Volleyball: Bundesliga Frauen
Die USC-Erkenntnis: Gut, aber nicht gut genug für Stuttgart

Münster -

Es war schon erstaunlich, mit welcher Wucht und Genauigkeit der USC Münster im ersten Satz über den Deutschen Meister Allianz MTV Stuttgart hinweggefegt ist. Stark – genau wie die Reaktion des Titelverteidigers der seine ganze Klasse aufbieten musste, um den jungen USC in seine Schranken zu weisen.

Sonntag, 06.10.2019, 15:43 Uhr aktualisiert: 06.10.2019, 16:03 Uhr
Ivana Vanjak spielte stark in der Annahme, im Angriff hat sie noch Luft. Teun Buijs (kl. Foto) sah zu viele kleine Fehler.
Ivana Vanjak spielte stark in der Annahme, im Angriff hat sie noch Luft. Teun Buijs (kl. Foto) sah zu viele kleine Fehler. Foto: Jürgen Peperhowe

Wie gern hätte sich der USC gleich an diesem ersten Spieltag der Saison etwas Zählbares gekrallt. Am Ende stand im Match gegen Meister Allianz MTV Stuttgart ein Satz auf der Habenseite. Der ist in der Tabelle nur in der Feinwertung von Belang, aber er sollte Mut und Lust machen für die kommenden Aufgaben. Vor 1618 Zuschauern unterlag Münster am Samstagabend 1:3 (25:13, 17:25, 20:25, 19:25). Das Ergebnis gab die Kräfteverhältnisse korrekt wieder. Die Schwaben waren die bessere Mannschaft, der USC allerdings nicht weit entfernt. „Ich bin insgesamt zufrieden mit unserem Spiel. In der Zukunft müssen wir an den kleinen Sachen arbeiten, da müssen wir besser werden“, konstatierte Trainer Teun Buijs.

Was der im Sommer stark veränderte Bundesligist zu leisten imstande ist, zeigte er im ersten Satz. Da bediente er die komplette Klaviatur der komplizierten Sportart im Kollektiv virtuos. Münster spielte mutig, großartig, fehlerfrei – und Stuttgart hatte keinerlei Antwort. „Das war vogelwild, ich habe auf unserer Seite ein ziemliches Chaos gesehen“, meinte MTV-Managerin Kim Renkema. „Bei uns war es perfekt“, sagte Buijs.

Mit Beginn des zweiten Satzes waren die Gäste um die überragende US-Amerikanerin Krystal Rivers (29 Punkte) dann am Berg Fidel angekommen. Ihr Spiel wurde besonnener, im Block und in der Abwehr fischten sie nun mehr Bälle und am Netz nahm Rivers wenig Rücksicht auf Spielgerät und Gegner: Mit gnadenloser Härte und großer Präzision brachte sie die Kugel an Münsters Händen vorbei. „Rivers hat den Unterschied gemacht“, sagte ­Buijs später.

Tatsächlich war es ja nicht so, als habe der USC nach dem grandiosen ersten Akt sein Publikum enttäuscht. Nur spielten die Protagonisten in der Folge ihre Rollen nicht mehr ganz so famos. Buijs haderte mit „zu vielen Eigenfehlern und zu vielen falschen Entscheidungen.“ Dazu habe das Team mitunter die Linie verlassen. „Wir brauchen da mehr Disziplin.“

Bis zum Schluss blieben die Unabhängigen beherzt. Mit personellen Wechseln bemühte sich der Coach um neue Impulse. Geburtstagskind Liza Kastrup (20) kam auf der Diagonalen für die im Auftaktsatz grandiose Luisa Keller, Taylor Nelson im Zuspiel für Sarah van Aalen und Juliane Langgemach im Mittelblock für Barbara Wezorke. Stuttgart beeindruckte das Kommen und Gehen auf der anderen Seite nicht, spätestens in der Mitte der Sätze spielte es seine internationale Qualität und seine Größenvorteile gegen Münsters Talentschmiede entscheidend aus.

„Wir müssen das so hinnehmen, Stuttgart ist ja richtig gut. Aber auch unser Auftritt war stark. Im ersten Satz haben wir am Maximum gespielt. Für die Zukunft ist es das Ziel, dieses Niveau länger zu halten“, erklärte Nationalspielerin Ivana Vanjak. Mit 24 Jahren ist sie die drittälteste Spielerin im USC-Kader.

Münsters Saisonstart war nicht erfolgreich, dennoch überzeugend. Und Stuttgart heilfroh, die Aufgabe gemeistert zu haben. „Der USC hat viel Energie, eine gute individuelle Qualität und gibt nie auf. Er kann wirklich jeder Mannschaft gefährlich werden. Gerade in eigener Halle“, sagte MTV-Managerin Renkema kurz bevor Stuttgart Münster verließ. Der USC macht sich am Mittwoch auf den Weg zum ersten Auswärtsspiel. Bei SW Erfurt sollte es gelingen, die ersten Saisonpunkte einzufahren.

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