Boxen: Open-Air-Event in Cagliari
Superschweres Kämpferherz – Dariusz Lassotta trifft Clemente Russo

Münster -

Für Dariusz Lassotta ist es ohne Frage ein Höhepunkt in seiner noch jungen Karriere. Am Freitag darf es das Talent des Boxzentrums Münster in Italien mit Clemente Russo aufnehmen.

Dienstag, 17.09.2019, 11:20 Uhr
Daumen hoch: Engin Bereketoglu traut Dariusz Lassotta im Kampf gegen Clemente Russo alles zu.
Daumen hoch: Engin Bereketoglu traut Dariusz Lassotta im Kampf gegen Clemente Russo alles zu.

Elf vor Christus. Auf dem „Burghügel“ des Bergkamener Stadtteils Oberaden entsteht eine riesige römische Militärstadt. Die bedeutendste Anlage im Germanien dieser Zeit. 1905 wurde sie bei Ausgrabungen entdeckt. Das gut 12 000 Einwohner starke Dorf war über Nacht um eine Sehenswürdigkeit reicher. Heute finden an dem geschichtsträchtigen Ort viele Veranstaltungen mit Römern und halbnackten Gladiatoren statt. Das Motto: „Zu leben heißt zu kämpfen!“

Ein Slogan, den Dariusz Lassotta, wohnhaft in der Ortschaft im Kreis Unna, beherzigt. Das 21-jährige Talent aus dem Boxzentrum Münster schickt sich an, in die Welt der ganz schweren Jungs einzutauchen. Am Donnerstag steigt er in den Flieger gen Sardinien. Dort, in der Hauptstadt Cagliari, nimmt er die Einladung zu einem hochkarätig besetzten internationalen Turnier wahr. Sein Gegner am Freitag: Clemente Russo, Silbermedaillengewinner bei Olympia 2008 in Peking und 2012 in London. Ein großer Name.

Kalenderwoche 38, ein Montagabend. Lassotta hat eine zweistündige Einheit hinter sich. Frisch geduscht nimmt er im Auto seines Trainers Platz. „Der Junge muss was essen“, sorgt sich Engin Bereketoglu. Er kutschiert ihn zu einem Imbiss. „Viel Fleisch und Salat braucht er jetzt.“ Mit seinen 102,5 Kilogramm auf den Rippen sieht Lassotta nicht unbedingt so aus, als sei er nur Haut und Knochen. Aber das Gewicht muss er halten. Um dem Italiener Russo die ganze Muskelbreite bieten zu können. „Ja, er boxt in der Höhle des Löwen“, sagt Bereketoglu. Mehrere Tausend Italiener werden zur Open-Air-Veranstaltung erwartet. Sportlich ein ganz großer Tag für den Herausforderer. „Ich werde eine Legende boxen“, sagt Lassotta mit einer Portion Bewunderung. Russo hat viele Berühmtheiten vor den Fäusten gehabt. Bei den Spielen im Zeichen der Ringe haute er 2008 den aktuellen WBC-Weltmeister Deontay Wilder im Schwergewicht im Halbfinale aus den Latschen.

Ehrfurcht und Respekt ja, Angst nein. „Ich glaube immer an meine Chance“, sagt der junge Mann aus Oberaden selbstbewusst. Sein Trainer nickt ihm zustimmend zu. „Er hat schon beim Länderkampf in Australien bewiesen, was in ihm steckt.“ Engin Bereketoglu hat so viel Vertrauen in seinen Schützling, dass er ein paar Euro auf ihn wetten würde. Begleiten kann er ihn nicht, weil er seinen Urlaub in diesem Jahr schon sämtlichen Events geopfert hat. „Da blutet mir das Herz“, sagt der erfahrene Übungsleiter, der weiß: „Wenn Dariusz so unbekümmert weiter macht, kann er im Superschwergewicht eine Nummer werden.“ Der Weg in die Weltspitze führt neben Münster über Hamm. Dort wird der „Puncher“ im Dezember die Farben des Märkischen Boxrings in der Bundesliga tragen. Das steht seit dieser Woche fest. Der nächste Schritt. Zu leben heißt zu kämpfen! Für Lassotta mehr als nur ein Motto. Eine Verpflichtung.

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