14. Sparkassen-Münsterland-Giro
Ausreißer Moritz Stähle wird gestellt

Münster -

Unter den 4397 gemeldeten Jedermännern waren auch die ambitionierten Amateure. Im Rahmen des German-Cycling-Cups schaffte es Moritz Stähle aus dem münsterischen Leeze-Team aber nicht, sein Gelbes Trikot zu verteidigen.

Freitag, 04.10.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 04.10.2019, 19:43 Uhr
Ab durch die Rieselfelder: 4397 Jedermänner waren am Start, sieben weniger als 2018 (4404). Moritz Stähle vom Leeze-Team fiel auf Rang drei zurück und ließ sich von Florian Otterpohl trösten (kleines Foto rechts), bei den Frauen waren Vanessa Wulf, Michaela Jux und Juliane Matzke (kleines Foto links, von links) einfach nur happy.
Ab durch die Rieselfelder: 4397 Jedermänner waren am Start, sieben weniger als 2018 (4404). Moritz Stähle vom Leeze-Team fiel auf Rang drei zurück und ließ sich von Florian Otterpohl trösten (kleines Foto rechts), bei den Frauen waren Vanessa Wulf, Michaela Jux und Juliane Matzke (kleines Foto links, von links) einfach nur happy. Foto: Jürgen Peperhowe

Der Plan entstammt einem alt bekannten Radfahrer-Motto: „Lieber vorne sterben als hinten nichts erben“ – das „Leeze Team by tinteistbesser.de“ ging am Donnerstag im Rahmen des German-Cycling-Cups (GCC) volles Risiko. Nach dem sensationellen Doppelsieg 2018 haben sich die Jungs die Titelverteidigung auf die Fahnen geschrieben. Die Mannschaftswertung ist bereits vor dem Finale in Münster safe. Aber kann Moritz Stähle das gelbe Dress des Führenden ins Ziel retten?

Dramaturgisch wertvoll, dieser letzte Akt. Aber nichts für Weichspüler. So was geht an die Nerven. Florian Otterpohl, Sportlicher Leiter, schleicht am Morgen des 3. Oktobers beim Start in der Regina-Protmann-Straße in die Startbox. Unempfänglich für jegliche Alles-Gute-Wünsche. Tunnelblick. 130 Kilometer liegen vor den Seinen. 130 Kilometer, die über Wohl oder Wehe entscheiden. „Es wird knapp“, sagt Otterpohl. Er steigt ins Begleitfahrzeug. Will Tipps geben. Nur wenn Stähle den ärgsten Konkurrenten Anthony Spysschaert (Team Deutsche Kinderkrebsstiftung) auf Distanz hält, ist der Doppelpack drin.

Ausreißversuch bei Kilometer fünf – gescheitert. Nach 33 Kilometern probieren es die Leeze-Biker nochmals – passt. Stähle, Vorjahressieger Patrick Altefrohne und Daniel Westmattelmann machen sich mit einer fünfköpfigen Gruppe auf – und hoffen. Knapp 20 000 Meter vor dem Zielstrich vor dem Schloss werden sie aus allen Träumen gerissen. Das Feld stellt die Jungs. Westmattelmann ist zu diesem Zeitpunkt aufgrund eines Defekts bereits aus dem Spiel. Stähle rollt als 34. rein, rutscht in der Gesamtwertung auf Rang drei ab. Christoph Mai (Team Strassacker) gewinnt, Spysschaert sichert sich als Fünfter den GCC-Titel.

„Klar ist das enttäuschend“, ringt Stähle unmittelbar nach dem Rennen um Worte. Bei einem alkoholfreien Kaltgetränk sagt er aber auch dies: „Jetzt alles in die Tonne zu kloppen wäre falsch. Die Saison war top.“ Er und seine Crew werden 2019 einen neuen Anlauf auf Gelb nehmen.

