Reiten: Vielseitigkeit
Triumphale Klimke holt in Luhmühlen EM-Gold mit dem Team und im Einzel

Münster -

Ingrid Klimke konnte ihr Glück kaum fassen, hatte Tränen in den Augen und durfte sich dann tatsächlich zwei Goldmedaillen umhängen. Die Münsteranerin gewann bei der EM in Luhmühlen nicht nur mit dem Team, sondern auch im Einzel Gold.

Sonntag, 01.09.2019, 16:38 Uhr aktualisiert: 01.09.2019, 16:46 Uhr
Im Gelände wie später im Springen fehlerfrei blieb Ingrid Klimke mit Hale Bob – und jubelte damit über doppeltes EM-Gold
Im Gelände wie später im Springen fehlerfrei blieb Ingrid Klimke mit Hale Bob – und jubelte damit über doppeltes EM-Gold Foto: dpa

Als Ingrid Klimke ihre Aufgaben im abschließenden Springen der Vielseitigkeits-Europameisterschaft in Luhmühlen fehlerfrei gelöst hatte, hatte sie bereits eine Goldmedaille sicher. Ihr Ergebnis machte schon vor dem letzten Reiter Michael Jung den Sieg der deutschen Equipe vor Großbritannien und Schweden perfekt. Dass die Münsteranerin mit Hale Bob aber auch ihren Titel in der Einzelwertung verteidigte, hatte sie dem Abwurf von dem nach der Dressur und dem Geländeritt führenden Jung zu verdanken, der sich mit Chipmunk ausgangs der dritten zweifachen Kombination einen Fehler erlaubte und mit 24,90 Punkten hinter Klimke (22,20) rutschte. Bronze gab es für die Irin Cathal Daniels mit Rioghan Rua (29,00).

Für die Münsteranerin war es ein nahezu perfektes Wochenende, das mit einer hervorragenden Dressur begann. Im Viereck zeigte sich Hale Bob „unheimlich ausdrucksstark“, nur knapp reihte sich die Reitmeisterin auf Rang zwei ein. „Ich konnte alles so reiten, wie ich wollte. Es hat total Spaß gemacht, es fühlte sich locker und harmonisch an“, sagte Klimke.

Vielseitigkeits-EM in Luhmühlen

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  • Medaillenregen für den deutschen Pferdesport in Luhmühlen!

    Foto: Friso Gentsch
  • Bei der Vielseitigkeits-Europameisterschaft gingen die ersten beiden Plätze an Deutschland. Auch der Team-Titel ging an Deutschland.

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  • Mit einer Nullrunde auf dem 15 Jahre alten Hale Bob sicherte sich Ingrid Klimke im abschließenden Springen des Heim-Championats den Sieg.

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  • Die 51-Jährige aus Münster präsentiert ihre Goldmedaillen für den Sieg im Einzel und mit der Mannschaft.

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  • Ingrid Klimke ist damit zum zweiten Mal Europameisterin der Vielseitigkeitsreiter. Auch bei der EM vor zwei Jahren im polnischen Strzegom hatte Klimke gewonnen.

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  • Mit dem zweiten Platz musste sich Michael Jung zufrieden geben.

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  • Mit seinem Pferd Chipmunk hatte Jung nach Dressur und Geländeritt noch an erster Stelle gelegen.

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  • Das Duo Klimke/Jung holte sich in Lumühlen gemeinsam auch den Mannschafts-Titel. Zur Equipe gehörten auch Andreas Dibwoski aus Döhle auf Corrida und Kai Rüder (Bild) von der Insel Fehmarn auf Colani Sunrise.

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  • Zuschauer beobachten die Verfassungsprüfung nach dem Geländeritt. Dabei wird überprüft, ob das Pferd unverletzt ist.

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  • Sehen Sie im Folgenden weitere Impressionen von der Vielseitigkeits-EM in Luhmühlen.

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  • Die deutsche Vielseitigkeitsreiterin Josefa Sommer auf Hamilton wird zur Geländeprüfung geführt.

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  • ie deutsche Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffahrt auf Viamant du Matz reitet in der Geländeprüfung über ein Hindernis.

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  • Der deutsche Vielseitigkeitsreiter Kai Rüder auf Colani Sunrise reitet in der Geländeprüfung durch ein Wasserhindernis.

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  • Der deutsche Vielseitigkeitsreiter Michael Jung auf Chipmunk reitet in der Geländeprüfung durch ein Wasserhindernis.

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  • Das Pferd Tresor de Chignan der Vielseitigkeitsreiterin Caroline Gerber aus der Schweiz verweigert in der Geländeprüfung vor einem Hindernis.

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  • Die deutsche Vielseitigkeitsreiterin Nadine Marzahl auf Valentine reitet in der Geländeprüfung durch ein Wasserhindernis.

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  • Der irische Vielseitigkeitsreiter Tony Kennedy auf Westeria Lane reitet in der Springprüfung über ein Hindernis.

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  • Ein Turnierhelfer kühlt sich mit einem Tuch ab.

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  • Der britische Vielseitigkeitsreiter Oliver Townend auf Cooley Master Class reitet in der Dressurprüfung.

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  • Die deutsche Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke auf Hale Bob freut sich nach ihrer Dressurprüfung.

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  • Der niederländische Vielseitigkeitsreiter Tim Lips auf Bayro reitet in der Dressurprüfung.

