Rad: Sparkassen-Münsterland-Giro
„Gorilla“ André Greipel mit dem Sieger-Gen kommt auch im Karriereherbst

Münster -

Der geborene Triumphator. Auch im Herbst seiner Karriere will André Greipel nicht einfach nur mitschwimmen im Feld, sondern „immer gewinnen“. Auch beim Münsterland-Giro ist der Sprintstar mit seinen 37 Jahren wieder dabei.

Freitag, 20.09.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 20.09.2019, 22:40 Uhr
Erfolge haben seinen Weg gepflastert – 156 an der Zahl: Damit ist André Greipel weltweit führend im Ranking der noch aktiven Fahrer. Das Foto zeigt ihn nach einem Etappensieg beim Giro’d Italia 2017.
Erfolge haben seinen Weg gepflastert – 156 an der Zahl: Damit ist André Greipel weltweit führend im Ranking der noch aktiven Fahrer. Das Foto zeigt ihn nach einem Etappensieg beim Giro d’Italia 2017. Foto: dpa

Er strotzt nur so vor Kraft. Die Statur muskulös – der Körper eine reine Angriffsmaschine. André Greipel steht mit 37 Jahren noch immer voll im Saft. Der „Gorilla“, so wird der gebürtige Rostocker wegen seiner beeindruckenden Physis genannt, ist in all den Jahren zu einer Galionsfigur beim Sparkassen-Münsterland-Giro geworden. Kaum ein Rennen hat er ausgelassen, 2008 und 2014 triumphierte er vor dem Residenzschloss. Zwei von 156 Erfolgen in seiner Karriere.

Damit steht er ganz oben – weltweit. Kein aktiver Fahrer hat mehr Titel geholt. Kein Peter Sagan, kein Mark Cavendish. Phänomenal. Das Münsterland darf sich freuen – der Sprinter schiebt sich am 3. Oktober im Profifeld durch die Region und will nach den gut 200 Kilometern ein gehöriges Wort um den Sieg mitreden.

Greipel, diese treue Seele. Acht Jahre gehörte er bei Lotto-Soudal zum Establishment. Bei der belgischen Equipe stieg er zum Sprintkönig auf – bis sich 2018 die Wege trennten. Auf eine Verlängerung des auslaufenden Arbeitspapiers hatten sich beide Seiten nicht einigen können. Da manchmal ein Schritt zurück mehr ist als zwei Schritte nach vorne, schloss er sich dem französischen Zweitliga-Team Arkéa-Samsic an, das für die Tour de France in diesem Jahr eine von zwei Wildcards erhielt. „Ich fühle mich sehr wohl“, sagt er. Einzige Einschränkung: Im Konzert der ganz Großen spielt er nicht mehr. „Ich werde nicht jünger“, wirft er ein. Das Karriereende naht. Teamkollege Robert Wagner, 2011 Deutscher Meister im Straßenrennen, ist da ein Stück weiter. Er sagt nach dieser Saison „Adieu“. Münster taugt gut zum finalen Akt.

Dass die Franzosen beim Giro gemeldet haben, ist der Eigeninitiative Greipels geschuldet. Als Chef-Organisator Rainer Bergmann beim „Gorilla“ durchfunkte, um endlich die Zusage einzuholen, stellte sich heraus, dass unter den Vertrag noch keine Tinte gesetzt wurde. „Ich habe schon darauf gedrängt, hier zu fahren“, so Greipel. „Für mich ist das ein ganz spezielles Rennen.“

Zweimal tourt er noch in Belgien, einmal in Frankreich – dann lässt er die Serie mit dem Akt in der Region langsam ausklingen. „Ich merke, dass ich müde bin. Und der Kopf macht nicht mehr so mit wie früher.“ Sagt einer, der körperlich ausschaut, als könnte er weitere Bäume ausreißen.

Die WM in Yorkshire wird er gebannt verfolgen. „In Ruhe bei einer Tasse Kaffee.“ Greipel geht auf die 40 zu. Da verschieben sich die Prioritäten. Aber das Sieger-Gen hat er intus. „Ich will gewinnen, immer.“ Münster ist bereit für den „Gorilla“.► Neben dem Team Arkéa-Samsic haben mit Gazprom-Rusvelo (Russland), der Israel Cycling Academy, Rally UHC Cycling (USA), Roompot-Charles (Niederlande), Sport Vlaanderen-Baloise, Wanty-Gobert Cycling Team (beide Belgien), Totaal Direct Energie und Vital Concept - B&B Hotels (beide Frankreich) acht weitere Pro-Continental-Teams gemeldet.

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