Fußball: Bezirksliga
Sonderbehandlung? Bloß nicht – Daniel Bartelink ist bei BW Aasee gesetzt

Münster -

Daniel Bartelink ist ein echter Flügelflitzer. Die linke Außenbahn pflügt er rauf und runter. Dabei ist er seit Geburt gehandicapt: dem 23-Jährigen fehlt der linke Unterarm.

Freitag, 11.10.2019, 15:04 Uhr aktualisiert: 12.10.2019, 16:14 Uhr
Schmeißt sich in jeden Zweikampf: Daniel Bartelink fühlt sich in keiner Weise gehandicapt.
Schmeißt sich in jeden Zweikampf: Daniel Bartelink fühlt sich in keiner Weise gehandicapt. Foto: Christian Lehmann

Das Magazin „11Freunde“ tituliert ihn im August 2018 als den „einarmigen Helden von Itagüí“. Santiago Arroyave heißt der Junge, über den die Welt spricht – und staunt. Als 18-Jähriger feiert der Kolumbianer in einem Pokalspiel seines Clubs Leones FC sein Debüt als Profi. Das, was die Menschen fasziniert: Arroyave fehlt seit der Geburt der linke Arm. Die Geschichte rührt. Geht in den sozialen Netzwerken viral. Und zeigt: Ein unbändiger Wille kann Berge versetzen – Handicap hin oder her.

Daniel Bartelink wird im vergangenen Jahr oft auf diese Story angesprochen. „Hast du das gelesen?“ ist eine der meist gestellten Fragen an den Außenflitzer des Fußball-Bezirksligisten BW Aasee. Der 23-Jährige weiß, warum. Ihn und Arroyave eint dasselbe Schicksal: Dem Kicker, der im niederländischen Den Haag geboren wurde, fehlt der linke Unterarm seit der Geburt.

Zwei Schicksale – eine Meinung: „Ich bin und lebe ganz normal, mag keine Sonderbehandlungen“, sagt Bartelink mit Nachdruck. Er studiert Englisch und Biologie auf Lehramt. Die Bachelorarbeit steht unmittelbar bevor. Ein junger Mann geht seinen Weg – die Behinderung wird nicht als solche empfunden. „Ich bin damit groß geworden“, sagt er. Ein Vorbild.

Auch auf dem Grün. An der Bonhoefferstraße gehört der angehende Pädagoge zum festen Inventar. „Ich schätze ihn sehr“, sagt sein Trainer André Kuhlmann. „Er ist eine absolute Stütze.“ Eine, die sich zu hundert Prozent mit dem Verein identifiziert. Bartelink ist Teil des Vorstandes der Fußball-Abteilung. Er bringt sich ein.

Ich bin nie aufgezogen oder beleidigt worden.

Daniel Bartelink

Mit vier Jahren tritt er erstmals gegen die Murmel. „Klar gab es die einen oder anderen komischen Blicke, aber ich bin nie aufgezogen oder beleidigt worden“, erinnert er sich. Und gibt zu: „Die Bewunderung und der Respekt haben überwogen.“ Mit sechs Jahren zieht er mit seinen Eltern ins westliche Münsterland nach Heek im Kreis Borken. Er will flemmen, schließt sich dem SV an – und durchläuft alle Juniorenteams. In der ersten Herrenmannschaft fasst er schnell Fuß. Gehandicapt? Nein! „Ich bin normal“, sagt einer, der ganz nebenbei Volleyball und Tennis spielt und, wenn es die Zeit erlaubt, gerne ein paar Bahnen im Schwimmbad dreht.

Am Dienstag im Derby gegen den VfL Wolbeck ist der flinke Techniker außen vor. Beim torlosen Remis in Burgsteinfurt zog er sich eine Oberschenkelverletzung zu. Die genaue Diagnose steht noch aus. „Er ist kaum zu ersetzen“, adelt ihn sein Trainer. Bartelink ist gesetzt – wenn er fit ist.

Körperlich beeinträchtigt fühlt er sich nicht, „weil ich alles machen kann“, sagt er. Stopp: „Den Einwurf lasse ich denn doch weg“, lacht er. Herzlich. Das kann er, weil er sich nicht wichtiger nimmt als andere. Warum auch? Genau wie Santiago Arroyave. Der Kolumbianer aus Itagüí.

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