Fußball: Amateurligen
Ende der Schlupfloch-Zeit für fünffache Gelbsünder in Sicht

Münster -

Wer eine Gelbe Karte will, der kriegt sie auch. Die Schiedsrichter sind eben an das Regelwerk gebunden. Amateurfußballer machen gern davon Gebrauch und holen sich ihre Sperre für die fünfte Verwarnung vor spielfreien Wochenenden wie dem kommenden ab. Lange dürfte das aber nicht mehr klappen.

Dienstag, 19.11.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 19.11.2019, 18:51 Uhr

Auf vielen Schauplätzen in Westfalen gab es am Wochenende Szenen zu beobachten, die nicht ganz neu sind. Waren Spiele entschieden oder neigten sich dem Ende zu, blieb oft noch ein Kicker länger vor dem ruhenden Ball stehen, drosch die Kugel unmotiviert weit weg oder versuchte sich an der schmerzlosen, aber stets geahndeten „Textilbremse“. Alle einte ein Ziel: die Gelbe Karte kassieren.

Das alles, weil das Regelwerk für die fünfte Verwarnung in einer Saison eine zehntägige Sperre vorsieht – und weil am nächsten Wochenende wegen des Totensonntags spielfrei ist. Wer also in dieser Serie bereits viermal den gelben Karton gesehen hatte, fühlte sich geradezu eingeladen, das Schlupfloch zu nutzen. „Natürlich machen wir das, wir wären doch blöd, wenn nicht“, sagte am Sonntag ein Bezirksliga-Coach. Sein Gegenüber vom gegnerischen Team kommentierte (bei einem deutlichen Zwischenergebnis) in den letzten zehn Minuten fast jeden Zweikampf lächelnd so: „Der braucht wohl auch noch seine Gelbe ...“ Wer mag es ihnen auch verdenken?

Philipp Hagemann, Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichterausschusses Münster, kennt die Problematik. „Uns sind da aber die Hände gebunden. Kein Referee schaut sich vorher die vorbelasteten Spieler an. Wenn einer das Trikot aus diesem Grund beim Torjubel auszieht, kriegt er eben seine Karte. Aber es ist wirklich auffällig, dass an diesen Wochenenden alles versucht wird.“

Andere Regel für Platzverweise

Bei Roten und Gelb-Roten Karten sind die Sünder – anders als bei der fünften Gelben – wettbewerbsübergreifend gesperrt. Für einen Platzverweis in der Liga sind die Betroffenen also auch bei Pokal- oder Freundschaftspartien, die in den entsprechenden Zeitraum fallen, nicht einsatzberechtigt.

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Der Totensonntag ist die eine Sache, aber auch vor der Winterpause oder teils vor dem Karnevals- oder Osterwochenende bietet sich Mehrfachsündern diese Chance. In Staffeln mit ungerader Zahl an Mannschaften (wie die Westfalenliga 1 oder Landesliga 4) hat sogar an jedem Spieltag ein Team die Möglichkeit, eine Sperre zu umgehen.

„Wir haben es im FLVW ein paarmal angesprochen“, sagt Hagemann. „Eigentlich waren sich immer alle einig, dass die Regel Unsinn ist. Es gibt keine guten Argumente.“ Der Westdeutsche Verband, der Westfalen übergeordnet ist, tat sich mit Blick auf höhere Ligen bisher schwer, den entsprechenden Passus zu ändern. Zur neuen Saison ist eine Anpassung aber fest vorgesehen.

Das bestätigt auch Gerhard Rühlow, unter anderem seit vielen Jahren Staffelleiter der Landesliga 4 und Bezirksliga 12. Der Funktionär begrüßt den Schritt ausdrücklich. „Es darf nicht sein, dass es solche Graubereiche gibt“, sagt er. Gleichwohl kann er keinen signifikanten Anstieg an Verwarnungen an Spieltagen wie dem letzten ausmachen – allerdings holte sich in der Landesliga ein Viertel der mit vier Gelben Karten belasteten Akteure gleich die fünfte ab – in der Bezirksliga waren es sogar neun von 17 (sechs davon in der Schlussphase). „Was sie tun, ist völlig legal“, sagt Rühlow.

Der schwarze Peter liegt bei den Verbänden. Die Sperre nach der fünften Verwarnung gibt es erst seit 2013. Anfangs waren die direkt vor der Winterpause Betroffenen, weil „für ein Pflichtspiel“ aus dem Verkehr gezogen, für die gesamte Hallenrunde außen vor. Seit 2016 besteht der Status quo mit einer zehntägigen Auszeit. Und ab 2020 wird dann, wenn es glatt läuft, alles endgültig gerecht geregelt.

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