Rundum mit sich und der Welt im Reinen wirken Münsters Frauen, die den GCC 2019 mit geprägt haben. Juliane Matzke (Pluggendorfer Kreisel) wird Tagessiebte, verteidigt Platz zwei in der Jahreswertung bei der Siegerehrung. Michaela Jux (Siena Garden) fährt als Zehnte über den Zielstrich – und fängt an zu grübeln. Wo wäre sie gelandet, wenn da nicht der Sturz gewesen wäre? „Ein Eichhörnchen hat den Weg gekreuzt“, erzählt sie. Und dann geht alles so schnell. Das Nagetier hat überlebt.

Vanessa Wulf (Team Paintrain) nimmt an diesem Tag die kleine Strecke auf sich. 60 Kilometer zum Abschluss vor der Haustür. Platz drei – ganz stark. In der Gesamtwertung rückt sie auf fünf vor. „Jetzt werden wir feiern“, sagt die 28-Jährige erschöpft.

63 Erstversorgungen beim Giro

63 verletzte Radsportler mussten die Einsatzkräfte von ASB, DRK, Johannitern und Maltesern während des 14. Sparkassen-Münsterland-Giros sanitätsdienstlich erstversorgen. Elf Transporte nach Erstversorgung zur Weiterbehandlung in umliegende Krankenhäuser waren notwendig. Einmal kam dabei ein Rettungstransporthubschrauber zum Einsatz.

In der Feuerwache 1 am York-Ring hatte die Feuerwehr Münster mit den vier Hilfsorganisationen eine gemeinsame Einsatzleitung eingerichtet, die die Arbeit der zwei Krankentransportwagen, der acht Rettungswagen, der 14 Kräder, eines Notarzteinsatzfahrzeugs sowie der zwei mobilen und der festen Unfallhilfsstelle zur Sicherung der Teilnehmer und Zuschauer entlang der fast 200 Kilometer langen Strecke koordinierte. „Das überwiegend trockene und milde Wetter begünstigte den positiven Verlauf der Jedermann-Rennen des  Giros bis zum frühen Nachmittag“, so Gesamteinsatzleiter Ludger Kolodziej von der Berufsfeuerwehr Münster. 

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Ein langer Tag neigt sich dem Ende entgegen. Die ambitionierten Jedermänner lassen die Saison in der Altstadt bei einem Gläschen ausklingen. Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange. Die Straßensperrungen, die trotz der vielen Hinweise und Flyer immer wieder für den einen oder anderen ein Ärgernis sind, werden aufgehoben. Der Radsport ruht. Bis zum 3. Oktober 2020.

Kommentar

Der Giro bewegt

Dieter Rosenbaum hatte die weiteste Anreise aller Jedermänner. Mister „Triathlon“ flog aus Busan ein. Knapp 8800 Kilometer für den Giro. Einmal mitgehangen, immer mitgefangen!

Zugegeben: Rosenbaum nimmt gerade seinen Resturlaub – nutzte die Gunst der Stunde. Dass er über den 3. Oktober in der Domstadt einkehrt, zeigt aber doch, welche Bedeutung das Event mittlerweile für ihn und so viele andere angefixte Hobbyradsportler oder ambitionierte Amateure hat. Es ist eine zur Gewohnheit gewordene, oft vielleicht sogar unreflektierte Verhaltensweise: am Tag der Deutschen Einheit wird im Münsterland das Rad entstaubt. Können 4397 Aktive irren?

Für ihre Passion bringen sie sich gerne um den Schlaf. Mitten in der Nacht oder am frühen Morgen geht es raus aus den Federn, wird das Müsli gecrasht, der Smoothie gepresst. Nur die Tasse Kaffee bleibt leer – ein unliebsamer Begleiter auf den 130, 100 oder 60 Kilometern.

Ausnahmslos in 160 glückliche Gesichter blickt Ex-Profi Jens Voigt. Er hat den Fun-Block ins Ziel geleitet. Mit einem 28er-Schnitt. Geschafft. Selbst Anfänger halten beim Giro Schritt. Radsport schweißt zusammen. Im Kollektiv ist keine Hürde zu hoch.

„Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren“, hat John F. Kennedy einmal gesagt. Wissen Sie was? Er hat recht. Der Giro bewegt!

von André Fischer

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