Fußball: 3. Liga
Nach Remis: Preußen-Trainer Hübscher stresst vor allem die Tabelle

Münster -

Gefühlt hat der SC Preußen Münster am Montagabend mit dem starken Auftritt gegen Braunschweig einen Schritt aus der Krise gemacht. In der Tabelle lässt sich das leider nicht erkennen. Trainer Sven Hübscher muss nun die gefühlte Wahrnehmung mit der sichtbaren Wirklichkeit in Übereinstimmung bringen.

Dienstag, 12.11.2019, 17:35 Uhr aktualisiert: 12.11.2019, 19:11 Uhr
Braunschweigs Ex-Preuße Martin Kobylanski und Niklas Heidemann (r.).
Braunschweigs Ex-Preuße Martin Kobylanski und Niklas Heidemann (r.). Foto: Jürgen Peperhowe

Die seit Jahren erprobten Mechanismen der Fußballbranche sind in Münster in dieser Saison außer Kraft gesetzt. Das elfte sieglose Spiel am Stück, das 1:1 am Montag gegen Eintracht Braunschweig, festigte den Rückhalt und das Standing von Trainer Sven Hübscher tatsächlich – obwohl der Club in der 3. Liga noch nie eine solche Serie hin­gelegt hatte. Unter Pavel Dotchev und Ralf Loose war der SCP im Sommer und Herbst 2013 zehnmal nicht als Gewinner vom Platz gegangen.

Doch es war ja richtig, was Niklas Heidemann hinterher sagte: „Wir haben das Spiel dominiert, darauf können wir aufbauen.“ Anders als neun Tage zuvor beim 3:3 gegen Chemnitz schlich kein Preuße geknickt vom Rasen. Wenn das Festhalten an Hübscher wirklich der Überzeugung geschuldet ist, dass die große Wende noch gelingen kann, dann ist das eine wohltuende Ausnahme im Business. Bewerten lässt sich diese Haltung natürlich erst, wenn der Klassenerhalt geschafft ist – oder eben nicht.

Viel Applaus nach Abpfiff

Seit Montag ist immerhin die Zuversicht zurück. „Noch ist nichts verloren. Wir müssen einfach mal gewinnen“, befand Ausgleichstorschütze Heinz Mörschel. Die Zuschauer stützten mit dauerhafter Anfeuerung, dem Verzicht auf Schmähgesänge und viel Applaus nach Abpfiff die Hoffnung. „Wer die Reaktion nach dem Spiel ­gesehen hat, kann auch etwas Positives rausziehen“, sagte Kapitän Julian Schauerte.

Coach Hübscher ahnte, woran der Schulterschluss festzumachen war. „Wir haben wieder nicht aufgegeben, diese Qualität müssen wir uns beibehalten. Wenn wir so weitermachen, werden wir die Situation zum Kippen bringen.“

Preußen Münster - Eintracht Braunschweig

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  • Erdogan gegen Leandro Putaro

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Hoffmann gegen Wiebe

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  • Torwart Oliver Schnitzler muss eingreifen

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  • Özcan gegen Benjamin Kesse

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  • Scherder und Erdogan gegen Robin Ziegele

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  • Kobylanski gegen Heidemann

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  • Torchance für Mörschel

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  • Fans danken Stadionsprecher „Kerni“ für seinen 500. Einsatz.

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  • Wiebe gegen Özcan

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Mit der Rückbesinnung auf Kämpfertypen wie Heidemann, Simon Scherder, zuvor schon Philipp Hoffmann, dazu auf die altbewährte Viererkette hat auch der Trainer einen Schritt Richtung Kampfbereitschaft vollzogen. Am System wollte er die gute Vorstellung aber nicht festmachen. „Das ist eigentlich egal, auch wenn es für mehr Klarheit gegen den Ball sorgt, eine eindeutigere Zuordnung und andere Abstände bringt.“ Gleichzeitig räumte er ein, „dass wir vorne eine bessere Pressinghöhe finden und nicht mehr wild drauf gegangen sind“.

Kommunikation stimmte nicht

Die Selbstkritik vieler Akteure für das Verhalten beim Gegentor (ein Sonntagsschuss von Benjamin Kessel) wertete Hübscher als gutes Zeichen. Sowohl Heidemann, der unfreiwillig aufgelegt hatte, als auch Scherder oder Keeper Oliver Schnitzler stritten eine Mitschuld nicht ab. Denn der lange Ball von Robin Ziegele aus der Hälfte der Gäste wäre ohne Weiteres ins Aus ge­segelt. „Da hätten wir reden müssen, die Kommunikation stimmte nicht“, so Stürmer Luca Schnellbacher. „Ansonsten haben wir ja ­wenig zugelassen. Daher ist ein Punkt zu wenig.“

Auf diese Zusammenfassung konnten sich alle verständigen. Genauso wie auf die große Problemstellung, die Hübscher so formulierte: „Was uns stresst, ist die Tabelle.“ Gibt es dort nicht bald Fortschritte, könnte es doch rasch ungemütlich werden.

Drei Fragen an Simon Scherder

Ex-Spielführer Simon Scherder kehrte zurück ins Team und war nach kleineren Anlaufschwierigkeiten bald wieder im Saft, leitete auch das späte 1:1 ein. Alles rosig war für ihn aber noch lange nicht.

Nach Wochen der schweren Abwehrfehler – warum stand diesmal die Defensive stabil?

Scherder: Stimmt. Unser Defensivverhalten war ordentlich. Die neue Ordnung tat uns ganz gut. Allerdings fiel das Tor dann doch wieder zu einfach.

Was lief da falsch?

Scherder: Da müssen wir uns alle mit reinnehmen, da hätten wir besser organisieren, anders sprechen müssen.

Können Sie sich denn wirklich über ein Remis freuen? Die Tabellenlage ist ja dramatisch.

Scherder: Keine Frage, das hilft uns nicht wirklich. Das Mittelfeld ist schon relativ weit weg, wir müssen langsam mal gewinnen. Aber immerhin stimmt die Einstellung – das war in meinen Augen die ganze Zeit.

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