Infoabend im Kreis Münster
Missbrauch im Sport: „Passivität ist nur Täterhilfe“

Münster -

Das Thema „Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ ist ein mit großer Sensibilität zu behandelndes Thema. Der Aufgabe stellt sich auch der Fußballkreis Münster.

Mittwoch, 09.10.2019, 19:22 Uhr aktualisiert: 09.10.2019, 20:53 Uhr
Infoabend im Kreis Münster: Missbrauch im Sport: „Passivität ist nur Täterhilfe“
(Symbolbild) Foto: dpa

Das Thema „Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ ist ein virulentes, gleichwohl unbequemes und nur mit großer Sensibilität zu behandelndes Thema. Der Aufgabe stellt sich auch der Fußballkreis Münster, der unter dem Vorsitzenden Norbert Krevert zum ersten von mehreren Themenabenden abseits des Spielbetriebs einlud. 50 Interessierte kamen zur Pflichtveranstaltung in den VIP-Bereich des Preußenstadions, hörten zu und diskutierten.

Denn das, was Irmhild Venschott, im Kreisvorstand für Vereins- und Kreisentwicklung verantwortlich sowie als Referentin für Gewaltprävention im Thema, in ihrem sehr informativen und gründlichen Impulsvortrag beschrieb, geht alle an, die sich der Jugendarbeit widmen, also einem Kerngebiet jeder Vereinsarbeit. „Ich weiß, dass dieses Thema ein schwieriges ist“, sagte die zweite Vorsitzende von Borussia Münster, die selbst schon lange als Trainerin aktiv ist. Und für sich beschlossen hat, eine Fortbildung zur Gewaltpräventions-Pädagogin abzuschließen.

 Täterstrategien & Präventionsmaßnahmen 

Venschott sorgte mit einer klaren Definition der sexualisierten Gewalt, mit Zahlen und Fakten, mit Infos zu Täterstrategien und Hinweisen zu Präventionsmaßnahmen sowie dem Vorgehen bei Verdachtsmomenten für jenen Input, den es hier dringend braucht. „Passivität in diesem Thema ist nur Täterhilfe“, sagte sie entschlossen und appellierte an alle, „offen und laut darüber zu reden, statt zu schweigen“. Auch wenn sich manche anfangs überfordert fühlen mögen. „Wir geben ihnen jede Unterstützung“, versprach Venschott, die selbst etliche Wege zur Informationsbeschaffung nutzte, den Clubvertretern.

Die stecken schließlich, egal aus welcher Tätigkeit heraus, in einer die Gesellschaft tragenden Rolle. In einer Gesellschaft, die wachsam sein muss gegenüber Gefahren für die Schutzbefohlenen. Und die mit erschreckenden Zahlen konfrontiert ist: Täglich werden in Deutschland 40 Fälle sexualisierter Gewalt zur Anzeige gebracht. Die Dunkelziffer, weiß Venschott aus der Polizei-Statistik, liegt wohl um das 20-fache höher. Traurig. Der Sport, in dem Nähe und Körperlichkeit gelebt werden, kann Täter regelrecht anziehen, die sich oft emotional Bedürftige aussuchen für ihre massiven und traumatisierend auswirkenden Grenzüberschreitungen.

Erste Schritte zur vorbeugenden Wachsamkeit können laut Venschott „die klare und verschriftlichte Positionierung des Vorstands sein“, ein festgelegter Verhaltenskodex unter der Mitarbeit aller, die Benennung von weiblichen und männlichen Ansprechpartnern, das Einholen des erweiterten Führungszeugnisses von Mitarbeitern sowie die klare Selbstverpflichtung „zur Stärkung der Persönlichkeit“ im Nachwuchsbereich.

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