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„Kurzer Ups” beim Geländeritt

Und im Gelände lief es für sie ebenso fantastisch weiter. Wie am Schnürchen galoppierte der 15 Jahre alte Wallach über den Kurs in der Lüneburger Heide, fehlerfrei und in der vorgegebenen Zeit bewältigte das Reitpaar die 5800 Meter lange Strecke, die Kursdesigner Mike Etherington-Smith mit 26 Hindernissen versehen hatte. „Auch hier hat alles so geklappt, wie ich es mir gewünscht habe. Ich hatte mir zuvor die anderen Starter angeschaut und gesehen, dass es sich gut reiten lässt“, meinte Klimke, die nur am zweiten Wasserhindernis an einer Hecke einen kurzen Hallo-Wach-Moment erlebte. „Da hat Bobby für eine Sekunde gestutzt. Aber ich hatte ihn direkt wieder vor den Hilfen, das war nur ein kurzer Ups. Er war sofort wieder fokussiert.“

Die Weichen für eine Einzelmedaille waren gestellt, der Vorsprung in der Teamwertung war dank der starken Ritte von Klimke, Jung sowie von Andreas Dibowski mit Corrida (im Einzel 16.) komfortabel.

Tränen in den Augen bei der Siegerehrung

Es war also angerichtet in Luhmühlen für die deutsche Equipe, zu der auch Kai Rüder mit Colani Sunrise (im Einzel 24.) gehörte. Ein doppelter Heimsieg war für die Schützlinge von Bundestrainer Hans Melzer greifbar – und wurde es am Sonntag dann auch. Einzig die Reihenfolge an der Spitze änderte sich nach den zwölf Hindernissen mit 15 Sprüngen noch einmal. Klimke bekam auf dem Abreiteplatz das Malheur von Jung mit, mit Tränen in den Augen nahm sie die Gratulationen für ihren zweiten Einzeltitel bei einer EM nach 2017 entgegen.

Ich bin einfach glücklich und froh, dass Hale Bob so super gut sprang.

Ingrid Klimke über ihr Pferd

Es folgten emotionale Momente bei der Siegerehrung, bei der sie immer wieder auf ihren sportlichen Partner zeigte. „Ich kann es noch gar nicht fassen. Ich bin einfach glücklich und froh, dass Hale Bob so super gut sprang. Ich bin dankbar, dass ich ihn habe“, sagte die Doppel-Europameisterin, die wie ihre Teamkollegen den Bundestrainer rundum glücklich machte. „Ich habe vorher geträumt, dass wir Erster und Zweiter sind und die Mannschaftswertung gewinnen“, sagte Melzer. „Ich wusste, dass es schwer wird. Dass es am Ende so souverän ist, hätte ich nicht gedacht.”

14 Dinge, die Sie über Ingrid Klimke wissen müssen

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  • Kein Aprilscherz: Ingrid Klimke wurde am 1. April 1968 in Münster geboren.

    Foto: Jim Hollander
  • Nach 2000 (Sydney), 2004 (Athen), 2008 (Peking/Hongkong) und 2012 (London) sind die Spiele in Rio ihre fünften.

    Foto: Fazry Ismail
  • Die 48-Jährige ist die Tochter des 1999 verstorbenen Dr. Reiner Klimke, der bis heute der siegreichste Dressurreiter der Welt und einer der erfolgreichsten Sommer-Olympioniken ist.

    Foto: Friso Gentsch
  • 2014/15 gewann sie als erste Deutsche die Gesamtwertung der FEI Classics.

    Foto: Jim Hollander
  • 2012 wurde Klimke das Silberne Lorbeerblatt verliehen, die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland.

    Foto: Michael Kappeler
  • Im Anschluss an ihre Schulzeit machte sie eine Lehre zur Bankkauffrau und begann dann noch ein Lehramtsstudium - um sich dann aber ganz der professionellen Reiterei zu widmen. Mit Erfolg, wie unzählige nationale und internationale Triumphe beweisen.

    Foto: Fazry Ismail
  • Beim K+K-Cup 2012 erhielt Ingrid Klimke den Titel des Reitmeisters - als zweite Frau überhaupt. Die Auszeichnung ist eine der höchsten in der deutschen Reiterei.

    Foto: Friso Gentsch
  • Die Münsteranerin hat mit Stallmanagerin Carmen Thiemann ein der besten ihres Faches in ihrer Crew. 2013 erhielt Thiemann vom Weltreiterverband den „Best Groom Award“.

    Foto: Friso Gentsch
  • Naturgemäß kletterte Ingrid Klimke schon als kleines Mädchen in den Sattel. „Ich konnte eher reiten als laufen“, sagt sie daher oft scherzhaft.

    Foto: Friso Gentsch
  • Ingrid Klimke ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Vielseitigkeitsreiterin. Nicht nur in dem hippologischen Dreikampf ist sie Weltklasse, auch in der Dressur siegte sie schon in Prüfungen auf Grand-Prix-Niveau. Dazu gewann sie ebenso im Springparcours Goldene Schleifen.

    Foto: Friso Gentsch
  • Als waschechte Münsteranerin versucht sie, sich jeden Mittwochvormittag freizuschaufeln, um auf den Markt zu gehen.

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  • Ingrid Klimke ist die Mutter zwei Töchter, die Greta und Philippa heißen. Mit Greta saß eine der beiden bereits in der Pony-Vielseitigkeit erfolgreich im Sattel.

    Foto: Jim Hollander
  • Ingrid Klimke ist zweifache Olympiasiegerin mit der deutschen Equipe (2008/2012). Eine olympische Einzelmedaille aber fehlt ihr noch.

    Foto: Uwe Anspach
  • Ingrid Klimke stand vor den Olympischen Spielen als eine von fünf Athleten zur Wahl, bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne ins Stadion zu tragen. Am Ende machte Tischtennis-Star Timo Boll das Rennen. Klimke wäre die erste Frau gewesen, die die Disziplin Reiten als Fahnenträgerin vertreten hätte.

    Foto: Michael Kappeler
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