinem langjährigen und großen Fußballinteresse heraus entstanden ist. Mit einem Freund habe ich damals eine Agentur gegründet, im vergangenen Jahr haben wir dann mit einer größeren Agentur fusioniert. Die heißt Noack Sports, das ist eine große Chance.

Kann der TuS von Ihren Kontakten häufiger profitieren? Am Sonntag kamen ja immerhin schon der SC Verl und der VfB Oldenburg als Testspielgegner nach Hiltrup.

Hebbeler: Was Spieler betrifft, eher nicht. Da bewegen wir uns mit Noack Sports ab der Regionalliga aufwärts. Aber ein Netzwerk habe ich nach all den Jahren natürlich aufgebaut.

Wie bekommen Sie die Dinge als Westfalenliga-Trainer, Spielerberater und normaler Arbeitnehmer unter einen Hut? Verheiratet sind Sie auch, dazu müssen Sie aus Ibbenbüren nach Münster fahren ...

Hebbeler: Zum Glück akzeptiert meine Frau das alles, sie hat mich so kennengelernt. Ich bin aber auch sehr flexibel aufgestellt, die Beratertätigkeit beschränkt sich in weiten Teilen ja auf die zwei Transferfenster im Jahr.

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